Gratis-Download

Die Fachkräfte von morgen sind Ihre Azubis! Leichter finden Sie in diesen Zeiten keine qualifizierten Mitarbeiter als im eigenen Nachwuchs. Denn: Nach...

Jetzt downloaden

Arbeitszeit & Co.: So handeln Sie bei U-18-Azubis rechtssicher

0 Beurteilungen
Urheber: Jamrooferpix | Fotolia

Von Günter Stein,

Nach § 8 Jugendarbeitsschutzgesetz dürfen Jugendliche maximal 8 Stunden am Tag und 40 Stunden in der Woche arbeiten. Das klingt zunächst einmal ganz einfach – wenn da nicht die Ausnahmen wären...

3 Konstellationen ohne Berufsschule

Allerdings gibt es 3 Konstellationen, bei denen innerhalb einer Arbeitswoche keine Berufsschule anfällt:

  1. Die Berufsschule wird als Blockunterricht angeboten, d. h., der Azubi geht mehrere Wochen am Stück in die Berufsschule und ist dann auch mehrere Wochen am Stück ausschließlich im Betrieb.
  2. Es sind Schulferien, der Azubi hat aber keinen Urlaub genommen.
  3. Der Auszubildende ist im Rahmen einer Ausnahmeregelung von der Berufsschule befreit, beispielsweise innerhalb eines Modellversuchs für beruflich vorgebildete Azubis oder aufgrund einer Befreiung durch die zuständige Schulaufsichtsbehörde.

In diesen Fällen entspricht die Arbeitszeit im Betrieb der Ausbildungszeit und darf bei Minderjährigen 40 Stunden nicht überschreiten.

Bei diesen Ausnahmen sind mehr als 40 Stunden möglich

Ausnahme 1: Brückentage

Wird an einem Werktag in Verbindung mit einem Feiertag nicht gearbeitet (z. B. am Freitag nach Himmelfahrt), damit die Beschäftigten und Azubis eine längere zusammenhängende Freizeit haben, dann kann innerhalb von 5 Wochen vor und/oder nach diesem „Kurzurlaub“ länger gearbeitet werden, um den freien Tag wieder „reinzuholen“.

Beachten Sie dabei, dass Ihr Azubi dabei pro Tag nicht länger als 8,5 Stunden arbeiten darf – das Einarbeiten des freien Tages also höchstens halbstundenweise erfolgen kann.

Vorsicht bei 2 freien Tagen: Fallen beispielsweise der 24., 25. und 26. Dezember auf einen Montag, Dienstag und Mittwoch, dann bekommen Sie – bei genereller 5-Tage-Woche – ein Problem, wenn Sie Donnerstag und Freitag ebenfalls schließen und die Zeit vor- und nacharbeiten lassen. Denn die Azubis können innerhalb von 5 Wochen die 16 ausgefallenen Stunden nicht komplett nach- oder vorarbeiten. Schließlich stehen Ihnen – abzüglich der freien Woche – nur noch 4 Wochen zur Verfügung, was die Einarbeitungszeit auf 10 Stunden (4 × 5 Tage × 0,5 Stunden) begrenzt. In diesem Fall müsste Ihr minderjähriger Azubi entweder anteilig Urlaub nehmen oder Sie müssten die fehlenden 6 Stunden ohne Entgeltausfall freigeben.

Anzeige

Ausnahme 2: Verkürzte Wochentage

Wenn Sie an einzelnen Werktagen die Arbeitszeit generell verkürzen, dürfen Jugendliche an den anderen Werktagen derselben Woche 8,5 Stunden beschäftigt werden.

Beispiel: Die Arbeitszeit beträgt von Montag bis Donnerstag je 8,5 Stunden und am Freitag 6 Stunden. Das ist nach § 8 Abs. 2a JArbSchG zulässig.

Beachten Sie die Anrechnungsregeln von Berufsschulstunden

Für den Fall, dass Ihr minderjähriger Auszubildender keinen Blockunterricht hat, sondern 2-mal pro Woche in die Berufsschule geht, können Sie nicht ohne Weiteres von addierten 40 Stunden ausgehen. Bei der Berechnung der Ausbildungszeit für minderjährige Auszubildende berücksichtigen Sie vielmehr folgende 3 Aspekte:

  1. Dauert der Berufsschulunterricht länger als 5 Unterrichtsstunden pro Tag, dann müssen Sie diesen Tag bei einer 40-Stunden-Woche mit 8 Arbeitsstunden anrechnen. Die Azubis dürfen an diesem Tag nicht mehr in den Betrieb kommen. Diese Regelung gilt allerdings nur einmal pro Woche (9 JArbSchG).
  2. Finden am Tag 5 oder weniger Unterrichtsstunden statt oder ein Tag in der Woche wurde bereits voll berücksichtigt (wie unter 1. beschrieben), dann ist lediglich die Zeit anzurechnen, die einschließlich Pausen- und Wegezeiten (zwischen Berufsschule und Betrieb) aufgewendet wurde.
    Beispiel:
    Der Berufsschulunterricht des minderjährigen Azubis verteilt sich auf jeweils 6 Stunden am Montag und Mittwoch. Für Sie gilt: Sie dürfen den Azubi an einem der beiden Tage noch im Betrieb ausbilden, an dem jeweils anderen Tag dagegen nicht.
  3. Beginnt der Berufsschulunterricht vor 9.00 Uhr, können Sie den Azubi nicht morgens bereits in den Betrieb bestellen.

Wenn die Berufsschule Überstunden macht

Es kann vorkommen, dass der Auszubildende an Berufsschultagen länger „beschäftigt“ ist, als der Tarifvertrag das vorsieht. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn im Betrieb freitags regulär weniger als 6 Stunden gearbeitet wird, die Berufsschule aber mindestens 6 Stunden Unterricht an diesem Tag vorsieht.

Für diesen Spezialfall liegt ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts vor (Az. 6 AZR 537/01 vom 13.2.2003). Danach müssen Sie bei minderjährigen Auszubildenden für einen Ausgleich sorgen.

Achtung: Bei der Arbeit geht es um Zeitstunden, bei der Schule um 45-minütige Schulstunden: Sie berechnen dann die Zeit von Beginn bis Ende der Schule zuzüglich Wegezeiten von der Schule zum Betrieb.

Samstag und Sonntag als Ausbildungstage? Nur in bestimmten Branchen

Grundsätzlich dürfen jugendliche Azubis an Samstagen und Sonntagen erst mal nicht beschäftigt werden. Das Jugendarbeitsschutzgesetz definiert in den §§ 16 und 17 allerdings auch einige branchenbezogene Ausnahmen.

In einigen Branchen dürfen Sie Ihren jugendlichen Azubi auch am Wochenende ausbilden. Beachten Sie dabei, dass

  • jeweils 2 Samstage und Sonntage im Monat frei bleiben und
  • dass Sie unbedingt das Prinzip der 5-Tage-Woche einhalten müssen.

Konkret: In der Woche, in der Sie am Wochenende arbeiten lassen, ist an einem berufsschulfreien Tag ein Ausgleich zu schaffen.

SamstagSonntag
  • Krankenhäuser, Pflegeund Kinderheime
  • ärztliche Notdienste
  • Verkauf und Friseur
  • Verkehrswesen
  • Landwirtschaft und Tierhaltung
  • Sport
  • Aufführungen, Kultur
  • Bild- und Tonaufnahmen
  • Gaststätten
  • Schausteller
  • Landwirtschaft
  • Kfz-Reparatur
  • außerbetriebliche Ausbildungsmaßnahmen
  • Krankenhäuser,
  • Pflege- und Kinderheime
  • ärztliche Notdienste
  • Sport
  • Aufführungen, Kultur
  • Gaststätten
  • Schausteller
  • Landwirtschaft, falls notwendig

Nachtarbeit für Ihre jugendlichen Azubis? Nur in Ausnahmefällen

Nachtarbeit und Ausbildung – das ist grundsätzlich vereinbar. Dies gilt allerdings nicht für jugendliche Auszubildende.

Bei Minderjährigen gibt es in Deutschland bereits seit Jahrzehnten aus gutem Grund ein Nachtarbeitsverbot, um die körperliche und seelische Belastung von Arbeit und Ausbildung gering zu halten. Daher gilt generell:

  1. Frühestmöglicher Arbeitsbeginn ist 6.00 Uhr.
  2. Spätestmögliches Arbeitsende ist 20.00 Uhr.
Personal und Arbeitsrecht aktuell

Egal ob es um brandneue Urteile der Arbeitsgerichte geht, die für Sie als Arbeitgeber, als Führungskraft oder als Personalverantwortlicher von Bedeutung sind oder zum rechtssicheren Umgang mit Abmahnungen, Zeugnissen, Kündigungen. Jetzt bekommen Sie die aktuellsten und wichtigsten Tipps frei Haus.

Datenschutz

Anzeige

Produktempfehlungen

Ihr praxisnaher Informationsdienst für die tägliche Arbeit als Ausbilder bzw. Ausbildungsverantwortlicher

Ihr Excel-Lernsystem: Verständlich, kompakt, effektiv

So machen Sie aus Ihren Azubis Vorzeige-Azubis!

Das praxisnahe und kompetente Nachschlagewerk für Ihren erfolgreichen Einsatz von Excel

Sichern Sie sich jetzt Ihr gutes Recht als Arbeitgeber

NEU! Aller Anfang ist leicht! Das erste Azubi-Start-Paket mit dem WOW-Effekt!