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„Gelber Schein“: Wie Sie die Beweiskraft des Attests erschüttern

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Von Günter Stein,

Der „gelbe Schein“ oder Krankenschein – offiziell Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU-Bescheinigung) genannt – hat im betrieblichen Alltag besondere Bedeutung. Dessen Vorlage ist der gesetzlich vorgesehene und gewichtigste Nachweis für die Tatsache einer krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit, § 5 Abs. 1 EFZG. Gleichwohl brauchen Sie nicht jedes Attest, das Ihre Arbeitnehmer vorlegen, auch so zu akzeptieren.

 

So prüfen Sie die Formalien der AU-Bescheinigung

Nur ein ordnungsgemäß ausgestellter Krankenschein dient als Nachweis der Arbeitsunfähigkeit. Prüfen Sie deshalb jedes Attest anhand folgender Checkliste. Wenn Sie nur eine Frage mit Nein beantworten, können Sie die Entgeltfortzahlung so lange verweigern, bis Ihr Mitarbeiter eine ordnungsgemäße Bescheinigung vorlegt.

  • Ist das Attest von einem approbierten Arzt ausgestellt worden?
  • Ist der Krankenschein ordnungsgemäß vom ausstellenden Arzt (Achtung: Arzthelferin genügt nicht!) unterzeichnet?
  • Enthält der Schein den Namen des erkrankten Arbeitnehmers?
  • Wird auf dem Schein die Arbeitsunfähigkeit bestätigt? (Bescheinigung einer Erkrankung an sich genügt nicht!)

Wichtig:
Die Verpflichtung zur Vorlage eines ärztlichen Attests endet für Ihren Mitarbeiter nicht mit Ablauf der 6-Wochen-Frist der Entgeltfortzahlung. Er ist vielmehr auch danach verpflichtet, Ihnen seine Arbeitsunfähigkeit nachzuweisen.

 

Zweifel an der AU: So erschüttern Sie das Attest

Doch auch einen ordnungsgemäß ausgestellten Krankenschein müssen Sie nicht auf Gedeih und Verderb akzeptieren. Das gilt insbesondere, wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Mitarbeiter die Erkrankung nur vortäuscht. Das Problem dabei für Sie als Arbeitgeber:
Dem „gelben Schein“ kommt ein hoher Beweiswert zu. Um diesen zu erschüttern, müssen Sie Umstände darlegen und beweisen, die zu ernsthaften Zweifeln an der Arbeitsunfähigkeit des Arbeitnehmers führen.

Beispiel:

Ihr Mitarbeiter Ali O. fliegt jedes Jahr in seinen Heimatort in der Türkei. Statt der beantragten 4 Wochen hat er seinen Urlaub nur vom 11.08. bis 30.08. von Ihnen genehmigt bekommen. Mit einer ärztlichen AU-Bescheinigung vom 31.08. meldet er sich bei Ihnen krank. Allerdings erfahren Sie kurz darauf, dass Ali O. seinen ursprünglich für den 29.08. geplanten Rückflug bereits am 20.08. auf den 11.09. umgebucht hatte.
Folge: Diese Umstände reichen aus, um ernsthafte Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit zu begründen und damit die ärztlichen AU-Bescheinigung inhaltlich zu erschüttern. Neben der abgelehnten Urlaubsverlängerung hat Ali O. bereits am 20.08. seinen Rückflug umgebucht, obwohl er erst am 31.08. beim Arzt war.

Mitarbeiter muss Arbeitsunfähigkeit beweisen

Ist der Beweiswert des ärztlichen Attestes erschüttert, ist Ihr Mitarbeiter am Zug: Nun muss er den vollständigen Nachweis seiner Arbeitsunfähigkeit erbringen. Hierfür muss er in erster Linie

  • die Erkrankung benennen und die dadurch bedingten gesundheitlichen Einschränkungen;
  • im Einzelnen erläutern, welche Verhaltensmaßregeln der Arzt angeordnet hat;
  • ganz konkret auf die Verdachtsmomente eingehen (z. B. Erläuterung, warum er trotz Krankheit eine Nebenbeschäftigung ausüben konnte);
  • die behandelnden Ärzte von der Schweigepflicht entbinden

 

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