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China-Sourcing: Eine Frage des Risikos

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Schnell, billig und problemlos in den Schwellenländern einkaufen war gestern. Wohin die Kugel in Sachen Welthandel rollt, könnte der Fall Google in China zeigen.

Die Geschäfte des US-amerikanischen Internet-Dienstleisters im Reich der Mitte stehen derzeit mehr als auf der Kippe. Ähnlich könnte es auch bald anderen westlichen Investoren (und Einkäufern) ergehen. Denn immer mehr Firmen klagen über Benachteiligungen, Ungerechtigkeiten und politische Willkür im Land.

„Einer sehr positiven Einschätzung der Wachstumschancen stehen sehr große Unsicherheiten über die Entwicklung des regulatorischen Umfelds gegenüber“, konstatierte Jacques de Boisséson, Präsident der EU-Handelskammer in Peking.

Ernüchternde Bilanz
Die Handelskammer hatte Anfang 2010 mehr als 500 europäische Unternehmen befragt, die in China aktiv waren bzw. noch sind. Die Antworten der Firmen fielen ernüchternd aus:

  • 64 % haben mindestens einmal in den vergangenen 2 Jahren Benachteiligungen erlebt.
  • 36 % wurden mehrmals benachteiligt.
  • 39 % gehen davon aus, dass sich dieser Trend verschärfen wird.
  • 25 % glauben, dass Peking aktiv versucht, WTO-Richtlinien auszuhebeln.

Schon im April hatte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso bei Chinas Premier Wen Jiabao die Gleichbehandlung ausländischer Unternehmen eingefordert. Viel passiert ist bis dato aber nicht. Zwar meint de Boisséson, dass China für Europa kein Muss sei, doch die Abhängigkeit hiesiger Unternehmen vom chinesischen Markt ist groß. Mehr noch:

Abhängigkeit nimmt zu

Doch Pekings Führung hat nicht viel zu fürchten. Das Land hat die Finanzkrise viel schneller überwunden als die Volkswirtschaften Europas und Nordamerikas. Im Weltmaßstab ist China inzwischen der wichtigste Wachstumsmotor.

Entsprechend hoch rangiert in der Umfrage der EU-Handelskammer auch die zukünftige Bedeutung des Landes - allen Klagen über die schlechte Behandlung durch Behörden und Instanzen zum Trotz.

Neue Herausforderungen
Doch politische Willkür und unsichere Rechtsverhältnisse sind nur die eine Seite der Medaille. Heute haben sich die Schwellenländer in vielen Industriebereichen zu Konkurrenten für europäische Unternehmen entwickelt, auch im Einkauf.

Viele Wettbewerber in China, Indien oder Brasilien haben sich nicht nur einen besseren Zugang zu Rohstoffen und Arbeitskräften verschafft, sie fühlen sich von ihren Regierungen auch aufs Beste geschützt. Bedingungen, auf die deutsche Global-Sourcer reagieren müssen.

Stimmt die Richtung noch?
Bekanntlich sind so genannte Hoflieferanten Kosten- und Risikofaktoren allererster Güte. Deshalb gehören sie ebenso auf den strategischen Prüfstand wie Neu-Lieferanten. Klären sollten Sie bei einer Positionsbestimmung:

  • Warum kaufen wir im Ausland ein (gibt es Alternativen)?
  • Über welche Ressourcen verfügen wir (personell, zeitlich)?
  • Ist unser Knowhow für Markterschließung und Geschäftsabwicklung groß genug?
  • Sind bereits Kontakte vorhanden, die genutzt werden können?

Die Risikoanalyse wird immer wichtiger
Vor allem wenn Sie in Ländern mit wenig gefestigten politischen und wirtschaftlichen Strukturen einkaufen. Für Ihre Analyse können Sie sowohl einen eigenen Prüfkatalog entwerfen, anhand dessen Sie alle relevanten Eckdaten des Produkts, des Zulieferers und des Lieferantenlandes abfragen.

Sie können aber auch kostenpflichtige Ratings von Fremdfirmen, z. B. Banken, in Anspruch nehmen. Dabei gibt es prinzipiell 2 Managementtypen:

1. Aktives Risikomanagement
Das Gestalten von Risiken steht im Vordergrund.

  • Risikoumverteilung (Lieferantengarantien)
  • Risikoverminderung (Lieferantenstreuung)
  • Risikokompensation (Hedging)

2. Passives Risikomanagement
Risikovermeidung steht im Vordergrund.

  • keine Fremdwährungsgeschäfte
  • Vertragsbasis ist immer der Euro
  • keine Absicherungsgeschäfte

Mit Risiken umgehen
Eine vorausschauende Einkaufsstrategie kann viele Risiken erheblich reduzieren, wie z. B.

  • Wirtschaftsrisiken: Fehleinschätzungen des Beschaffungsmarktes oder der Transportwege durch eine intensive Marktbeobachtung vermeiden.
  • Preisrisiken: Preissteigerungen infolge Materialverteuerungen oder Lohnerhöhungen durch langfristige Verträge inklusive Preisbindungen und Preisgleitklauseln absichern.
  • Lieferrisiken: Mangelnde Fristen, Qualitäten und Menge mit vertraglichen Lieferungs- und Gewährleistungsgarantien minimieren.
  • Kursrisiken: Währungsschwankungen und verteuerten Einkäufen mit Hedging-Geschäften vorbeugen.
  • Transportrisiken: Schlechte Infrastrukturen, Schlampigkeiten oder Havarien mit Versicherungen abdecken.

Beachten Sie: Wesentlich schlechter sind Länderrisiken einzuschätzen. Dennoch sind Sie auch hier nicht ganz machtlos. Bestehen Sie bei Ihren ausländischen Lieferanten auf Bürgschaften und Liefergarantien.

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