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Kostenanalyse: So finden und berechnen Sie Ihre Netzentgelte

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Von coupling-media,

Die Netznutzungsentgelte machen etwa 20 % Ihrer Energiekosten aus. In der Regel gelten sie für ein Jahr und sind nur unter bestimmten Voraussetzungen reduzierbar.

Wie ist unser Stromnetz aufgebaut?

Deutschland ist in 4 Regelzonen aufgeteilt. Auf der Höchstspannungsebene erfolgt der Stromtransport über weite Entfernungen mit einer Spannung von rund 380.000 Volt. Auf der Höchstspannungsebene erfolgt auch eine Mengenbilanzierung der Lieferanten. Wird ein Kunde von einem externen Lieferanten mit Strom beliefert, speist dieser den Strom für den Kunden auf der Ebene der Regelzonen ins Netz ein. Der Transport der Energie über die einzelnen Spannungsebenen obliegt den Netzbetreibern.

Auf dem Weg zur Abnahmestelle beim Kunden muss der Strom dann noch in einigen Spannungsstufen auf unsere Entnahmespannung von 400 Volt (Niederspannung) heruntertransformiert werden. Liegt der Energieverbrauch des Kunden oberhalb von 300.000 kWh pro Jahr, erfolgt die Lieferung direkt über die Mittelspannungsebene (10.000 – 30.000 Volt), da das Niederspannungsnetz mit auftretenden Lastschwankungen überfordert wäre. Die Umspannung auf 400 Volt erfolgt dann in der Regel in einer kundeneigenen Trafostation. Das Stromnetz in Deutschland ist rund 1,8 Millionen Kilometer lang.

Was sind Netzentgelte?

Die Netznutzungsentgelte sind eine Art Maut für die Nutzung des Stromnetzes. Die beim Betrieb des Stromnetzes entstehenden Kosten werden auf alle Netzteilnehmer umgelegt. Dabei gibt es pro Netzbetreiber und Spannungsebene unterschiedliche Kostenstrukturen. Die Kosten werden auf jedes genutzte Kilowatt Leistung bzw. jede entnommene Kilowattstunde Strom umgelegt.
Hinweis: Die Netzentgelte sind häufig der Grund, warum Kunden mit vergleichbaren Verbrauchsstrukturen in unterschiedlichen Netzen unterschiedliche Gesamtkosten haben.


So setzen sich die Entgelte zusammen:
1. Leistungspreis
Der erste Kostenbestandteil bemisst sich nach der Höhe der gleichzeitig entnommenen Leistung.
Der Kunde kann seine vereinbarte Höchstleistung jederzeit in Anspruch nehmen. Für diese Höchstleistung wurde der Stromanschluss ausgelegt und ein sogenannter Baukostenzuschuss fällig. Dieser Zuschuss wird dem Kunden vom Netzbetreiber in Rechnung gestellt.
Das jeweilige Stromnetz muss also entsprechend gut ausgebaut sein. Bezahlt wird in Euro pro Kilowatt Leistung. Als Abrechnungsgrundlage gilt in der Regel die maximale Höchstleistung des Jahres.

 

2. Arbeitspreis
Für den Transport der Energie vom Kraftwerk zum Kunden wird eine Gebühr pro Kilowattstunde berechnet. In den Entgelten eines Netzbetreibers sind die Kosten der vorgelagerten Netze enthalten. Je nach Struktur des Netzes liegen die vorgelagerten Netzebenen nicht beim lokalen Netzbetreiber. Die für jede Netzebene existierenden Kostenstrukturen sind denen der lokalen Netzentgelte sehr ähnlich. Abgerechnet wird auf Grundlage der tatsächlich gelieferten Energiemenge.

3. Messpreis
Die Messung und Abrechnung der ver- brauchten Energiemenge wird in 3 Kosten- bestandteilen in Rechnung gestellt. Man unterscheidet

? den Betrieb der Messstelle (Kosten des Zählers),
? die Messung (Ablesung und Datentransfer),
? die Abrechnung (Erstellung der Rechnung).

In vielen Rechnungen werden diese 3 Kostenbestandteile in einer Summe dargestellt. Mitunter werden die Messkosten auch als Grundkosten auf der Rechnung ausgewiesen. Ob es sich dabei dann um die tatsächlichen Netznutzungsentgelte handelt, muss überprüft werden.
Achten Sie darauf, dass es sich beim Grundpreis nicht um einen allgemeinen Kostenblock handelt und die Kosten für die Messung im Bereich der Netzentgelte abgerechnet werden.

4. Blindstrom
Blindstrom belastet das Netz und muss daher vom Netzbetreiber kompensiert werden. Hierfür wird bei zu großen Blindstrommengen (in der Regel cos phi (cos ?) von größer 0,9) ein Entgelt in Cent pro kvarh berechnet.

Unter Blindstrom versteht man eine Phasenverschiebung, die das Netz belastet. Sie wird zum Beispiel durch Spulen oder Kondensatoren erzeugt. Am einfachsten stellen Sie sich die Belastung des Netzes durch Blindleistung wie folgt vor: Wenn innerhalb einer großen Menschenmenge ein kleiner Teil von Personen mit einer anderen Geschwindigkeit geht, gerät das Gefüge aus dem Gleichgewicht. Es führt also zu Störungen, wenn ein Teil der Gruppe schneller oder langsamer als der Rest gehen will. Eine Phasenverschiebung hat in etwa die gleiche Auswirkung.

Blindstrom ist Bestandteil der Netzentgelte und wird vom Netzbetreiber berechnet. In Lieferverträgen entsteht häufig der Eindruck, es sei eine Preiskomponente des Lieferanten. Durch eine Blindstromkompensationsanlage können diese Kosten vermieden werden.

Netzentgelte müssen genehmigt werden

Seit November 2005 müssen Netzbetreiber ihre Netznutzungsentgelte von der Bundesnetzagentur genehmigen lassen. Diese kürzt sehr häufig die verschiedenen vom Netzbetreiber dargestellten Kosten und hat außerdem Erlösobergrenzen festgelegt.
Netzentgelte müssen veröffentlicht werden.

Die historischen und aktuellen Netzentgelte finden Sie auf den Internetseiten der Netzbetreiber. Am einfachsten gelangen Sie über die Internetseite Ihres lokalen Energieversorgers auf die Internetpräsenz Ihres lokalen Netzbetreibers. Dort finden Sie die Preisblätter unterteilt nach Kostenpunkten.

Wie Sie Ihre Netzentgelte ermitteln

Auf der Internetseite Ihres Netzbetreibers finden Sie in den Preisblättern die Kostenbestandteile der Netznutzung. Für eine leistungsgemessene Abnahmestelle orientieren Sie sich z. B. an folgender Tabelle (Beispiel der E.ON Mitte):

Arbeits- und Leistungspreis:

Kunden mit registrierender 1/4-h-Leistungsmessung

Übersichtstabelle Jahresnutzungsdauer


Suchen Sie aus der Tabelle Ihre Spannungsebene heraus. Wenn Sie eine Trafostation besitzen, sind Sie Mittelspannungskunde. Kunden unter 300.000 kWh Jahresverbrauch haben in der Regel eine Niederspannungsversorgung. Diese Information finden Sie in Ihrem Liefervertrag. Wählen Sie je nach Ihrer Verbrauchsstruktur die Netzentgelte unter oder über 2.500 h/a aus.
Sonderfall Umspannung
Werden Sie als Kunde per Mittelspannung versorgt, ohne dass Ihnen die Trafostation ge- hört, gelten Sie als Umspannungskunde. In diesem Fall gelten die MS/NS-Konditionen.

Was sind Benutzungsstunden?
Hierbei handelt es sich um eine einfache rechnerische Größe. Sie teilen Ihre Jahresener-
giemenge (in kWh) durch die maximale Höchstleistung (in kW) des Jahres. Das Ergebnis
gibt an, in wie vielen Stunden Ihre gesamte Strommenge verbraucht wäre, würden Sie
permanent Ihre maximale Leistung abrufen. Daher spricht man auch von Vollbenutzungs-
stunden (Vbh). Je größer die Vbh-Zahl ist, desto gleichmäßiger ist Ihre Stromabnahme.

Messpreis

Entgelte für Kunden mit registrierender 1/4-h-Leistungsmessung

Übersichtstabelle Messpreise


Bei den Messpreisen finden Sie alle Preiskomponenten für Ihre jeweilige Span- nungsebene. Mit TK-Komponente ist die Telekommunikationseinheit gemeint. Haben Sie dem Netzbetreiber einen Telefonanschluss zur Auslesung zur Verfügung gestellt, oder hat dieser die TK-Einheit auf eigene Kosten installiert? Dann wurde bei Ihnen sehr wahrscheinlich ein GSM-Modem (also Mobilfunkmodem) eingebaut. Die Kosten dafür können je nach Netzbetreiber bis zu 30 € pro Monat betragen.

Netzentgeltberechnung:
Jahresenergiemenge * Arbeitspreis
+ Jahreshöchstleistung * Leistungspreis
+ Messpreis (alle 3 Komponenten)
= Jahresnetzkosten

Achten Sie auf die Gültigkeitszeiträume

Die Netzkosten gelten in der Regel jeweils für ein Kalenderjahr. Auf den Preisblättern finden Sie die Angabe zum Zeitraum.

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