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Für energie- und rohstoffintensive Betriebe ist es heutzutage überlebenswichtig, die extrem schwankenden (volatilen) Marktpreise der Rohstoffe...

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Rohstoffeinkauf: Bevor die Sirenen aufheulen

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Einen Plan B sollte heutzutage jeder Rohstoffeinkäufer in der Schublade haben. In diesen unruhigen Zeiten ist für die Beschaffung nicht nur entscheidend, zu welchem Preis ein Lieferant seine Waren anbietet, sondern auch wo. Würde Russland beispielsweise seinen Luftraum für Intercontinentalflüge nach China, Japan oder Südkorea sperren (wie immer wieder angedroht), bekämen Asien-Einkäufer ein Riesenproblem.

Global Sourcing, ebenso chancen- wie risikoreich

Der Siegeszug der internationalen Beschaffung hat zweifellos enorme Wachstums- und Entwicklungsschübe in aller Welt ausgelöst, auf Einkäufer- wie auch auf Lieferantenseite.

Da es aber kein Licht ohne Schatten gibt, sind auch die Gefährdungen in Form von Länder- und Umweltrisiken gestiegen.

Wenn Überschwemmungen Maisfelder oder Kohleminen unter Wasser setzen (wie im Januar dieses Jahres in Australien), dann merken das postwendend auch Agrar- und Rohstoffeinkäufer in Europa und natürlich auch in Deutschland.

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Praxistipp

Wie bei allen Naturereignissen gibt es vor solchen Katastrophen nur einen bedingten Schutz. Zum Beispiel bei Rückversicherern.

Der weltgrößte ist die Munich RE. Weiterführende Informationen finden Sie unter: www.munichre.com . Sofern es ihre Material-Spezifikationen zulassen, sollten sich Rohstoffeinkäufer deshalb immer wieder fragen, ob sich die Beschaffung in Übersee tatsächlich lohnt.

Wie die Bundesvereinigung Logistik (BVL) herausgefunden hat, kaufen gegenwärtig rund 55 % aller deutschen Unternehmen Güter und Vorprodukte auf internationalen Märkten, vornehmlich in Asien ein. Doch viele machen dort nicht den gewünschten Schnitt.

Im Gegenteil: Dauerprobleme bei der Produkt- und Lieferqualität führen häufig zu ungeplanten Mehrkosten. Außerdem moniert die BVL, dass Einkäufer kaum aus ihren (schlechten) Erfahrungen lernen würden und immer wieder die gleichen Fehler machten.

Weder suchten sie systematisch nach alternativen Bezugsländern und -quellen, noch beachteten sie wichtige Vorsichtsregeln zur Risikominimierung wie:

  • die wirtschaftliche Dynamik des Lieferlandes,
  • den Stand der Infrastruktur (entwickelt, schlecht usw.),
  • das wissenschaftlich-technologische Potenzial und
  • die politische Stabilität des Landes.

Beachten Sie: In Ihrer Analyse sollten Sie auch den Betreuungsaufwand einer Lieferantenbeziehung berücksichtigen (Personal- und Reisekosten).

Je nach Region und Produktkomplexität beträgt dieser Aufwand beispielsweise rund 5.500 € pro Jahr für Osteuropa und ca. 36.000 € für Asien.

Installieren Sie ein Frühwarnsystem

Die schlechte Nachricht zuerst: Die Wirtschafts- und Finanzkrise mit ihren vielen Insolvenzen hat die Reihen der Zulieferer arg gelichtet.

Folgt die gute Nachricht: In den Entscheiderköpfen hat die Krise die Sinne für ein funktionierendes Risiko-, sprich: Lieferantenmanagement geschärft.

Denn laut einer Umfrage der Deutschen Bank stellt der Totalausfall eines wichtigen Geschäftspartners für die meisten Unternehmen das Wirtschaftsrisiko Nummer 1 dar. Damit steigen natürlich auch die Risiken bei einem Lieferantenausfall.

Und im Umkehrschluss die Verantwortung des Einkaufs gegenüber dem eigenen Unternehmen.

Der beste Schutz vor diesen Ausfallrisiken ist immer noch, Augen und Ohren offen zu halten und für die wichtigsten Lieferanten ein Frühwarnsystem zu entwickeln.

Das muss keine komplizierte Sache sein. Eine einfach zu handhabende Checkliste tut es oft auch. Aussehen könnte die etwa so:

Risikoindikatoren Prüfen Sie, ob Sie die folgenden Punkte mit Ja oder Nein beantworten

 

  • Nachlassender Service (Vertrieb oft nicht erreichbar)
  • Nachlassende Qualität (Reklamationen steigen)
  • Lieferstörungen häufen sich (Fehlmengen, Falschmengen, Termine werden nicht eingehalten)
  • Medien-Informationen (Skandale, Streiks, Entlassungen)
  • Gestörte Kommunikation (E-Mails und Anrufe werden nicht oder verspätet beantwortet)
  • Lieferant verhandelt härter (Garantiezeiten werden gekürzt oder Preise heraufgesetzt oder höhere Vorauszahlungen verlangt)
  • Manager wechseln (keine oder unzureichende Informationen seitens des Zulieferers)
  • Betriebsklima (offene oder verdeckte Klagen, frustrierte Vertriebsmitarbeiter)
  • Liquiditätsprobleme (unbezahlte Rechnungen, gekappte Kreditlinien)

Praxistipp

Mögliche Liquiditätsprobleme wird Ihnen Ihr Lieferant nur selten offen eingestehen. Als Informationsquellen bieten sich in solchen Fällen Auskunfteien an.

Doch die sind oft selbst ein Problem, da Aktualität und Verlässlichkeit ihrer Datenauskünfte die hohen Servicepreise nicht immer rechtfertigen.

Eine wesentlich preiswertere Alternative ist da der Bundesanzeiger. Für 25 bis 35 € werden Sie dort meist ebenso gut bedient.

Mehr finden Sie unter: www.bundesanzeiger.de .

Lieferketten dürfen nicht überdehnt werden

Denn sie sind nichts Geringeres als das Herzstück einer jeden Lieferantenbeziehung.

Legen Sie zum Beispiel Ihrem Zulieferer zu sehr die Daumenschrauben an, wird er versuchen, Druck (und Kosten) an seine eigenen Lieferanten weiterzureichen und diese wiederum an die ihren usw.

Mit dem Effekt, dass die gesamte Lieferkette erst überdehnt wird und irgendwann an der schwächsten Stelle reißt. Ein Ergebnis, mit dem niemand gedient ist.

Deshalb braucht eine Lieferantenkette genauso viel Pflege wie jede ordinäre Fahrradkette, damit sie wie geschmiert läuft.

Beachten Sie: Das ist allerdings leichter gesagt als getan, hat der Einkauf doch nur begrenzte Steuermöglichkeiten.

Auf die Zerreißprobe gestellt werden Lieferketten viel öfter durch (willkürliche) Verzögerungen bei der Aus- und Einfuhr von Waren an den Ländergrenzen, durch mangelnde Infrastruktur und nicht zuletzt durch Korruption.

Würden diese Hemmnisse beseitigt, käme ein Wachstumsplus von rund 5 % des weltweiten BIPs heraus.

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