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Für energie- und rohstoffintensive Betriebe ist es heutzutage überlebenswichtig, die extrem schwankenden (volatilen) Marktpreise der Rohstoffe...

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Spekulationslust steigt: Kommt der neue Rohstoff-Superzyklus?

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Rohstoffe
Urheber: talitha | Fotolia

Von Jens Holtmann,

Nicht wenige Marktkenner sagen wegen der Spekulationslust der Anleger sogar schon einen neuen Superzyklus der Rohstoffkurse voraus. Deutliche Preissteigerungen beim Öl sowie bei den Industrie- und Edelmetallen scheinen ihnen auch recht zu geben.

Aber nur auf den 1. Blick. Denn wie eine Schwalbe noch keinen Sommer macht, so stellen ein paar steigende Rohstoffpreise nicht gleich einen Superzyklus dar. Bei näherem Hinsehen dürfte sich dieser Zyklus eher als Wunschdenken der Börsen und Rohstoffunternehmen denn als Realität erweisen.

Ohne Frage haben die meisten Notierungen im Jahresverlauf 2016 zugelegt. Die Erdölpreise stiegen zum Beispiel um ca. 40 %, bei Gold und Kupfer waren es rund 15 %. In dieser Rechnung darf aber nicht vergessen werden, dass die weltweiten Rohstoffpreise im Jahr 2015 um durchschnittlich 20 % nachgegeben haben – im 5-Jahres-Verlauf waren es sogar –50 %.

Analysten sagen seit Jahren steigende Rohstoffpreise voraus


Das war 2003 so, 2011 auch und zuletzt 2014. Der Markt zeigte sich allerdings von diesen Vorhersagen überwiegend unbeeindruckt. Denn genau an diesem Markt sinken die inflationsbereinigten Rohstoffpreise seit ihrem großen Allzeithoch in den 1970er Jahren kontinuierlich. Um das Jahr 2000 erreichten sie dann ihren vorläufigen Tiefpunkt.

Richtig bergab ging es aber seit Beginn der Finanzkrise von 2008. Nach einer kurzen Beruhigungsphase um das Jahr 2011 befinden sich die Preise wieder im Sinkflug, von einzelnen Sorten und saisonalen Aufschlägen abgesehen.

Das Rohstoffangebot schrumpft, die Nachfrage am Markt auch


Da ist zum Beispiel China. Das Riesenland ist zwar noch immer der größte Rohstoffverbraucher der Welt, die dortige Wirtschaft wächst aber schon lange nicht mehr so rasant wie einst von den Bergbauunternehmen angenommen. Die Folge: Der chinesische Markt nimmt weit weniger Kohle, Öl und/oder Metalle auf – und das voraussichtlich auf lange Sicht.

Ein Nachfrageschub aus den Schwellenländern ist in absehbarer Zeit auch nicht zu erwarten. Vor allem von Brasilien nicht, das immer wieder als neuer Shootingstar unter den Wirtschaftsnationen angekündigt wurde.

Einem Superzyklus stehen auch die gigantischen Rohstoffmengen entgegen, die gegenwärtig sowohl bei den Produzenten als auch an den Börsen eingelagert sind und auf Einkäufer warten. Dieser strukturelle Lagerüberhang ließ die Rohstoffexperten von Goldman Sachs im Herbst 2016 zu dem Schluss kommen, dass der gegenwärtige Preisauftrieb nur temporärer Natur sei.

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Die meisten Weltmarktpreise liegen seit Langem unter den Herstellungskosten

Von einem Superzyklus sprachen die Goldman-Sachs-Experten ausdrücklich nicht. Sie wiesen allerdings auf die mangelnde Rentabilität des globalen Rohstoffgeschäfts hin, die in ihren Augen der größte Unsicherheitsfaktor am Markt ist.

Über Jahre geltende Niedrigstpreise hätten nicht nur Branchengrößen wie Glencore in finanzielle Bedrängnis gebracht, inzwischen seien die Notierungen so tief gesunken, dass eine Gegenbewegung lediglich die logische Konsequenz sei. Aus Rentabilitätsgründen haben z. B. so gut wie alle Bergbauunternehmen ihre Förderung gedrosselt bzw. komplett eingestellt. Über kurz oder lang wird diese Materialverknappung am Markt ankommen und die Preise steigen lassen. Ob daraus ein neuer Superzyklus wird, bleibt allerdings abzuwarten.

Ein Faktor X bei der Marktbeurteilung
ist auch die enorme Verschuldung der Bergbaukonzerne


Auf einen ewigen Konjunkturfrühling in China hoffend und befeuert vom billigen Geld der Zentralbanken haben viele Produzenten ihre Förderminen bzw. -mengen mit billigen Krediten ausgebaut, erweitert und auf diese Weise gewaltige Überkapazitäten geschaffen.

Der US-amerikanische Informationsdienstleister Bloomberg (www.bloom berg.com) hat z. B. ausgerechnet, dass sich die Schulden der 5.000 weltgrößten Energie-, Rohstoff- und Metallproduzenten auf rund 3,6 Billionen US$ belaufen. Oder, anders gesagt, ihre aktuellen Ausgaben sind 8-mal so hoch wie ihre Einnahmen. Die zu erwartenden Insolvenzen und Übernahmen werden ganz sicher für einige Unruhe am Markt sorgen, dürften als Turbo für einen neuen Superzyklus der Rohstoffpreise aber nicht ausreichen.

Doch wie das so mit den Vorhersagen ist, sie sind immer nur tendenzieller Natur. Belastbare Fakten schaffen Sie sich nur durch eine kontinuierliche Marktforschung. Siehe Praxis-Tipp des Monats!

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