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Für energie- und rohstoffintensive Betriebe ist es heutzutage überlebenswichtig, die extrem schwankenden (volatilen) Marktpreise der Rohstoffe...

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Rohstoffmarkt: Das gerupfte Hühnchen

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Auf den ersten Blick eine paradoxe Entwicklung. Einerseits sinken die Preise, und andererseits ist der Rohstoffbedarf besonders der Schwellenländer noch immer groß.

Selbst Deutschland hat als viertgrößte Volkswirtschft der Welt 2012 Rohstoffe für rund 150,5 Mrd. € eingeführt – immerhin 6,1 % mehr als im Jahr zuvor. Die Zahlen für 2013 liegen zwar noch nicht vor, dürften aber mindestens in gleicher Höhe liegen. Vor allem konnten die Angebotsüberhänge im vergangenen Jahr nicht abgebaut werden.

Schöne neue Einkaufswelt

Ausgerechnet den viel gescholtenen Spekulanten haben Rohstoffeinkäufer ihren (gegenwärtig) bequemen Beschaffungsjob zu verdanken. Denn dauerhaft enttäuschende Konjunkturdaten in aller Welt und Zweifel an Chinas Wachstumsstärke haben besagten Anlegern in letzter Zeit massenweise die Lust verdorben, an den Börsen in Kupfer & Co. zu investieren.

Den Preisen ist dieser Missmut gut bekommen. Zwischen Januar und Dezember 2013 sackten die meisten Rohstoffkurse auf breiter Front ab:

  • Kupfer: von 8.303 auf 7.284 US$/t
  • Blei: von 2.468 auf 2.169 US$/t
  • Zink: von 2.223 auf 1.945 US$/t
  • Nickel: von 18.774 auf 14.075 US$/t
  • Zinn: von 25.001 auf 22.727 US$/t
  • Gold: von 1.685 auf 1.230 US$/oz (31,1 g)
  • Mais: von 7,30 auf 4,29 US$/Bushel (25,4 kg)
  • Weizen: von 8,06 auf 6,22 US$/Scheffel (27,22 kg)

Der Verbrauch steigt und fällt zugleich

Auch das klingt paradox, passt aber dennoch zusammen. Zwar steigt der Ressourcenverbrauch in absoluten Zahlen, doch entlang der Wertschöpfungskette werden mit diesen Materialmengen heutzutage wesentlich mehr Waren und Güter produziert. Entsprechend geringer als noch vor 20 Jahren fällt heute auch der Ressourcenverbrauch aus, um z. B. 1 US$ BIP-Wachstum zu erwirtschaften.

In den westlichen Industrieländern sinkt dieser Verbrauch besonders schnell. So ist in den USA der Bedarf an Aluminium seit 1999 um 50 % gesunken, Kupfer um 40 %, Zinn um 20 % und Nickel um 5 %.

Immer mehr Öl

Besonders kontrovers wird seit Jahren das Thema Peak Oil diskutiert. Deren Befürworter behaupten, dass die weltweite Ölförderung ihren Höhepunkt bereits überschritten hat. Die renommierte Harvard-Universität hält in ihrer neuesten Untersuchung dagegen, dass die jährliche Ölproduktion von derzeit 93 Mio. Barrel bis zum Jahr 2020 auf 110,6 Mio. Barrel steigen wird.

Für Einkäufer besonders interessant:
Die Harvard-Professoren sagen Verkaufspreise von deutlich unter 100 US$/Barrel voraus!

Das sieht auch Gregor Borg so. Der Professor für Petrologie und Lagerstättenforschung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg meint sogar:
Wir haben noch gar nicht richtig mit dem Abbau von Rohstoffen angefangen. Etwa 90 % der Metalle, die derzeit gefunden werden, sind entweder ganz nah an der Oberfläche oder gucken fast schon raus.

Entsprechend unbegründet hält er Ängste vor Rohstoffknappheit. Borgs Vision:
Wir müssen mit neuen Methoden anders suchen!

Die Kehrseite der Medaille

Der Mittelstand wiegt sich in Sicherheit; er hält Rohstoffpreise und Versorgungsstabilität gegenwärtig für nachrangig. So rechnet eine Mehrheit von rund 70 % auch nur mit einem moderaten Anstieg der Notierungen in diesem Jahr. 10 % glauben sogar, dass die Preise weiter sinken werden, hat die Unternehmensberatung Inverto herausgefunden.

Mehr noch: Obwohl auf das Konto von Rohstoffen im Durchschnitt mehr als ein Drittel eines jährlichen Einkaufsvolumens geht, stellten die Kölner weiterhin fest, würde ein entsprechendes Management heute als weniger wichtig eingeschätzt.

Riskantes Spiel

Selbst die Volatilität der Rohstoffpreise, gestern noch der Aufreger Nummer 1, ist derzeit kein Thema. Dass diese Sorglosigkeit riskant ist, sollte eigentlich klar sein. Denn erstens wird die gegenwärtige Ruhe an den Märkten nicht ewig halten, und zweitens hat sich Deutschlands Importabhängigkeit keinen Deut verringert. Bei Metallen beträgt sie heute fast 100 %! An diesem Zustand werden auch die neuesten Funde im Erzgebirge nichts ändern.

Die Hauptaufgabe des Einkaufs …

… ist bekanntlich, die Rohstoff- und Materialbasis des eigenen Unternehmens zu sichern – und das auf Dauer! Deshalb:

  • Beobachten Sie weiterhin die Märkte.
  • Halten Sie Ihre Datenbank aktuell.
  • Besuchen Sie Ihre Lieferanten, denn Ihre eigenen Augen sind der beste Qualitätsprüfer.
  • Kontrollieren Sie mit Ihren F&E-Kollegen immer wieder die Materialbedarfe.
  • Setzen Sie Software-Tools ein, mit denen Sie Preisentwicklungen verfolgen und einschätzen können.
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