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Für energie- und rohstoffintensive Betriebe ist es heutzutage überlebenswichtig, die extrem schwankenden (volatilen) Marktpreise der Rohstoffe...

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Risikomanagement: Das Pendel schlägt zurück

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Über Jahre war das Pendel der Globalisierung zu Gunsten der westlichen Industrieländer ausgeschlagen. In den Schwellenländern waren die Rohstoffe billig und die Lohnstückkosten Peanuts. Nun schlägt das Pendel zurück. Nicht nur die Preise steigen in allen Kategorien, heute haben sich die Schwellenländer in vielen Industriebereichen zu Konkurrenten für europäische Unternehmen entwickelt - auch im Einkauf.

Viele Wettbewerber in China, Indien oder Brasilien haben sich nicht nur einen besseren Zugang zu Rohstoffen und Arbeitskräften verschafft, von ihren Regierungen gepäppelt, stecken sie auch bei den Rohstoffquellen ihre Claims ab: bspw. bei lateinamerikanischen, pazifischen und afrikanischen Erzminen, Ölförderern und Raffineriebetrieben.

5 wichtige Strategiefragen

Es herrschen neue globale Beschaffungsbedingungen, die den Rohstoffeinkauf nicht gerade leicht machen. Die Antwort auf diese veränderten Marktbedingungen heißt Strategie, Strategie und nochmals Strategie.
Fangen Sie am besten mit einer Positionsbestimmung an und beantworten Sie sich 5 Grundsatzfragen:

  1. Warum kaufen wir im Ausland ein (gibt es Alternativen)?
  2. Über welche Ressourcen verfügen wir (finanziell, personell, zeitlich)?
  3. Ist unser Know-how für Markterschließung und Geschäftsabwicklung groß genug?
  4. Wo und bei wem haben wir Wissenslücken (Fort- und Weiterbildung)?
  5. Sind bereits Kontakte vorhanden, die genutzt werden können?

Gehen Sie analytisch vor

Vor allem wenn Sie in Ländern mit wenig gefestigten politischen und wirtschaftlichen Strukturen einkaufen. Für Ihre Analyse können Sie zum einen einen eigenen Prüfkatalog entwerfen, anhand dessen Sie alle relevanten Eckdaten des Produkts, des Zulieferers und des Lieferantenlandes abfragen. Sie können aber auch kostenpflichtige Ratings von Fremdfirmen, z. B. Banken, in Anspruch nehmen. Dabei gibt es prinzipiell 2 Managementtypen:

Aktives Risikomanagement:

  • Risikogestaltung
  • Risikoumverteilung (Lieferantengarantien)
  • Risikominderung (Lieferantenstreuung)
  • Risikokompensierung (Hedging)

Passives Risikomanagement:

  • Risikovermeidung
  • Keine Fremdwährungsgeschäfte
  • Nur Euro-Verträge
  • Keine Absicherungsgeschäfte

Gehen Sie systematisch vor

Ein funktionierendes Rohstoffmanagement ist auch immer ein funktionierendes Projektmanagement. Stichwort: Wer heute vorsorgt, wird morgen der Gewinner sein. Die wichtigsten Schritte eines solchen Managements sind:
1. Projekt vorbereiten:
Bewerten Sie Ihre Lieferanten nach der A-, B-, C-Methode. Konzentrieren Sie sich auf Artikel und Zulieferer, die am meisten Kosten verursachen. In der A-Gruppe sind die Einsparpotenziale am höchsten.
2. Ist-Zustände analysieren:
Fakturieren Sie die Kosten und Funktionen einzelner Artikel (z. B. Einkaufs-, Transport- und Lagerpreise) und deren entsprechenden Verwaltungsaufwand.
3. Soll-Zustand beschreiben:
Legen Sie nach Auswertung der Ist- Analyse den Soll-Zustand fest: entweder für einen Prozess (z. B. Anfragewesen) oder für ein Produkt (welche Soll-Funktionen muss es zukünftig haben?). Denken Sie in diesem Stadium auch schon an die Kosten, die die notwendigen Änderungen mit sich bringen.
4. Lösungsideen entwickeln:
Sammeln Sie Vorschläge, Meinungen und Ideen. Nutzen Sie dabei Kreativitätstechniken (Brainstorming).
5. Lösungen bewerten und festlegen:
Nehmen Sie alle Vorschläge kritisch unter die Lupe. Welche erfüllen die Prozessvorgaben oder die vorgegebenen Soll-Funktionen am besten hinsichtlich Preis, Qualität, Zuverlässigkeit und Marktfähigkeit?
6. Lösungen umsetzen:
Vergessen Sie bei der Umsetzung Ihrer Projekte das Controlling nicht.

Mit Risiken umgehen

Eine vorausschauende Einkaufsstrategie kann viele Risiken erheblich reduzieren, wie z. B.:

  • Wirtschaftsrisiken: Fehleinschätzungen des Beschaffungsmarktes oder der Transportwege durch intensive Marktbeobachtung vermeiden (siehe Seite 7).
  • Preisrisiken: Preissteigerungen infolge Materialverteuerungen oder Lohnerhöhungen durch langfristige Verträge inklusive Preisbindungen und Preisgleitklauseln absichern.
  • Lieferrisiken: Mangelnde Fristen, Qualitäten und Mengen mit vertraglichen Lieferungs- und Gewährleistungsgarantien minimieren.
  • Kursrisiken: Währungsschwankungen mit Hedging-Geschäften vorbeugen
  • Transportrisiken: Schlechte Infrastrukturen, Schlampigkeiten oder Havarien mit Versicherungen abdecken.

Praxis-Tipp

Wesentlich schlechter sind Länderrisiken einzuschätzen. Dennoch finden Sie auch hier Hilfen, bspw. unter: www.dnbcountryrisk.com.
Beachten Sie: Hilfreich für Ihren Einkäuferalltag ist auch die Webseite des Auswärtigen Amtes. Die Sicherheits- und Risikoeinschätzungen der jeweiligen Länder richten sich zwar in erster Linie an Privatreisende, sind aber auch für Geschäftsleute interessant.
News vom 17.12.2010

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