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Wie viel Verantwortung kann ich meinen Azubis nach einem Jahr Ausbildung übertragen?

5 1 Beurteilungen
Urheber: Igor Mojzes | Fotolia

Von Günter Stein,

Frage: Ich bilde zum ersten Mal Azubis aus. Jetzt startet mein Azubi ins 2. Ausbildungsjahr. Das ist ja für ihn ein bedeutsamer Schritt. Kann ich dem Rechnung tragen, indem ich meinem Azubi mehr Verantwortung übertrage, und wenn ja wie viel?

Antwort: Als Ausbilder können und wollen Sie Ihre Azubis möglichst selbstständig arbeiten lassen. Das heißt aber auch: Die Verantwortung, die Sie übertragen, wächst. Ob Sie bereits zum Ende des ersten Ausbildungsjahres einen hohen Grad an Selbstständigkeit zulassen können, hängt immer vom jeweiligen Azubi ab.

Manche Auszubildende, die 8 oder 9 Monate im Betrieb tätig sind, faszinieren durch einen hohen Grad an Selbstständigkeit und selbstbewusstem Auftreten. Scheinbar sicher treffen sie richtige Entscheidungen und sind darüber hinaus in der Lage, mit externen und internen Partnern zu kommunizieren. Wird ein Kollege krank, dann springen sie ein, und manchmal merken Sie als Ausbilder beim Arbeitsergebnis noch nicht einmal einen Unterschied.

So wünschenswert es ist, genau solche Azubis zu beschäftigen, so risikoreich kann es werden, wenn Sie es mit der Verantwortungsübertragung übertreiben. Gerade im ersten Ausbildungsjahr ist unbedingt zu beachten, dass es dem Auszubildenden noch an jeder Menge Wissen, an jeder Menge praktischer Fähigkeiten und an Erfahrung fehlt.

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Überlegen Sie sich also ganz genau, wie hoch der Grad der Selbstständigkeit sein darf. Passiert nämlich doch ein gravierender Fehler, dann können für den Ausbildungsbetrieb hohe Kosten entstehen, z. B.:

Wenn der Azubi-Fehler einen Schaden verursacht

Entsteht durch das Handeln des Auszubildenden ein Schaden für den Ausbildungsbetrieb, dann ist das Unternehmen insgesamt aber keineswegs von den negativen Folgen befreit. Der Schaden bleibt in der Regel bestehen, und eine Begleichung kann nicht mit dem Hinweis zurückgewiesen werden, es sei ein Azubi am Werk gewesen.

Beispiel: Ein Auszubildender kontrolliert eingehende Ware und übersieht einen offensichtlichen Mangel. Erst als die Ware Wochen später benötigt wird, wird der Mangel entdeckt. Das Unternehmen hat dann rechtlich keinen Anspruch mehr auf einen Umtausch oder Ähnliches. Der Azubi hat nämlich als Mitarbeiter vollwertig gehandelt. Daher bleibt hier nur die Hoffnung auf die Kulanz des Lieferanten. Auch bei Fristen, die nicht eingehalten wurden, gilt: Es ist egal, wer die Fristversäumnis verantwortet. Das Ausbildungsunternehmen muss für den Schaden geradestehen.

Aber: Entstehen Fehler durch einen Irrtum, was ja bei einem Azubi im Schnitt öfter passiert als beim berufserfahrenen Profi, dann gibt es die Möglichkeit, einen Vertrag erfolgreich anzufechten (§ 119 Bürgerliches Gesetzbuch).

Beispiel: Ein Auszubildender eines Autohauses bestellt statt 1,00 Kotflügel davon gleich 100 Stück. Er hatte das Komma vergessen. Dieses Geschäft kann erfolgreich widerrufen werden.

Fazit für die Übertragung von Verantwortung

  1. Auszubildende im ersten Ausbildungsjahr können nach festgelegten Regeln einfache Tätigkeiten selbstständig vornehmen. Allerdings sollten diese die Ausnahme bleiben, sind aber bei leichten Arbeiten und entsprechender Einweisung/Kontrolle generell möglich. Wichtig ist aber, dass sie die Regeln, nach denen sie handeln, kennen, verstehen und auch umsetzen können. Das sicherzustellen, ist Ihre Aufgabe als Ausbilder!
  2. Je länger die Ausbildung dauert, desto mehr Verantwortung kann übertragen werden. Beachten Sie aber, dass es große Unterschiede bei der Selbstständigkeit von Auszubildenden gibt.
  3. Ein Auszubildender, der bereits häufiger bei einer Tätigkeit zugesehen und unter Aufsicht diese Arbeiten vorgenommen hat, muss nicht unbedingt im Anschluss an eine Ausführung dieser verantwortungsvollen Arbeit kontrolliert werden. Er handelt selbstverantwortlich. Das gilt vor allem dann, wenn es vorher keinen Anlass gab, an der Zuverlässigkeit des Auszubildenden zu zweifeln. Insofern werden dadurch Ausbilder entlastet, die ansonsten in den Verdacht kommen könnten, dass der Verzicht auf eine Kontrolle in solchen Fällen grob fahrlässig sei. Für Sie bedeutet das: Differenzieren Sie unter den Auszubildenden. Verzichten Sie im Zweifelsfall nur auf eine Kontrolle, wenn der Azubi bislang noch nie als unzuverlässig aufgefallen ist. Aber:
    Im Zweifelsfall ist es besser, die Arbeiten eines Auszubildenden zu kontrollieren. Eine grundsätzliche Verpflichtung dazu besteht allerdings nicht. Haben Sie Gründe genug, auf eine Kontrolle zu verzichten und geht trotzdem etwas schief, sind Sie als Ausbilder keinesfalls „schuld“ oder gar schadensersatzpflichtig.
  4. Ist ein Fehler durch einen Azubi passiert, der finanzielle Folgen hat bzw. haben könnte, sollten Sie prüfen, ob ein Irrtum nach § 119 BGB vorliegt. Wenn ja, dann fechten Sie den entsprechenden Vertrag an.
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