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In einer Arbeitswelt, die sich im Zuge von Globalisierung und Technologisierung nicht nur stetig wandelt, sondern auch immer schneller wird, rückt das...

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Heimarbeit anbieten: Das sagt der Gesetzgeber!

 
Urheber: VadimGuzhva | Fotolia.de

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Bei einem Heimarbeiter handelt es sich um jemanden, der im Auftrag eines Unternehmens in seiner eigenen Wohnung und/oder Betriebsstätte tätig ist und diesem die „Verwertung“ des Arbeitsergebnisses überlässt. Da es beim Heimarbeiter keine direkte betriebliche Abhängigkeiten gibt, hat er einen arbeitnehmerähnlichen Status, wird aber durch eine Vielzahl Auflagen und Regeln geschützt.

Die Vertragsbedingungen und Entgelte der Heimarbeiter werden zwischen Arbeitgeber und Gewerkschaften in Form von Heimarbeitsausschüssen oder Tarifverträgen festgesetzt.

Heimarbeit: Die Pflichten des Arbeitgebers

  • Der Arbeitgeber ist dazu angehalten, dem Heimarbeiter, die für seine Tätigkeit nötigen, Hilfs- und Rohstoffe zeitnah zu liefern.
  • Dasselbe gilt für die Abnahme bereits fertiggestellter Arbeiten des Heimarbeiters.
  • Ähnlich wie beim klassischen Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnis muss der Arbeitgeber den Heimarbeiter vor dem Beginn des Vertragsverhältnisses über die Einzelheiten der zu erledigenden Aufgaben, die damit verbundenen Gefahren für dessen Gesundheit und/oder eventuelle Verletzungsrisiken detailliert aufklären (Stichwort: Gefahrenbeurteilung!)
  • Der Arbeitgeber ist dazu verpflichtet, dass er ein Entgeltverzeichnis zur Verfügung stellt, das jederzeit von den Heimarbeitern und von den staatlichen Aufsichtsbehörden eingesehen werden kann.
  • Für den Heimarbeiter gilt nur ein begrenzter Arbeitsschutz.
  • Der Arbeitgeber muss eine Liste aller Heimarbeiter (Heimarbeitslisten) führen und diese in einem Intervall von sechs Monaten regelmäßig an das Arbeitsamt schicken.
  • Dem Heimarbeiter ist ein sogenanntes Entgeltbuch auszuhändigen. Hier sind die Art und der Umfang, wie auch die dazugehörige Bezahlung der zu erledigenden Arbeiten einzutragen.
  • Der Arbeitgeber unterliegt bei der Beschäftigung von Heimarbeitern gegenüber dem staatlichen Stellen einer Auskunftspflicht.

Wissenswert: Die behördliche Stelle, die darauf achtet, dass alle gesetzlichen Vorschriften bei der Beschäftigung von Heimarbeitern eingehalten werden, ist das Gewerbeamt. Die gesetzlichen Vorgaben bezüglich der Heimarbeiter sind im Heimarbeitsschutzgesetz nachzulesen.

Welche Kündigungsfristen gelten für Heimarbeiter?

Während der ersten 28 Tage können beide, Heimarbeiter als auch Arbeitgeber mit einem Tag „Kündigungsfrist“ das Vertragsverhältnis jederzeit beenden.

Wichtig: Hat ein Heimarbeiter zum größten Teil nur einen „Arbeitgeber“ verlängert sich die Kündigungsfrist um vier Wochen. Gekündigt werden kann zum Monatsende oder zum jeweils 15.

Heimarbeiter mit einem schwerbehinderten Status genießen einen besonderen Schutz. So verlängert sich zum Beispiel deren Kündigungsschutz ebenfalls!

Was sagt das Heimarbeitsschutzgesetz?

Laut des Heimarbeitsschutzgesetzes sind Hausgewerbetreibende und Heimarbeiter besonders schutzbedürftig und werden durch dieses Gesetz normalen Arbeitnehmern gleichgestellt. Damit unterliegen sie auch dem Arbeitsschutzgesetz, obwohl Heimarbeiter direktionsfrei und selbstständig die Arbeiten übernehmen.

Wissenswert: Die ersten Arbeitsschutzmaßnahmen für Heimarbeiter wurden bereits 1911 festgelegt. Schon damals enthielten Sie umfassende Vorgaben zum Entgeltschutz und auch dem Arbeitsschutz.

Vorschriften des Heimarbeitschutzgesetzes

  • Das heutige Heimarbeitsschutzgesetz schreibt verbindliche Mindestentgelte vor, um eine angemessene Entlohnung der Heimarbeiter sicherzustellen.
  • Gleichzeitig regelt das Gesetz die Zahlungen von Urlaubsgeld, Feiertagsgeld, die Vorsorge für Krankheiten, die Zahlungen der Arbeitslosenversicherung und in die staatliche Rentenkasse, wie auch viele weitere wichtigen Faktoren.
  • Wichtig ist es ebenfalls, dass der Mutterschutz auch für Heimarbeiterinnen gültig ist.
  • Insbesondere verlangt das Heimarbeitsschutzgesetz die Errichtung eines sogenannten Heimarbeiterausschusses. Dieser ist paritätisch zu besetzen und überwacht, dass die Arbeitsschutzvorschriften auch für Heimarbeiter eingehalten werden.

Der Heimarbeiter im Sozialrecht

Bei einem Heimarbeiter handelt es sich laut Sozialrecht um eine Person, die in ihrer Wohnung und/oder eigenen Betriebsstätte auf Rechnung oder im Auftrag einer Firma erwerbsmäßig tätig ist.

Laut §12 Abs. 2 SGB IV ist es für die Definition des Heimarbeiters völlig irrelevant, ob diesem dabei die Roh- und Hilfsstoffe vom Arbeitgeber gestellt werden oder der Heimarbeiter selbst besorgt.

Wichtig: Sobald ein Heimarbeiter andere für die Erledigung gewerblicher Arbeiten in heimischer Umgebung beauftragt, hat er seinen Status als „Heimarbeiter“ verwirkt. Greifen Familienangehörige helfend ein, spielt das aber keine Rolle!

§ 12 Abs. 2 HS. 2 SGB IV besagt, dass Heimarbeiter ganz normale Beschäftigte sind. Darum sind sie auch sozialversicherungspflichtig. Gleichzeitig ist vgl. § 5 Abs. 1 Nr. 1 SGB V eine Arbeitsförderung vorgeschrieben. Sind behinderte Menschen als Heimarbeiter tätig, fallen für den Arbeitgeber ebenfalls Kosten für die Pflegeversicherung an. (§ 5 Abs. 1 Nr. 7 SGB, 20 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 SGB XI)

Checkliste: Alle Pflichten des Arbeitgebers gegenüber dem Heimarbeiter 

Sobald keine direkte Eingliederung des Heimarbeiters in den Betrieb des Auftraggebers gegeben und dieser nicht an das Direktionsrecht gebunden ist, hat er einen arbeitnehmerähnlichen Status, ist aber kein direkter Arbeitnehmer.

  • Meldepflicht (Das heißt, der Arbeitgeber ist dazu verpflichtet den Heimarbeiter bei der obersten Arbeitsbehörde und dem örtlichen Arbeitsamt anzumelden.)
  • Gefahren- und Arbeitsschutz
  • Fürsorgepflicht
  • Mutterschutz
  • Kündigungsschutz

Die Vorteile der Heimarbeit für Unternehmer

  • Die Produktivität von Heimarbeitern ist normalerweise besser als von angestellten Mitarbeitern, da sie wesentlich flexibler sind und sie auch zu anderen Arbeitszeiten arbeiten als klassische Arbeitnehmer.
  • Der Arbeitgeber spart sich Kosten, da er in seinem Unternehmen keinen Arbeitsplatz unterhalten muss.
  • Der Arbeitsausfall von Heimarbeitern ist natürlich deutlich geringer, da dieser alles dafür tun wird seine Arbeit zu erledigen, denn nur dann wird er bezahlt! 
  • Die hohe Flexibilität und Eigenständigkeit führt zur motivierten Mitarbeitern.
  • Zufriedene Mitarbeiter besitzen zudem eine höhere Bindung an das Unternehmen.
  • Das Image der Firma verbessert sich, da sie direkt auf die Bedürfnisse Ihrer Arbeitnehmer eingehen können.
  • Arbeitnehmer haben nach dem Mutterschutz, der Elternzeit oder den Betreuungsurlaub schneller die Möglichkeit wieder aktiv am Berufsleben teilzunehmen.

Die Nachteile der Heimarbeit

  • Schwieriger wird es jedoch, wenn es um die Kontrolle der zu erledigenden Aufgaben geht.
  • Die Datensicherheit ist gerade beim Homeoffice nicht immer 100%ig zu gewährleisten, da nicht jeder Heimarbeiter die Möglichkeit hat, ein separates Büro einzurichten.
  • Erhöhtes Risiko einer Scheinselbstständigkeit. Vor allem wenn Heimarbeiter auf selbstständiger oder freiberuflicher Basis tätig sind!
  • Es besteht die Gefahr, dass sich Heimarbeiter weniger mit dem Unternehmen identifizieren.
  • Heimarbeiter werden überfordert, da die Grenze zwischen Arbeitszeit und Privatleben verschwimmt.

Heimarbeit: Was passiert bei einem Arbeitsunfall?

Der normale Arbeitnehmer ist durch die gesetzliche Unfallversicherung geschützt, sollte es auf dem Weg zur Arbeitsstätte oder während der eigentlichen Tätigkeit zu einem Unfall kommen. Doch wie sieht es bei einem Heimarbeiter aus?

Dieser ist durch die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert. Aber nur bei allen Tätigkeiten und Aufgaben, die im direkten Zusammenhang mit der Aufgabenerfüllung als Heimarbeiter stehen.

Welche das genau sind, hängt vom jeweiligen Auftragsverhältnis ab. Schwieriger wird es mit dem Schutz durch die gesetzliche Unfallversicherung bei Unfällen im Wohnraum. Stürzt der Heimarbeiter zum Beispiel über einem Karton in seinem Arbeitsraum, besteht der Versicherungsschutz. Anders ist es jedoch, wenn er sich auf dem Weg zur Toilette verletzt oder die Arbeit aufgrund privater Belange unterbricht und es dadurch zu einem Unfall kommt, greift keinen Versicherungsschutz!

Tipp: Um Versicherungsprobleme zu vermeiden und die Mitarbeiterbindung zu erhöhen, sollten Sie Ihrem Heimarbeiter empfehlen zusätzlich eine private Unfallversicherung abzuschließen. Des Weiteren ist es für diese sinnvoll, dass sie sich ein eigenes Arbeitszimmer anschaffen!

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