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Kranke Mitarbeiter? 5 Methoden zur Senkung der Fehlzeiten

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Urheber: nmann77 | Fotolia

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Überlassen Sie nichts dem Zufall, wenn es um die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter geht. Mit folgenden 5 Maßnahmen sind Sie auf dem richtigen Weg zur Senkung der Fehlzeiten, denn Fehlzeiten sind auch gleichzeitig ein Kostenfaktor für Ihr Unternehmen.

1. Maßnahme: Setzen Sie auf Prävention durch ein betriebliches Gesundheitsmanagement

Etablieren Sie ein betriebliches Gesundheitsmanagement als strategisches Managementziel. Es strebt die Verknüpfung aller Einzelmaßnahmen an, die mit innerbetrieblicher Gesundheit zusammenhängen. Unterscheiden Sie deshalb zwischen

  • der personenbezogenen Verhaltensprävention: Diese zielt auf eine gesunde Selbststeuerung des einzelnen Mitarbeiters.
  • der arbeitsbezogenen Verhältnisprävention: Diese zielt auf gesunde Arbeitsbedingungen, etwa Ergonomie oder Arbeitsorganisation.
  • der systembezogenen Systemprävention: Sie zielt auf ein gesundes Miteinander in der Zusammenarbeit, in der Hierarchie und im Gesamtunternehmen.

2. Maßnahme: Setzen Sie auf Sofortmaßnahmen zur Verbesserung der gesundheitlichen Situation am Arbeitsplatz

So mancher Krankenstand ist hausgemacht, das heißt, am Arbeitsplatz werden Sicherheitsvorkehrungen missachtet. Es gibt ein paar Sofortmaßnahmen, die unmittelbar Erfolg zeigen und zur schnellen Akzeptanz des betrieblichen Gesundheitsmanagements führen. Hier sollten Sie eng mit Ihrem Betriebsrat und der Sicherheitsfachkraft Ihres Betriebs zusammenarbeiten.

Die folgenden Ansatzpunkte für Gefährdungen sollten Sie als Arbeitgeber unbedingt prüfen und gegebenenfalls sofort und schnell präventiv tätig werden:

  • Gefahrenquellen am Arbeitsplatz: etwa mangelhafte Beleuchtung oder schlechtes Raumklima.
  • Gefahrenquellen durch Arbeitsmittel: beispielsweise durch die aktuell zur Verfügung gestellten Maschinen oder persönlichen Schutzausrüstungen.

Beim konkreten Arbeits- und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz geht es darum, eine bessere Anpassung der Arbeit an den Menschen und dessen physische und psychische Eigenschaften zu erreichen.

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3. Maßnahme: Sorgen Sie gemeinsam mit dem Betriebsrat für gesunde Arbeitsplätze

Vergessen Sie nicht, dass Ihre Mitarbeiter die meiste Zeit des Tages am Arbeitsplatz verbringen. Und die Arbeitsverhältnisse am konkreten Arbeitsplatz sollten deshalb optimal sein, denn nur so bleiben Ihre Mitarbeiter gesund. Hier sollten Sie mit Ihrem Betriebsrat Hand in Hand arbeiten, wenn Ihre Mitarbeiter sollten wissen, dass beide Betriebsparteien gemeinsam dafür sorgen, dass Ihr Betrieb gesunde Arbeitsplätze hat.

Zusammen mit Ihrem Betriebsrat sollten Sie durch Gefährdungsanalysen der Arbeitsplätze Ihrer Mitarbeiter für Klarheit und bessere Arbeitsbedingungen sorgen.

4. Maßnahme: Individualisieren Sie die Fehlzeitentage für den einzelnen Mitarbeiter

Nach der Analyse der Fehlzeiten in Ihrem Betrieb geht es weiter. Im nächsten Schritt sollten Sie diese Fehlzeiten individualisieren, also auf den einzelnen Mitarbeiter konkretisieren und eventuelle „schwarze Schafe“ ausfindig machen. Aber Vorsicht! Solche Auswertungen auf technischer Ebene dürfen Sie nur mit Zustimmung Ihres Betriebsrats umsetzen (§ 87 Absatz 1 Nr. 6 BetrVG).

Besorgen Sie sich bei einzelnen, besonders auffälligen Mitarbeitern einen Überblick über Umfang und Dauer der Fehlzeiten und über die genaue zeitliche Lage der jeweiligen Ausfallzeiten. Nur so fallen Ihnen häufige Montag-/ Freitag-Erkrankungen sowie Erkrankungen an Brückentagen und im Anschluss an Urlaubszeiten auf.

Übrigens: Die Rechtsprechung ist auf Ihrer Seite. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat ein „grundsätzlich überwiegendes Interesse“ von Ihnen als Arbeitgeber daran anerkannt, dass Sie Informationen über die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter zum Zwecke einer berechtigten späteren Verwertung sammeln. Allerdings sind Sie als Arbeitgeber verpflichtet, derart sensible Daten vor Missbrauch zu bewahren. Sie müssen durch organisatorische Schutzvorkehrungen wie Passwortschutz oder einen verschlossenen Umschlag in der Personalakte sicherstellen, dass nur ein begrenzter Personenkreis Zugriff auf diese Daten hat.

5. Maßnahme: Führen Sie individuelle Rückkehrgespräche mit den Mitarbeitern

Für viele Betriebsräte sind sie ein rotes Tuch: die Krankenrückkehrgespräche. Werden sie  systematisch durchgeführt, sind sie nach § 87 Absatz 1 Nr. 1 BetrVG mitbestimmungspflichtig, da die Ordnung im Betrieb betroffen ist. Und die Rechtsprechung hat dies auch immer wieder bestätigt, selbst wenn diese Gespräche als „Welcome-back-Gespräche“ bezeichnet wurden (Landesarbeitsgericht (LAG) München, Beschluss vom 13.02.2014, Aktenzeichen: 3 TaBV 84/13).

Voraussetzung für die Mitbestimmung ist aber das Vorliegen formalisierter Krankengespräche. Davon ist auszugehen, wenn die Auswahl der zu Krankengesprächen herangezogenen Mitarbeiter nach einer abstrakten Regel erfolgt und das Verfahren der Krankenrückkehrgespräche durch den gleichförmigen Ablauf formalisiert ist. Mitbestimmen darf Ihr Betriebsrat erst recht dort, wo feste Formulare zu solchen Gesprächen bestehen.

Allerdings ist es Ihnen als Arbeitgeber nicht verwehrt, mit einem Mitarbeiter im Einzelfall ein Gespräch zu führen. Nur wenn solche Gespräche nach formalisierten Regeln und abstrakten Grundsätzen geführt werden, handelt es sich um einen kollektiven Tatbestand, der im Fall von Krankenrückkehrgesprächen die Mitbestimmung des Betriebsrats nach § 87 Absatz 1 Nr. 1 BetrVG auslöst.

Setzen Sie deshalb auf individuelle Krankenrückkehrgespräche. Diese haben sich in der Praxis bewährt. Die Zahl der „Spontan-Heilungen“ ist dabei auffällig. Der Grund liegt auf der Hand: Die Hemmschwelle fürs „Blaumachen“ erhöht sich enorm. Wissen Ihre Mitarbeiter, dass sie nach einer Fehlzeit eventuell ein Rückkehrgespräch führen und sie Ihnen Rede und Antwort stehen müssen, erhöht dies den Druck auf Ihre Mitarbeiter.

Ihr Fragerecht als Arbeitgeber

Und als Arbeitgeber dürfen Sie ruhig fragen,

  • ob die Krankheit nun ausgeheilt ist,
  • welche Ursachen zu der Krankheit geführt haben,
  • ob der Mitarbeiter wieder voll einsatzfähig ist oder
  • ob Veränderungen der Arbeitsbedingungen künftig Abhilfe schaffen und dadurch eine Wiederholung der Arbeitsunfähigkeit vermieden werden kann.

Machen Sie Ihrem Mitarbeiter klar, dass Sie sich Gedanken und Sorgen wegen dessen Ausfallzeiten machen. Zwar  ist Ihr Mitarbeiter nicht verpflichtet, umfassende Aussagen zur Art der Krankheit oder Krankheitsursache zu machen oder gar seinen Arzt von der Schweigepflicht zu entbinden. Freiwillig sind aber solche Angaben möglich und erlaubt.

Tipp: Dokumentieren Sie diese Mitarbeitergespräche. Sie können für eine spätere krankheitsbedingte Kündigung sehr wertvoll sein.  

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