Lebenswegbetrachtung ISO 14001: Beispiel, Bedeutung & Anforderungen
- DIN EN ISO 14001: So funktioniert die Lebenswegbetrachtung
- Lebenswegbetrachtung von Produkten und Dienstleistungen – Anforderungen an Unternehmen
- Beispiel: Lebenswegbetrachtung bei elektronischen Geräten
- Tipps für ein umweltgerechtes und lebenswegorientiertes Produktdesign
- Warum ist die Lebenswegbetrachtung nach ISO 14001 wichtig?
DIN EN ISO 14001: So funktioniert die Lebenswegbetrachtung
Die DIN EN ISO 14001 versteht unter dem Begriff Lebensweg „aufeinander folgende und miteinander verknüpfte Phasen eines Produktsystems (oder Dienstleistungssystems), von der Rohstoffgewinnung oder Rohstofferzeugung bis zur endgültigen Beseitigung“. Dies schließt auch Prozesse ein, die außerhalb des eigenen Unternehmens stattfinden, wie Zulieferketten, Nutzung beim Kunden oder End-of-Life-Behandlung.
Die Lebenswegperspektive wird dabei als strategischer Managementansatz verstanden, der zum langfristigen unternehmerischen Erfolg und zur Erfüllung regulatorischer Anforderungen beiträgt. Denn in den letzten Jahren haben sich die Anforderungen und Erwartungen an Unternehmen deutlich verstärkt, ja sogar verschoben. Nicht nur das, was im eigenen Betrieb an Umweltauswirkungen verursacht wird, steht im Fokus, sondern auch das, was in vorgelagerten Herstellungsprozessen, im Gebrauch des Produktes und schließlich bei der Entsorgung an Umweltauswirkungen eintritt. Unternehmen müssen nicht alle Umweltaspekte bis ins letzte Detail steuern können; die Grenze ist dort, wo keine Einflussmöglichkeit mehr besteht.
Lebenswegbetrachtung von Produkten und Dienstleistungen – Anforderungen an Unternehmen
Im Kapitel „Betriebliche Planung und Steuerung“ verlangt die ISO 14001:2015:
- Angemessene Steuerungsmaßnahmen aufzubauen, um sicherzustellen, dass Umweltanforderungen in jedem Lebenswegabschnitt berücksichtigt werden.
- Umweltanforderungen für Beschaffung und Lieferantenkommunikation festzulegen. Externe Geschäftspartner müssen auf die Einhaltung von Umweltstandards hingewiesen werden, wie z. B. ISO 14001, EMAS oder nationale Vorgaben.
- Informationen über mögliche bedeutende Umweltauswirkungen bereitzustellen: Transport, Nutzung, Behandlung am Ende des Lebenswegs und endgültige Entsorgung.
Empfehlung: Eine der wichtigsten Verpflichtungen der ISO 14001:2015 ist die ganzheitliche Berücksichtigung von Umweltaspekten über den gesamten Lebenszyklus.
Beispiel: Lebenswegbetrachtung bei elektronischen Geräten
Am Beispiel der Produktion von elektronischen Geräten wird deutlich, was die Neuregelungen der revidierten DIN EN ISO 14001 bedeuten. Bei elektronischen Geräten wird beispielsweise häufig Tantal eingesetzt, ein Material, das aus Coltan-Erz gewonnen wird.
Bei der Gewinnung von Tantal wird sehr viel Wasser verbraucht, Böden und Grundwasser werden mit Schwermetallen und Chemikalien verseucht und die Lebensbedingungen der Bevölkerung in den Abbauregionen nachhaltig zerstört oder zumindest schwer beeinträchtigt. Zudem kommt Tantal häufig aus Krisenregionen, in denen die Erlöse aus dem Abbau des Materials zur Finanzierung von kriegerischen Handlungen genutzt werden.
Ein so betroffenes Unternehmen muss also zunächst diese Umweltauswirkungen ebenfalls mit in den Fokus nehmen und bewerten. Es muss prüfen, ob nicht weniger kritische Stoffe durch ein geändertes Produktdesign eingesetzt werden können. Wenn das nicht möglich ist, müssen, sofern möglich, konkrete Anforderungen an die Lieferanten gestellt werden, wie Umweltbeeinträchtigungen möglichst reduziert werden können. Zudem sollten Hinweise zu Nutzung, Reparierfähigkeit und Entsorgung bereitgestellt werden, einschließlich Rücknahme- oder Recyclingprogrammen gemäß KrWG und EU-Richtlinien.
Tipps für ein umweltgerechtes und lebenswegorientiertes Produktdesign
Denken Sie aber neben der reinen Informationsbeschaffung über Ihre Lieferkette mit den Vorlieferanten und kritischen Beschaffungsbedingungen auch daran, was Ihr Unternehmen selbst durch ein umweltgerechtes Produktdesign, das den ganzen Lebensweg im Blick hat, tun kann. Wir geben Ihnen im Folgenden die wichtigsten Tipps dafür.
Materialeffizientes Design: Versuchen Sie, den Materialeinsatz zu optimieren: Wo lassen sich Werkstoffe substituieren? Auf welche Funktionen kann man verzichten, um so Material zu sparen?
Materialgerechtes Design: Nutzen Sie möglichst regenerierbare statt nichtregenerierbaren Ressourcen. Verwenden Sie möglichst regional verfügbare Materialien und Sekundärrohstoffe.
Energieeffizientes Design: Versuchen Sie, den Energieverbrauch in allen Phasen des Produktlebenszyklus zu reduzieren. Prüfen Sie, ob der Einsatz regenerativer Energieträger möglich ist.
Schadstoffarmes Design: Bevorzugen Sie Roh- und Hilfsstoffe mit geringem Schadstoffanteil.
Langlebiges Design: Verzichten Sie auf Wegwerf- oder Einmalprodukte. Setzen Sie hochwertige, beständige und ggf. reparaturfähige Materialien ein. Entwickeln Sie ein modulares Design, das Erweiterungen und den Austausch von Bestandteilen ermöglicht. Entscheiden Sie sich für ein zeitbeständiges Design. Setzen Sie einen hohen Bedienungskomfort als Ziel Ihrer Produktentwicklung.
Recyclinggerechtes Design: Denken Sie von Beginn an schon an ein demontagefreundliches Design!
Kennzeichnen Sie Werkstoffe und Bauteile. Wählen Sie möglichst Materialien aus, die sich am Ende des Produktlebens auch wiederverwenden oder zumindest recyceln lassen. Vermeiden Sie möglichst Verbundwerkstoffe und eine zu große Materialvielfalt in Ihrem Produkt.
Entsorgungsgerechtes Design: Vermeiden Sie Materialien, deren Entsorgung mit umweltbelastenden Emissionen verbunden ist. Achten Sie auch auf die Kennzeichnung und leichte Trennbarkeit Ihres Produkts.
Logistikgerechtes Design: Prüfen Sie, ob Sie das Produktvolumen und -gewicht reduzieren können, genauso das Verpackungsvolumen und -gewicht.
Warum ist die Lebenswegbetrachtung nach ISO 14001 wichtig?
Die Lebenswegbetrachtung gemäß ISO 14001 spielt eine entscheidende Rolle im Umweltmanagement, da sie Unternehmen dazu verpflichtet, die Umweltauswirkungen ihrer Produkte und Dienstleistungen ganzheitlich zu betrachten. Anstatt sich nur auf einzelne Phasen wie Produktion oder Nutzung zu konzentrieren, erfasst die Lebenswegbetrachtung alle Phasen von der Rohstoffgewinnung über die Herstellung und Nutzung bis hin zur Entsorgung. Dadurch ermöglicht sie eine umfassende Identifikation und Minimierung von negativen Umweltauswirkungen.
Die Bedeutung liegt in der Förderung eines nachhaltigen Wirtschaftens, indem Unternehmen dazu angehalten werden, ökologische Verbesserungen systematisch umzusetzen und langfristige Umweltziele zu verfolgen. Zudem stärkt die Lebenswegbetrachtung die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen, da sie umweltfreundlichere Produkte und Prozesse entwickelt, die den Erwartungen von Kunden und regulatorischen Anforderungen gerecht werden.



