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Global Sourcing: Go local ist der neue Trend

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In den nächsten 10 Jahren werden sich Charakter und Struktur der internationalen Beschaffung grundlegend verändern, so der „Einkaufsmanager” . Wohin sich das Global Sourcing bewegt, erfahren Sie in diesem Beitrag.

In den nächsten 10 Jahren werden sich Charakter und Struktur der internationalen Beschaffung grundlegend verändern, so der „Einkaufsmanager” . Wohin sich das Global Sourcing bewegt, erfahren Sie in diesem Beitrag. Noch bis in die 1950er Jahre wurde in Deutschland wie zu Großvaters Zeiten eingekauft. In jenen Tagen existierte nicht einmal der Begriff Beschaffung. Stattdessen wurde von Materialwirtschaft gesprochen.

Neben der Produktion und dem Verkauf war sie nichts weiter als ein notwendiges Übel. Das blieb bis weit in die 1960er Jahre so. Der Konjunkturmotor brummte, und die Nachfrage war quer durch alle Branchen bestens, sodass sich nur die wenigsten mit Markt- und Sourcinganalysen abgaben.

Billig, billiger, am billigsten

Mit den ersten Krisen Mitte der 1970er Jahre änderte sich besagte Materialwirtschaft erheblich. Einkäufer (vor allem in Großbetrieben) begannen, Lieferanten zu bündeln und ganze Lieferprozesse zu standardisieren. Das alles beherrschende Schlagwort lautete damals „Integrierte Materialwirtschaft“. Ganz Mutige wagten sich bereits an Vorstufen des Global Sourcing heran.

Seinen Durchbruch erlebte der internationale Einkauf aber erst Jahre später, Stichwort: „China-Hype“. Wer damals nicht nach der Devise „Billig, billiger, am billigsten“ in Asien einkaufte, galt in Beschaffungskreisen als hoffnungslos antiquiert.

Beachten Sie: Bei Licht besehen entpuppt sich dieser China- oder Asien-Hype in erster Linie als Medien-Hype. Denn im Durchschnitt kaufen beispielsweise rund 70 % aller deutschen Maschinenbauer ihre Waren und Vormaterialien in Westeuropaein. Knapp 10 % gehen auf das Konto von Zulieferern aus Mittel- und Osteuropa, 6 % auf chinesische, 4 % auf US-amerikanische sowie jeweils 2 bis 3 % auf indische, japanische, südkoreanische und taiwanesische Lieferanten.

Billig-Sourcing ade

Eine der zwischenzeitlichen Moden des internationalen Einkaufs (nach der allerdings noch immer viele Betriebe ihren Einkauf organisieren) nannte sich „Low-Cost-Country-Quoten“. Fanden Einkäufer etwa heraus, dass für ihre Produktion benötigte Maschinenteile momentan in Polen besonders billig hergestellt wurden, legte die Geschäftsleitung fest, dass eine bestimmte Quote dieser Maschinenteile in Polen eingekauft werden musste.

Diese starre Fixierung auf den Einkaufspreis verhinderte natürlich eine ganzheitliche Kostenbetrachtung der Beschaffung.

Als die Margen einbrachen

Es mussten erst die Krisen von 2008 und 2009 kommen, um das große Umdenken in den Entscheideretagen anzustoßen. Vor 4, 5 Jahren, als die Margen und Verkaufszahlen schneller schmolzen als Eis in der Sonne, wurde nach neuen, gewinnbringenden Wirtschaftsformen gesucht. Der Vertrieb gab sie nicht mehr her, wohl aber die Beschaffung. Und eine dieser neuen Wirtschaftsformen hieß und heißt Total Cost of Ownership (TOC).

TOC – ein weiterer Sourcing-Schritt

Dass der Mittelstand in Sachen Beschaffung viel zu selten eine Vorreiterrolle spielt, ist schon oft beklagt worden, auch an dieser Stelle. So ist es nicht verwunderlich, dass die innovativen Anstöße fast immer von Großbetrieben kommen, wie zum Beispiel von dem Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen AG.

Schon seit ein paar Jahren kalkuliert ZF seine Kosten nach der Total-Cost-of-Ownership-Methode. Das heißt: Bei der Preiskalkulation eines Beschaffungsteils werden wirklich alle Kosten bis hin zu Logistik-, Reise- oder IT-Ausgaben berücksichtigt. Eine Sourcing-Form, die komplett neue innerbetriebliche Organisationsformen verlangt, bei denen Einkauf, Produktion und Vertrieb in einem Boot sitzen.

Die nächste Stufe des Global Sourcing Sie nennt sich „Go local“ und bedeutet keinesfalls, was das Wort vermuten lässt, eine Rolle rückwärts. Unternehmen besorgen ihre Teile und Rohstoffe auch weiterhin in aller Welt, verschieben dabei aber Aufgaben und Prozesse in der Beschaffung. Man könnte den Go-local-Trend auch eine neue Form des Outsourcings nennen. Noch ist er keine Massenbewegung, aber das könnte sich – wie bei jedem Trend – schnell ändern.

In den Einkaufsalltag umgesetzt bedeutet Go local: Beschafft wird dort, wo auch produziert wird. Im Fall der ZF Friedrichshafen heißt das: Für Autogetriebe beispielsweise, die in Indien hergestellt werden, werden vor Ort auch alle Teile und Vormaterialien eingekauft.

Das Beispiel Puma

Wer bei dem Sportartikelhersteller nach operativen Einkäufern sucht, wird auf leere Büros treffen. Die sitzen heute nämlich nicht in Bayern, sondern in Hongkong. In der mittelfränkischen Unternehmenszentrale in Herzogenaurach arbeiten nur noch Strategen.

Für Puma ist der Wachwechsel beim Global Sourcing längst im Gange. Die Herzogenauracher sind überzeugt, dass kleine ausländische Einheiten das Konzept des weltweiten Einkaufs und der globalen Weiterverarbeitung mit ihren vielen Produktions- und Vertriebsorten ablösen werden.

Praxis-Tipp: Dem Beispiel Puma wird nicht jedes Unternehmen jetzt und sofort folgen können und wollen.

Als Faustregel für ein „klassisches“ Global Sourcing gilt deshalb weiterhin:

  • Ein Asieneinkauf lohnt sich erst ab einer Kostenersparnis von 20 bis 30 %.
  • In Südeuropa oder den Mittel-Ost-Europäischen Staaten (MEO) sollte die Einsparquote rund 10 % betragen.

Alte Probleme

So neu und innovativ der Go-local-Trend auch immer ist, die Probleme bleiben die alten, besonders für das deutsche Management vor Ort. Ob nun bei Puma oder bei der Heyer Medical AG. Auch nach 8 Jahren China-Engagement haben sich die 12 Zweigstellenmitarbeiter von Heyer nur bedingt an die extreme Schnelllebigkeit und den Kulturunterschied gewöhnt.

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