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Compliance im Einkaufsalltag: Wie in schlechten Filmen?

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Jenseits von Regeln und Sonntagsreden wird in der Wirtschaft kräftig getrickst und gemauschelt. Dabei wird – und das gereicht dem Einkauf nicht gerade zur Ehre – in der Beschaffung besonders viel manipuliert, und zwar nicht erst seit gestern.

Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Interne Revision e. V.(DIIR) aus dem Jahr 2007 hat sich die Bakschisch-Mentalität mit 37 % am stärksten im Einkauf breitgemacht, weit vor der Materialwirtschaft (23 %) und dem Vertrieb/Verkauf (14 %).

Aufgeweichtes Rechtsbewusstsein

In den vergangenen 7 Jahren dürfte sich an diesen Verhältnissen kaum etwas gebessert haben.

Dazu hat sich ganz allgemein das Rechtsbewusstsein (nicht nur im Einkauf) stark verändert. Begriffe wie „Kaufmannsehre“ oder „Rechtschaffenheit“ haben in der öffentlichen Wahrnehmung keinen Coolness-Faktor.

Sie riechen vielen Zeitgenossen nicht nur zu sehr nach gestern, sie entsprechen auch dem weitverbreiteten Grundsatz, dass der Ehrliche immer der Dumme ist.

Beachten Sie: Die Gelegenheit mag wohl Diebe machen, bestochen und geschmiert wird aber selten per Zufall.

Bestechungen werden fast immer systematisch geplant und vorbereitet und ziehen sich in der Regel über Jahre hin.

Habgier treibt die Kriminellen an Und zwar überwiegend Männer (71 %).

Das mag an der Arbeitskräftestruktur liegen, weil mehr Männer als Frauen in Deutschland beschäftigt sind, das kann aber auch einen übertriebenen Geltungsdrang der Männer zum Hintergrund haben.

Denn das Bedürfnis, etwas zu gelten, landet beim Motivations-Ranking auf Platz 2.

Das ist die genaue Reihenfolge:

Platz 1: Habgier
Platz 2: Geltungsbedürfnis
Platz 3: Aufwendiger Lebensstil
Platz 4: Finanzielle Notlage
Platz 5: Mangelndes Unrechtsbewusstsein

Die Schäden sind hoch

Es liegt in der Natur der Sache, dass über Bakschisch-Zahlungen keine Bücher geführt werden – jedenfalls keine offenen.

Die 200 seinerzeit vom Frankfurter DIIR befragten Unternehmen bezifferten ihre Betriebsschäden zwischen 10.000 und 250.000 €.

Doch das ist nur die eine – die betriebswirtschaftliche – Seite der Medaille.

Die andere Seite: Wirtschaftskriminelle schädigen nicht nur einzelne Firmen, sie führen Compliance-Grundsätze und eine faire Unternehmenskultur ad absurdum.

Ein Praxis-Beispiel

Der Seminar-Dienstleister Management Circle bietet regelmäßig Kurse und Schulungen in Sachen Korruptionsprävention an.

In einem seiner letzten Kurse wurde folgender Wirtschaftskrimi zum Besten gegeben: Ein für die Beschaffung von Handwerksleistungen zuständiger Einkäufer hatte über Jahre alle Aufträge immer dem gleichen Betrieb zugeschanzt und als Dankeschön die Hälfte des eingestrichenen Gewinns erhalten.

Der abgesprochene Trick der Ganoven: Zu jeder Ausschreibung produzierte der Inhaber des Handwerksbetriebes 3 weitere, natürlich fiktive, Angebote von Konkurrenzfirmen.

Das einzig Echte an diesem Coup war das Briefpapier, das sich der Handwerksmeister von diesen Betrieben besorgt hatte.

Mit dem Dreh gewann der Bakschisch-Betrieb über Jahre nicht nur alle Ausschreibungen, er konnte der Einkäuferfirma auch um 20 % überhöhte Preise in Rechnung stellen.

Ein leichtes Spiel, waren dort doch technischer und kaufmännischer Bereich so gut wie nicht getrennt.

Bevor die Kripo dreimal klingelt …

Typischerweise lebte der Einkäufer in dem geschilderten Praxisfall auf großem Fuß.

Ebenso typisch: Dieser Lebemann-Stil war in seinem Unternehmen natürlich niemandem entgangen.

Darauf angesprochen, schob der Mann stets seine angeblich wohlhabende Frau vor. Ein beliebtes Alibi- Argument ist auch eine überraschende Erbschaft.

So oder so: Haben Sie das Gefühl, es stimmt etwas nicht in Ihrer Abteilung (merkwürdiges Verhalten eines Kollegen, plötzlich veränderte Beschaffungspreise oder Liefertermine), gehen Sie der Sache nach.

Machen Sie Ihre Bauchschmerzen öffentlich, beispielsweise in einem eigens anberaumten Meeting.

Fragen Sie Ihre Mitarbeiter oder Kollegen ganz direkt, ob sie möglicherweise ähnliche Beobachtungen gemacht haben.

Ein Ja mit vielen Aber

International gültige Sozial- und Arbeitsstandards (theoretisch) zu formulieren ist das eine, sie in die Unternehmenspraxis umzusetzen das andere.

Wer hier forsch nach den Frauen und Männern des Einkaufs ruft, die der Materie ja tatsächlich auch am nächsten stehen, vergisst, dass genau diese Frauen und Männer von den Führungsetagen meist sträflich vernachlässigt werden.

Unter diesen ignoranten Voraussetzungen innovative Management- Tools einzuführen und zu etablieren, ist da im Alleingang nicht zu schaffen.

Aber Achtung: Ihre Verdachtsmomente sollten Sie immer mit entsprechender Umsicht und Faktenlage vortragen!

Einen Kollegen oder eine Firma grundlos anzuschwärzen kann gewaltig nach hinten losgehen.

So tricksen die ganz Großen

Im Korruptionsbeispiel von Management Circle handelte es sich im Grunde nur um Peanuts (was die Vergehen aber nicht entschuldigt).

Richtig zur Sache geht es dagegen bei den Dickschiffen der Wirtschaft. Und das weltweit!

Das war das globale Korruptions-Ranking 2013:

1. Europäische Union: 1,9 Mrd. € Kartellstrafen
2. USA: 756 Mio. € Kartellstrafen
3. China: 181 Mio. € Kartellstrafen

Beachten Sie: In der EU standen in erster Linie Automobilzulieferer und Banken wegen des LIBOR-Skandals am Pranger.

Zur Erinnerung: LIBOR ist ein in London festgelegter Interbanken-Zinssatz.

Die Machenschaften der Banker flogen im Juni 2012 auf, als jahrelange Zinsmanipulationen durch Barclays bekannt geworden waren.

Das Beispiel Krupp

Gemunkelt wurde in der Branche schon lange, dass es bei den „Schienenfreunden“ (4 Stahlkonzerne, die die Deutsche Bahn mit Schienen belieferten) nicht ganz koscher zugehen würde.

Im Sommer 2011 hatte das Bundeskartellamt dann eine heiße Spur, in deren Folge ThyssenKrupp Gleistechnik mit einem Bußgeld von 192 Mio. € am stärksten zur Kasse gebeten wurde – dem übrigens wenig später weitere 150 Mio. € Schadenersatz für die Deutsche Bahn folgten!

Ans Licht gebracht hatte die Mauscheleien einer der 4 „Schienenfreunde“: Voestalpine.

Per Selbstanzeige hatten die Österreicher den Klub auffliegen lassen – bei Kartellen ein durchaus üblicher Vorgang.

Beachten Sie: Gerechterweise muss gesagt werden, dass sich ThyssenKrupp eine Null- Toleranz-Strategie auferlegt hat, die nicht nur mehreren Vertriebs- und Geschäftsleitern den Job kostete, sondern auch den Beifall des Bundeskartellamts fand.

Gewürdigt wurde vor allem die konzerneigene Compliance-Abteilung.

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