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In 6 Schritten zum energieeffizienteren Unternehmen

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Von coupling-media,

Vielleicht haben Sie schon den klassischen Plan-Do-Check-Act-Verlauf kennengelernt. Er ist Bestandteil vieler Managementsysteme und beschreibt die wiederkehrenden Tätigkeiten.

Ich möchte Ihnen hier ein etwas anderes Bild zeigen, da im Bereich des Energie- managements andere Ausgangsbedingungen gelten. Hier nehmen der Aufbau der Organisationsstruktur und die Errichtung eines umfangreicheren Messsystems eine komplexere Rolle ein.

Schritt 1: Organisationsstrukturen schaffen

In einem Unternehmen gibt es viele Ansatzpunkte und mögliche Lösungen zum Energiesparen. Um das Einsparpotenzial vollständig auszuschöpfen, ist es wichtig, die verschiedenen Aktivitäten in diesem Feld miteinander zu verzahnen. Klare Zuständigkeiten und Arbeitsabläufe erleichtern diese Aufgabe. Für die Schaffung dieser notwendigen Organisationsstrukturen empfiehlt sich folgende Vorgehensweise:

Benennen Sie einen Energiemanager

Eine Schlüsselrolle für die Einführung und Umsetzung des EMS nimmt der Energiemanager ein.
Das sind seine Aufgaben:
? Koordinierung des Energieteams
? Abstimmung der Aktivitäten und Koordinierung der regelmäßigen Treffen zum Erfahrungsaustausch mit den Verantwortlichen
? Verantwortung für die Einführung, Anwendung und kontinuierliche Verbesserung des Energiemanagements
? Überprüfung der Einhaltung von Zielen und Zeitplänen
? Pflege der Kontakte zu den Akteuren außerhalb des Betriebs

Bilden Sie ein Energieteam

Die Verbesserung der Energieeffizienz in allen Handlungsfeldern erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Abteilungen. Intern ist es notwendig, die Spezialisten aus den einzelnen Abteilungen in die inhaltliche Diskussion der Maßnahmenplanung zu integrieren. Gut geeignet ist dafür die Einrichtung eines Energieteams (siehe Seite 7). An der Spitze dieser Gruppe sollte der Energiemanager stehen.

Schritt 2: Leitbild entwickeln

Nach der Schaffung von Organisationsstrukturen und der Festlegung von Zuständigkeitsbereichen kann die inhaltliche Arbeit beginnen. Als nächsten Schritt empfiehlt es sich, das Vorhaben „Steigerung der Energieeffizienz“ aktiv auf die Agenda zu setzen sowie diese Vision in der internen und externen Kommunikation zu verankern.

Tu Gutes und rede darüber“, wird häufiger gesagt als getan. Also: Auch Ihr Marketing gehört mit an den Tisch. Jede Investition sollte sich mindestens 2-mal rechnen. Daher sollten Sie über Ihre Bemühungen berichten und Ihre Kunden informieren, welche Ziele Sie sich gesteckt haben.
Sehr viele Vorschläge für Verbesserungen kommen aus der Belegschaft. Sie zu motivieren ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu einer effizienteren Produktion.

Für die Entwicklung des Leitbilds sollte der Energiemanager die Vorbereitung und Koordination übernehmen. Die Verantwortung liegt bei der Geschäftsleitung. Sie legt die strategischen Ziele fest, auf deren Basis dann operative Ziele erarbeitet werden.

Ein Beispiel für ein strategisches Ziel ist die Vorgabe, dass bei gleich bleibender Produktion der Energiebezug um 10 % gesenkt werden soll. Das entsprechende operative Ziel ist die Festlegung von einzelnen Bereichen, in denen konkrete, messbare Einsparungen erreicht werden sollen. Daraufhin werden die nötigen Maßnahmen festgelegt. Die Umsetzung der Maßnahme und deren Auswertung obliegen dem Energiemanager.

Das Leitbild und die strategischen Ziele müssen regelmäßig weiterentwickelt werden.

Schritt 3: Ausgangssituation analysieren

Die Grundvoraussetzung für eine sinnvolle Maßnahmenplanung ist die Analyse der Ausgangssituation. Sie nimmt einige Zeit in Anspruch, ist jedoch für die richtige Prioritätensetzung und Entscheidungsfindung von zentraler Bedeutung.

Beginnen Sie mit der Bestandsaufnahme

In der Bestandsaufnahme geht es zunächst darum, die energierelevanten Daten zu sammeln. Hierzu ist der Aufbau eines automatisierten Messdatenmanagements sinnvoll. Hierüber werden wir in einer der nächsten Ausgaben berichten.
Kümmern Sie sich zunächst um die energierelevanten Unternehmensteile, wie beispielsweise Produktion oder Instandhaltung. Betrachten Sie im nächsten Schritt einzelne Produktionsbereiche, Hallen oder Produktionslinien. Die Aussagekraft Ihrer Daten wird somit langsam konkreter.
Die Detailgenauigkeit kann dabei bis auf den einzelnen Energieverbraucher heruntergebrochen werden. Allerdings ist fraglich, ob eine so genaue Betrachtung sinnvoll ist. In der Regel können Sie nach dem bekannten 80/20-Prinzip sehr schnell feststellen, wo die relevanten Energieve braucher in Ihrem Betrieb stecken. Um die sollten Sie sich zunächst kümmern, da hier der größte Einspareffekt zu erwarten ist.

Die Grobanalyse

Bei der Grobanalyse geht es darum, auf Basis bereits vorhandener Daten eine erste Bestandsaufnahme des Betriebs unter energetischen Gesichtspunkten zu erhalten.

Dabei sollen vor allem die Bereiche und Anlagen mit dem größten Energieverbrauch erfasst werden. Spätere Feinanalysen können mögliche Einsparpotenziale präzisieren.

Für die Grobanalyse benötigen Sie die aktuellen Lieferverträge und die Lastprofile der letzten 3 Jahre. Die Öl- und Wassermengen schätzen Sie anhand eigener Verbrauchsaufzeichnungen.
Bereits bei der Grobanalyse werden Sie feststellen, wo Ihnen die vorliegenden Daten zu unpräzise sind. Dadurch gewinnen Sie erste Erkenntnisse über den Bedarf an zusätzlichen Zählern oder Messgeräten. Existieren nur Summenlastgänge des Strom- oder Gasbezugs, ist es sinnvoll, Unterzähler zu installieren. So können Sie z. B. einzelne Prozesse (Druckluft, Kälte- Klima …) separat betrachten. Achten Sie darauf, dass durch Veredelung entstandene Energien nicht doppelt erfasst werden (Beispiel: Strom zur Drucklufterzeugung).

Feinanalyse

Die im Rahmen der Grobanalyse identifizierten Energieverbraucher werden nun detaillierter untersucht. Mit differenzierten Daten können Energieeinsparungen genauer analysiert und Wirtschaftlichkeitsberechnungen angestellt werden. Ziel ist, die Faktoren zu ermitteln, die den Energieverbrauch beeinflussen. Mit diesen Ergebnissen können dann konkrete Optimierungsmaßnahmen erarbeitet werden.

Definieren Sie Energiekennzahlen

Faktoren, die einen Einfluss auf den Energieverbrauch haben, wie etwa die Produktionsmenge oder die Betriebszeit, die beheizte Fläche oder die Anzahl Beschäftigter, die Außentemperatur oder relevante Betriebstemperaturen, müssen ebenfalls erhoben werden. Nur so können Sie Energiekennzahlen ableiten. Bei einer eventuellen Zertifizierung werden diese Kennzahlen verlangt.

Mit Energiekennzahlen lassen sich Energieziele leichter formulieren.

Schritt 4: Ziele setzen und Maßnahmen entwickeln

Ausgehend von den ermittelten Analysedaten können Sie jetzt eine Abschätzung der Energie- und Kosteneinsparpotenziale für die einzelnen Handlungsfelder vornehmen. Ziel ist es, aufzuzeigen, was aus heutiger Sicht sowohl technisch als auch wirtschaftlich kurz-, mittel- und langfristig erreichbar ist.

Identifizieren Sie die wichtigsten Handlungsfelder

In einer Gesamtbetrachtung können die einzelnen Handlungsfelder einander gegenübergestellt werden. So lassen sich die Stärken und die Schwächen am besten erkennen.
Eine Energiekostenaufstellung hilft in diesem Zusammenhang, die größten Kostenverursacher zu erkennen, in denen voraussichtlich auch das größte Einsparpotenzial steckt.
Die Analyse der Ausgangssituation ist eine gute Basis für die Formulierung messbarer Ziele in den einzelnen Handlungsfeldern. Dieser Schritt hilft später, den Erfolg der Energieeffizienzaktivitäten kontinuierlich zu überprüfen. Wurden Ziele festgelegt, können Maßnahmen entwickelt und ein Effizienzprogramm aufgestellt werden.

Konkretisieren Sie die Ziele

Im Leitbild haben Sie die langfristigen strategischen Ziele für das gesamte Unternehmen festgelegt. Jetzt geht es darum, davon ausgehend operative Ziele zu entwickeln, wobei man zwischen kurz-, mittel- und langfristig unterscheiden muss.
Gute operative Ziele erfüllen die soge- nannten „S.M.A.R.T“-Kriterien:
? Spezifisch
? Messbar
? Angemessen
? Realistisch
? Terminiert

Entwickeln Sie die Energieeinsparmaßnahmen

In jedem Handlungsfeld gibt es eine große Anzahl von möglichen Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz. Beginnen Sie damit, alle Maßnahmen aufzuschreiben, die Ihnen einfallen. Das können sowohl neue Ideen als auch bereits geplante Vorhaben sein.

Für die infrage kommenden Maßnahmen erstellen Sie dann jeweils eine Checkliste. Dieses Vorgehen erleichtert die Prioritätensetzung und beschleunigt die Entscheidungsprozesse.

Folgende Punkte sollte diese Checkliste enthalten:

? Kurzbeschreibung
? Startzeitpunkt und Fertigstellung der Maßnahme
? Wirkzeitraum
? Einsparpotenzial
? Kosten
? Wirtschaftlichkeit
? Personalbedarf
? beteiligte Akteure
? Zuständigkeit für die Umsetzung
? erste Handlungsschritte
? Überschneidungen/Ergänzungen zu anderen Maßnahmen
? bestehende Notwendigkeiten/Dringlich- keit

Setzen Sie Prioritäten!

Nicht alle guten Ideen können gleichzeitig in Angriff genommen werden. Deshalb ist es wichtig, Prioritäten zu setzen.

Folgende Kriterien helfen beim Vergleich der Maßnahmen:
? Kosten für die Umsetzung
? Energiekosteneinsparung
? Wirtschaftlichkeit
? ggf. CO2-Einsparung
? Umsetzungsgeschwindigkeit
? bestehende objektive Notwendigkeit
? Öffentlichkeitswirkung
? wirtschaftliche, soziale und sonstige Auswirkungen

Eine Nutzwertanalyse erleichtert die Entscheidung für konkrete Maßnahmen. Nach einer Nutzwertanalyse können die Maßnahmen entsprechend ihrer Punktzahl sortiert werden. So lässt sich auf einen Blick erkennen, mit welchen Maßnahmen die formulierten Ziele zu erreichen sind.

Schritt 5: Maßnahmen planen und finanzieren

Nicht alle Maßnahmen kosten Geld. Beginnen Sie mit den organisatorischen Veränderungen. Die sind häufig zum Nulltarif zu bekommen, kosten aber „Überwindung“ in Form von veränderten Prozessen und Abläufen. Motivieren Sie Ihre Mitarbeiter, dann wird die Umsetzung leichterfallen.
Es sind oft die vielen kleinen und eher unbewussten Handlungen, die für unnötigen Energieverbrauch stehen. Werden Sie durch gezielte Ablaufänderungen umgangen, und gelingt es den Mitarbeitern, die veränderten Schritte zu adaptieren, haben Sie bereits erste Erfolge. Das motiviert für die weiteren Aktivitäten.
Beispiele für organisatorische Veränderungen:

? Leerlaufzeiten reduzieren
? große Maschinen zeitversetzt anfahren (und dadurch Lastspitzen reduzieren)
? Prozessparameter ändern (Druck, Temperatur)
? Regelungen auf den Bedarf abstimmen (z. B. Lüftungsanlage, Frischwasserzu- fuhr)
? Vorlauftemperaturen optimieren
? Abwärme anderer Prozesse nutzen
? Präsenzmelder und tageslichtabhängige Regelungen einführen

Technische Maßnahmen erfordern in der Regel Investitionen. Die Ausarbeitung der Maßnahmen ist in der Regel deutlich umfangreicher. Zum Teil werden Sie dazu auf externe Beratungsleistungen zurückgreifen müssen.

Prüfen Sie Förderangebote zur Beratung und Umsetzung Ihrer Maßnahmen.

Knappe finanzielle Mittel stellen eine große Herausforderung bei der Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen dar. Die Förderprogramme des Bundes, der KfW- Förderbank, der Bundesländer und der Europäischen Union können Abhilfe schaffen.

Finanzierung und Umsetzung durch einen privaten Dienstleister

Über Contracting können Sie Energieeffizienzmaßnahmen auch ohne eigenes Kapital umsetzen. Insbesondere Maßnahmen mit hohem Einsparpotenzial lassen sich dadurch gut umsetzen.
Beim Contracting wird der größte Teil der Planung und der Umsetzungsbetreuung vom Energiedienstleister in Eigenverantwortung übernommen. Das verschafft Ihnen „Luft“ für andere Projekte.

Einsparcontracting

Gerade das Einsparcontracting ist eine sehr interessante Angelegenheit für Unternehmen. Hierbei werden beispielsweise ganze Anlagen (etwa eine Kälte- oder eine Dampfanlage) einem Energiedienstleister übertragen. Nach erfolgreicher Sanierung werden Sie nun vom Contractor mit z. B. Kälte oder Dampf beliefert. Hierzu vereinbaren Sie einen Lieferpreis für das Medium. Dieser gilt in der Regel über die gesamte Laufzeit des Vertrages.
Je nach Investitionsvolumen laufen Contractingverträge 10 oder mehr Jahre. Danach gehört die Anlage Ihnen. In der Zwischenzeit beschaffen Sie also nicht mehr die Anlagen und den Strom dazu, sondern bekommen das Medium geliefert, das Sie benötigen.

Schritt 6: Maßnahmen umsetzen

Mit einer guten Vorbereitung sind die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Realisierung des Energieeffizienzvorhabens geschaffen. Wurde die Reihenfolge der Maßnahmen festgelegt und die konkrete Planung der einzelnen Schritte abgeschlossen, kann die Umsetzung beginnen. Folgende Faktoren sind dabei entscheidend:

? Interne Kommunikation. Die Einbe- ziehung von Mitarbeitern stärkt deren Motivation und Identifikation mit dem geplanten Vorhaben. Sie kann über unterschiedliche Kanäle erfolgen: Intranet, Flyer, Artikel in der Mitarbeiterzeitung etc.
? Zeitcontrolling. Der Energiebeauftragte sollte in 4- bis 6-wöchigem Turnus den Stand der Umsetzung überprüfen. So können bei Schwierigkeiten und Zeitverzögerungen rechtzeitig Korrekturmaßnahmen umgesetzt werden.
? Fehlerfrüherkennung. Um Fehler frühzeitig zu erkennen und von vornherein zu vermeiden, sollte festgelegt werden, was wann geprüft werden muss und wer für diese Prüfung verantwortlich ist.
? Krisenmanagement. Laufen die Dinge mal nicht so wie geplant, ist bei Einzel- maßnahmen der Projektverantwortli- che als Krisenmanager gefragt.

Nächster Schritt: Bilanzieren, überprüfen, aktualisieren

Nach einem angemessenen Zeitraum ist es an der Zeit, das Erreichte festzuhalten und zu bewerten.
Viele Energieeffizienzmaßnahmen wurden bereits umgesetzt, einige strukturelle Veränderungen vorgenommen. Dem Ziel, die Energieeffizienz zu steigern und einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, sind Sie mit Sicherheit ein großes Stück nähergekommen. Halten Sie Ihre Fortschritte bei der regelmäßigen Aktualisierung (am besten jährlich) im Energiebericht fest.
Nach dem 1. Durchlauf kann mit einer erneuten Analysephase (Schritt 3) jetzt der 2.Durchlauf beginnen. Denn es wird auch weiter Handlungsbedarf und Energieeinsparpotenziale geben.

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