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Unterweisung: Elektroinstallation auf Baustellen

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Von Wolfram von Gagern,

Das Arbeitsschutzgesetz schreibt den Arbeitgebern vor, Gefährdungen zu ermitteln, zu beurteilen und die Beurteilung sowie die getroffenen Schutzmaßnahmen schriftlich zu dokumentieren.

Gerade bei den gefahrenträchtigen Arbeiten auf Baustellen bereitet dies oft Kopfschmerzen.

Lesen Sie hier am Beispiel der Elektroinstallation, wie Sie als Sicherheitsfachkraft diese Aufgabe lösen können und damit die Gesundheit Ihrer Kollegen wirksam schützen.

Gerade auf Baustellen wird häufig improvisiert – auf Kosten der Sicherheit: Material wird auf Verkehrswegen abgelagert; gleichzeitig ausgeführte Gewerke behindern sich gegenseitig; statt wirksamen Abschrankungen werden vor noch leeren Aufzugschächten notdürftig Flatterbänder angebracht. Gefahren dieser Art betreffen fast alle Beschäftigten auf dem Bau gleichermaßen, egal ob es sich um Maurer, Zimmerer oder auch Lieferfahrer, die nur Material entladen, handelt. Andere Gefahrenquellen beschränken sich mehr auf das einzelne Handwerk, wie etwa Elektro-, Ausschachtungs- oder Dacharbeiten.

Zusammenarbeit gefragt

Dies bedeutet für Sie als Sicherheitsfachkraft: Beim Ermitteln der mehr baustellentypischen Gefahren und Fest – legen angemessener Schutzmaßnahmen müssen Sie eng mit Bauherren, „SiGe- Kos“ (Sicherheits- und Gesundheitskoordinatoren nach § 3 der Baustellenverordnung) und anderen Sicherheitsverantwortlichen zusammen arbeiten. Sorgen Sie bereits im Planungsstadium mit dafür, dass besonders Gefahren, die aus der Zusammenarbeit mehrerer Firmen entstehen und alle Beschäftigten auf der Baustelle angehen, erfasst und gemeinsame Schutzmaßnahmen dagegen getroffen werden. Verantwortlich hierfür ist zwar in erster Linie der Bauherr bzw. die von ihm benannten „SiGe- Kos“, ohne die konstruktive Mitarbeit aller am Bau beteiligten Betriebe können sie ihre Sicherheitsverpflichtungen jedoch kaum hinreichend erfüllen.

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Dies betrifft z.B. Vorkehrungen wie:

  • Kennzeichnung von Verkehrswegen und Gefahrenzonen
  • Sichere Zugänge zu den Arbeitsplätzen und Absturzsicherungen (z. B. Treppengeländer)
  • Gemeinsame Sicherheitsunterweisungen für Mitarbeiter verschiedener Firmen
  • Handwerkstypische Gefährdungsbeurteilung

Beim restlichen Teil der Gefährdungsbeurteilung müssen Sie vor allem die Gefahren ins Auge fassen, die mit den eigentlichen Elektroinstallationsarbeiten verbunden sind. Bei allen Schutzmaßnahmen gilt das „Top-Prinzip, das heißt die Anwendung geeigneter Schutzmaßnahmen in dieser Reihenfolge:

  1. Technische Schutzmaßnehmen, z. B. Geeignete Arbeitsmittel
  2. Organisatorische Maßnahmen, wie regelmäßige Prüfung der Arbeitsmittel
  3. Personenbezogene Maßnahmen, vor allem Unterweisung und Persönliche Schutzausrüstungen (PSA)

Dabei sollten Sie – je nach Baustelle – die Sicherheitsanforderungen besonders bei den folgenden 8 Punkten berücksichtigen (Unterweisungen sind hier nicht extra erwähnt, da sie immer Pflicht sind):

1. Baustellengerechte Arbeitsmittel

Arbeitsmittel sind auf Baustellen erhöhten Beanspruchungen ausgesetzt, z.B. Durch Nässe und Schmutz.

  • Sorgen Sie deshalb dafür, dass nur solche Arbeitsmittel (besonders Elektrowerkzeuge) eingesetzt werden, die für diese Anforderungen ausgelegt sind, z.B. Bei Arbeiten im Freien Schutzart IP X 4 für Spritzwasserschutz. Prüfen Sie dazu die Herstellerangaben.
  • Veranlassen Sie, dass die Arbeitsmittel sowie das Zubehör (etwa Bohrer) täglich vor Arbeitsbeginn auf Beschädigungen geprüft und dass beschädigte Geräte sofort aus dem Verkehr gezogen werden.
  • Stellen Sie sicher, dass elektrische Betriebsmittel den vorgeschriebenen wiederkehrenden Prüfungen unterzogen werden. Die Fristen sind in der Durchführungsanweisung zur Berufsgenossenschaftlichen Vorschrift „Elektrische Betriebsmittel“ (BGV A 3) festgelegt.

2. Arbeiten auf Leitern

Die häufigsten Unfallursachen sind:

  • Leitern sind zu kurz oder zu lang
  • Wegrutschen der Leiterfüße bei zu flachem Anstellwinkel
  • Abgleiten der Leiterfüße auf rutschigem Untergrund
  • Seitliches Wegrutschen des Leiterkopfes, weil durch Hinauslehnen der Körperschwerpunkt verlagert wird

Mit diesen Maßnahmen beugen Sie Leiterunfällen vor:

  • Sorgen Sie dafür, dass für alle Arbeitsaufgaben die geeigneten Leitern auf der Baustelle vorhanden sind. Fehlt die richtige Leiter, muss sie besorgt werden, bevor weiter gearbeitet wird!
  • Leitern nur für kurzfristige Arbeiten einsetzen; bei zeitlich ausgedehnteren Arbeiten besser Gerüste oder Hubarbeitsbühnen verwenden.
  • Prüfung der Leitern organisieren, z. B. Tägliche Sichtprüfung durch Sicherheits- oder „Leiterbeauftragen“ auf Beschädigungen.

3. Arbeiten auf Hubarbeitsbühnen

Die Hauptgefahren beim Einsatz von Hubarbeitsbühnen auf Baustellen liegen im Umkippen z.B. Auf „nachgiebigen“ Böden bei unsachgemäßer Abstützung. Veranlassen Sie daher als Schutzmaßnahme, dass ein verantwortlicher Kollege benannt wird, der auf der Baustelle die sichere Abstützung der Arbeitsbühnen kontrolliert und die Fahrwege vor dem Verfahren auf gefährliche Bodenbeschaffenheit checkt.

4. Arbeiten auf Dächern

Hier bestehen nicht nur Gefahren durch Absturz über die Dachkante, sondern vor allem auch durch Einbrechen durch nicht durchtrittsichere Dachflächen. Geeignete Schutzmaßnahmen sind:

  • Dachfanggerüste mit Fangnetz und Seitenschutz
  • Auf nicht durchtrittsicheren Dachflächen vor dem Betreten von sicherem Standort aus Verkehrswege schaffen, z. B. Durch großflächiges Auslegen von Gerüstbohlen
  • PSA gegen Absturz, z. B. Auffangsysteme

Wichtig: PSA gegen Absturz sind in der Baustellenpraxis nur bei zeitlich begrenzten Arbeiten sinnvoll (z. B. Satellitenschüssel montieren): Die Erfahrung lehrt, dass länger andauernde Tätigkeiten von den Beschäftigten meist ohne angelegte PSA durchgeführt werden, weil die Sicherungsseile stören und der Zeitaufwand beim Handhaben der PSA als zu hoch empfunden wird.

5. Arbeiten in Lärmbereichen

Lärmintensive Arbeiten können das Gehör auf Dauer irreparabel ruinieren. Deshalb wurden durch die Lärm- und Vibrationsarbeitsschutzverordnung die „Auslösewerte“ für Lärmschutzmaßnahmen abgesenkt: Bei einem „Tagesexpositionswert“ (auf den Arbeitstag bezogener durchschnittlicher „Lärmpegel“) von über 80 dB (A) muss der Arbeitgeber den Beschäftigten Gehörschutz zur Verfügung stellen; ab 85 dB (A) ist die Benutzung vorgeschrieben. Zur Veranschaulichung: Bei einem Schallpegel von 112 dB (A), wie er etwa beim Arbeiten mit einem Druckluftmeißel auftritt, ist die Tagesdosis schon nach 56 Sekunden erreicht! Mögliche Folgen sind neben Gehörschäden auch andere Erkrankungen, z. B. Bluthochdruck.

Notwendige Maßnahmen:

  • Gehörschutzmittel bereitstellen; dabei die persönlichen Gehörschutzvorlieben der Mitarbeiter berücksichtigen, z. B. Kapseln statt Stöpsel.
  • Konsequentes Tragen des Gehörschutzes bei Lärmarbeiten überwachen.

Wichtig: Der Gehörschutz darf die sichere Verständigung in gefahrenträchtigen Situationen und die Wahrnehmung von Notsignalen niemals behindern.

  • Für alle Mitarbeiter, die regelmäßig in Lärmbereichen arbeiten, die arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung G 20 „Lärm“ organisieren.

6. Staubbelastete Arbeiten

Beim Arbeiten mit Schlitzgeräten oder Meißelhämmern ist Staubentwicklung auch beim heutigen Stand der Technik unvermeidlich. Je nach Art der Bearbeitung und des Materials ist der freigesetzte Staub gröber oder feiner: Grobe Staubteilchen verbleiben nur wenige Stunden im Körper; sie werden aus den oberen Atemwegen heraustransportiert bzw. mit Schleim abgehustet oder verschluckt. Gefährlicher sind Feinstäube, die sich in den feinsten Lungenverästelungen ablagern können – oft für mehrere Jahre.

Dies kann langfristig zu schweren Schäden wie chronischer Bronchitis oder asthmaähnlichen Verengungen der Bronchien führen. Noch gefährlicher ist Quarzstaub, der in fast allen mineralischen Baumaterialien enthalten ist. Langjährige hohe Quarzstaubbelastung kann die ge fürchtete Silikose zu Folge haben. Mediziner bringen sie sogar mit Lungenkrebs in Verbindung. Auch Asbeststaub (asbesthaltiger Putz!) ist krebserregend.

Ermitteln Sie die Staubbelastung

Als Sicherheitsfachkraft müssen Sie deshalb zunächst feststellen, ob die zulässigen Staubgrenzwerte eingehalten werden. Nach der Berufsgenossenschaftlichen Information „Mineralischer Staub“ (BGI 5047) dürfen Sie bei staubbelasteten Arbeiten von „geringem Umfang“ davon ausgehen, dass alles im grünen Bereich ist. „Gering“ ist eine Exposition von bis zu einer halben Stunde „Staubarbeit“ pro Schicht oder jährlich bis zu 40 Stunden. Bei Staubarbeiten, die zeitlich darüber hinausgehen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Arbeitsplatzgrenzwerte überschritten werden. Messungen haben gezeigt, dass dies besonders häufig bei Arbeiten mit Schlitzgeräten, Bohr- und Meißelhämmern der Fall ist.

So schützen Sie die Beschäftigten vor Staubgefahren

Genauere Staubkonzentrationsmessungen nach der Technischen Regel für Gefahrstoffe „Ermittlung und Beurteilung der Konzentration gefährlicher Stoffe in der Luft in Arbeitsbereichen“ (TRGS 402) sind bei Baustellenarbeiten praktisch nicht möglich. Deshalb sollten Sie u.A. Folgende Schutzmaßnahmen anwenden:

  • Möglichst nur Maschinen und Werkzeuge einsetzen, die mit Staubabsaugeinrichtungen ausgerüstet sind.
  • Durch Arbeitsplatzrotation das Arbeiten an staubintensiven Arbeitsplätzen zeitlich begrenzen.
  • Atemschutzmasken (Typ FFP 2) zur Verfügung stellen und ihre Benutzung verbindlich anordnen und überwachen.
  • Staubbelasteten Kollegen medizinische Vorsorgeuntersuchungen nach den berufsgenossenschaftlichen Grundsätzen G 1.4 „Staubbelastung allgemein“ und G 1.1 „Quarzhaltiger Staub“ anbieten.

Achtung: Wird asbesthaltiger Putz bearbeitet, ist die TRGS 519 „Asbest: Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten“ einzuhalten.

7. Wirksamer Wetterschutz

Ungünstige Witterungsbedingungen auf Baustellen können das Erkrankungsrisiko erhöhen. Sorgen Sie also Sie dafür, dass Ihre Kollegen dagegen geschützt sind – vor allem durch zweckmäßige Wetterschutzkleidung. Sie wird im Berufsbekleidungsfachhandel für alle denkbaren Anforderungsarten angeboten.

8. Beleuchtung

Schlechte Beleuchtung erhöht die Fehlerquote, führt zu vorzeitiger Ermüdung und dadurch zu einem höheren Unfallrisiko. Stellen Sie deshalb sicher, dass jeder für seine Arbeitsaufgabe ausreichendes Licht hat. Dabei gilt: Höhere Sehanforderungen (z. B. Bei Arbeiten in Elektroschaltkästen) erfordern eine hellere die Beleuchtung.

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