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Internationaler Einkauf: Gesamtkostenvergleich statt reinem Preisvergleich

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Erfahrungsberichte in Fachmedien haben den Importeinkauf wieder zu dem gemacht, was er ist - eine von vielen lohnenden Beschaffungsmöglichkeiten. Vorausgesetzt, Sie beachten ein paar unumstößliche Regeln.

Praxis-Beispiel: Faktor Einkaufsvolumen
Für ihr neu eröffnetes Geschäft benötigte eine Floristin Kunstblumensträuße. Da ihr deutsche Produkte zu teuer waren (Stückpreis 2 bis 4 €), suchte sie nach Alternativen in China und fand schließlich in der Nähe von Shanghai einen Lieferanten. Dessen Blumen kosteten umgerechnet nur 50 Cent. Ein Schnäppchen - dem reinen Einkaufspreis nach. In ihrer Importrechnung vergessen hatte die Unternehmerin aber, dass sie nur Kleinstmengen pro Monat benötigte. Die Logistikkosten fraßen ihren Einkaufsgewinn mehr als doppelt auf.

Beispiel-Importkostenrechnung (gerundet)
400 Sträuße (15 Kartons): 200 €
UPS (Shanghai-Ravensburg): 500 €
Einfuhrabgaben: 128 €
Summe: 828 €

Beachten Sie: In dieser Beispielrechnung sind Qualitätsparameter oder das Problem der Lieferpünktlichkeit noch nicht einmal berücksichtigt.
Fazit: Bei kleinen Mengen im Niedrigpreissektor lohnen Importe aus Übersee wegen der unverhältnismäßig hohen Frachtkosten nicht. Alternativen bieten hier die benachbarten Mittel-Ost- Europäischen Länder (MOE).

Die TCO-Methode

Ohne alle Kosten genau berechnet zu haben, die vor, durch und nach der Bestellung einer Ware im Ausland anfallen, sollte eigentlich kein Einkäufer auf Beschaffungstour gehen. Mit der Total-Cost-of-Ownership-Methode (TCO) kommen Sie dabei am weitesten. Diese Methode berücksichtigt:

1. Direkte Einkaufskosten

  • Produkt/Materialpreis, Versicherungsprämien
  • Frachtkosten wie Verpackung, Transport, Zwischenlagerung usw.
  • Verzollung und Einfuhrgebühren, inklusive Kosten für die Dokumentation
  • Qualitätsprüfung
  • Kosten für Agenten/Dienstleister vor Ort
  • Akkreditivkosten
  • Währungsschwankungen
  • Wareneingangsprüfung
  • Fehlmengenkosten bei Sachmängeln und Rücksendungen
  • Zusatzkosten für erhöhte Ausschuss- und Retourenquote
  • Lieferverzugskosten
  • individuelle Risikoaufschläge

2. Indirekte Einkaufskosten

  • vor der Bestellung (Länderanalyse, Lieferantenanalyse, Lieferantenbesuche, Erstmusterprüfung und Freigabe, Qualitätsprüfung vor Ort, Vertragsmanagementkosten, TCO-Analysekosten u. a.)
  • nach der Bestellung (Lagerkosten, Kapitalbindungskosten, Entsorgungskosten, Fehlmengenkosten etc.)

Praxis-Beispiel: Bequemlichkeit
Aber nicht nur Anfänger schießen bei ihren Importstrategien so manchen Bock, auch gestandene Einkäufer sind vor Fehlern nicht gefeit. So hatte ein norddeutscher Spritzguss-Hersteller den TCOPunkt 'Transportkosten' mit der Zeit total aus den Augen verloren. Seit Jahren bezog er Plastikteile aus Vietnam, die er in 40-Feet-High-Cube-Containern nach Hamburg verschiffen ließ (Warenwert 22.000 €). Ebenfalls seit Jahren managt ein in Ho Chi Minh-Stadt ansässiger Dienstleister alle Frachtaufgaben. Bis März 2009 verlangten die Vietnamesen rund 2.000 $ für den Container-Transport - die der norddeutsche Einkäufer, ohne sich die Rechnungen näher anzusehen, auch stets treu und brav bezahlte. Der marktübliche Preis war zu dieser Zeit aber längst auf rund 500 $ gefallen.

Fazit: Mit einer einmaligen Analyse ist es nicht getan. Importkonditionen müssen immer wieder kritisch unter die Lupe genommen werden. Denn Bequemlichkeit und Nachlässigkeit machen einstmals günstige Kostenvorteile schnell zunichte.

Praxis-Beispiel: Faktor verdeckte Kosten

Ein Sprichwort sagt nicht umsonst: Kleinvieh macht auch Mist. Und wie viel sich da summieren kann, musste ein Einkäufer aus Chemnitz erfahren. Er hatte bei einem chinesischen Lieferanten eine Maschine bestellt. Der Preis war sensationell, Verladung und Verschiffung perfekt, im Konnossement (Seeladeschein, engl.: Bill of Lading = B/L) war jedoch ein "Local charges at destination, including delivery order fees" vereinbart. Im Klartext hieß das für den sächsischen Einkäufer, er hatte in Hamburg an nicht kalkulierten Hafenkosten zu zahlen:

  • 61,50 € Less Container Load (LCL)
  • 48,58 € Anleger-Gebühren
  • 11,28 € International Ship and Port Facility Security (ISPS)
  • 45,00 € Delivery Order Fee (D/O)
  • 82,00 € China Service Import Fee (CISF)
  • 45,00 € Lagerkosten (da er die 3 Tage Lagerfeldfrei des Hamburger Hafens überschritten hatte)

Fazit: Ein anderes Sprichwort sagt: Wer billig kauft, kauft zweimal - ob er nun bei der mangelnden Qualität draufzahlen muss oder bei den versteckten Kosten.

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