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Global Sourcing: E-Sourcing hat in Schwellenländern Seltenheitswert

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Einkäuferliebling China hat einen besonders großen Nachholbedarf. Eine verblüffende Nachricht aus der ansonsten technikverliebten Volksrepublik. Verzichten in Europa und Nordamerika heutzutage doch selbst Mittelständler nicht mehr auf eine elektronische Beschaffung.

Und das nicht nur bei C-Teilen, sondern auch in den aufwändigeren B- und A-Kategorien. Jens Holtmann, Chefredakteur des Fachinformationsdienstes „Einkaufsmanager” hat sich das E-Sourcing in Schwellenländern genau angeschaut und präsentiert Ihnen heute aufschlussreiche - und überraschende - Informationen.

E-Sourcing: Eine Frage der Kultur

Im Zeitalter des Global Sourcing sind meterweise Bücher über die Unterschiede der diversen Kulturkreise geschrieben worden. Unter den Tisch gefallen ist dabei das ESourcing, das gleichzeitig einen weiteren Aspekt hinzufügt. Es sind ja weder Mittel noch Knowhow, die Unternehmen in den Schwellenländern davon abhalten, sich entsprechende IT-Systeme (von Ausnahmen abgesehen) zuzulegen.

Der große Blockierer sind sozio-emotionale Vorbehalte. Bei Online-Systemen gibt es zum Beispiel keinen persönlichen Kontakt, kein Verhandeln, Feilschen und Tricksen (auch mit Webcams nicht). Damit fehlt aber besonders für nah- oder fernöstliche Zuliefermärkte ein wichtiger Mosaikstein, um Geschäftsbeziehungen aufzubauen. Diese Märkte brauchen nämlich eines zuallererst: den persönlichen Austausch. Und den kann selbst die beste Software der Welt nicht liefern.

Beachten Sie: Üblich ist bei Internet-Auktionen beispielsweise, dass Interessenten oder Einkäufer ein bindendes Angebot abgeben – zumindest in Europa. In Asien aber wollen Anbieter in der Regel nachverhandeln. Eine Klippe, an der jedes E-Sourcing-System wegen besagter Kulturunterschiede scheitern muss.

E-Sourcing: Eine Frage der Kosten

Für eingeschliffene und gut funktionierende Geschäftsbeziehungen können E-Sourcing- Systeme bei der Bestellabwicklung oder dem Lieferantenmanagement beim heutigen Stand der IT-Technik schon von Nutzen sein, zumindest aus Sicht eines westeuropäischen Bestellers.

In der Praxis aber macht der (fernöstliche) Zulieferer eine ganz andere Rechnung auf. Trotz spürbarer Lohnsteigerungen (in der Region Peking beträgt der aktuelle Durchschnittslohn z. B. 3.000 RMB = 366,31 €) sind seine Prozesskosten noch immer so niedrig, dass sich der Einsatz von meist in Europa oder den USA programmierten und damit teuren IT-Software-Lösungen für ihn nicht lohnt.

Es ist z. B. keine Seltenheit, dass selbst in Mittelstandsunternehmen der Schwellenländer im Einkauf 30 bis 40 Mitarbeiter beschäftigt sind.

E-Sourcing: Indien ist Vorreiter

Kein Schwellenland ist in Sachen E-Sourcing (von Leuchttürmen in Lateinamerika und Osteuropa abgesehen) weiter als der Subkontinent. Dort stehen Software-Häuser wie Onventis oder SAP nicht nur Gewehr bei Fuß, in vielen Unternehmen haben sie bereits E-Sourcing-Systeme vom Typ „Made in Germany“ installiert. Bislang waren diese Systeme ganz sicher nicht das große Geschäft, aber als langfristige Marketingstrategie überaus sinnvoll. Denn über kurz oder lang werden auch Indien und die übrigen Schwellenländer in die Kostenfalle tappen.

Beachten Sie: Einer der größten chinesischen Arbeitgeber, die Foxconn Technology Group, die u. a. für Apple das iPad produziert, zahlte seinen Arbeitern im Werk Shenzhen (Südchina) 2012 durchschnittlich 2.200 Yuan (268,63 €) im Monat – 10 % mehr als vor einem Jahr. Beim Keramikhersteller Foshan Monalisa (ebenfalls Südchina) waren es mit 2.800 Yuan (341,89 €) sogar 20 % mehr als im Vorjahr.

China macht sich auf den Weg

Doch das ist noch immer nicht die Spitze. Vor gut einem Jahr verfügte die Provinzregierung der Insel Hainan (Südchina) per Dekret eine Erhöhung der Mindestlöhne um 37 % auf 830 Yuan (101,35 €). Kein Wunder, dass die dortigen Unternehmen zunehmend in Automatisierungstechniken wie E-Sourcing-Systeme investieren.

SAP hat allerdings die überraschende Erfahrung gemacht, dass bei diesen Vorhaben nicht Beschaffung und Einkauf im Vordergrund stehen, sondern die Chance, mit den IT-Lösungen ein Wissens- und Dokumentationsmanagement im Unternehmen aufzubauen.

Beachten Sie:Dagegen sind E-Sourcingtools in Zweigniederlassungen westeuropäischer Unternehmen gang und gäbe. Wie auch hierzulande setzen sie sie dazu ein, Beschaffungsprozesse zu vereinfachen. Unisono beklagen sie allerdings einen erhöhten Schulungs- und Überzeugungsaufwand wegen besagter kultureller Unterschiede.

Vermischte Aussichten

Denn bei allen Anfangserfolgen: E-Sourcing steckt in den Schwellenländern noch immer in den Kinderschuhen. Dort wiederholt sich eine Entwicklung, die es in Westeuropa vor 5 oder 10 Jahren gegeben hat – die Unternehmen tasten sich peu à peu an das neue Beschaffungsmedium heran.

Wie damals in Deutschland, Frankreich oder Österreich sind C-Teile heute in Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC-Staaten) das Versuchsfeld. Entsprechend müssen auch die dortigen Online-Angebote qualifiziert werden. Denn in der Regel sind sie auf viel Watte gebaut, die sich maximal für unverbindliche Anfragen eignen.

Mehr sollte derzeit kein Einkäufer erwarten. Bis chinesische Unternehmen hier auf westlichem Niveau sind, wird es noch dauern.

Fazit: Doch nicht IT-Fragen sind das große Problem des Global Sourcing, sondern nach wie vor Qualitätssorgen. Glücklich kann sich der Einkäufer schätzen, der in Russland oder anderswo einen hochwertigen Zulieferer gefunden hat. Kaum besser dran ist, wer seine Zulieferer in Indien oder China sitzen hat. Lediglich Brasilien und die Mittel-Ost-Europäischen-Staaten (MOE) schneiden in diesem Vergleich besser ab.

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