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Für energie- und rohstoffintensive Betriebe ist es heutzutage überlebenswichtig, die extrem schwankenden (volatilen) Marktpreise der Rohstoffe...

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Schmerzthema Seltene Erden

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Es ist noch gar nicht lange her, da war der Begriff nur Eingeweihten und Experten geläufig. Inzwischen berichten selbst Kreiszeitungen in steter Regelmäßigkeit über Metalle mit so zungenbrecherischen Namen wie Dysprosium oder Praseodym. Meist mit warnenden Untertönen.

Doch seit Neuestem werden die Stimmen freundlicher. Denn die Preise vieler Seltener Erden geben seit Monaten nach. Einkaufsprofi Jens Holtmann, Chefredakteur des Fachinformationsdienstes Einkaufsmanager, beleuchtet heute dieses komplexe Thema für Sie - Strategietipps inklusive.

Sondermetall ist nicht gleich Sondermetall

Bekanntlich hat China in Sachen Seltene Erden den Joker in der Hand. Die Volksrepublik produziert zum Beispiel

  • 91 % des globalen Wolframbedarfs (Auto- und Flugzeugteile) und
  • 31 % des weltweiten Molybdänbedarfs (Legierungszusätze).

Überhaupt kommt China mit einem Gesamtanteil der weltweiten Sondermetallproduktion von rund 95 % (2010) eine Monopolstellung zu. Zwar meinte Wang Jionghui, Chef des mächtigen Staatskonzern China Minmetals, 2016 würden nur noch 50 % des globalen Angebots auf das Konto Chinas gehen und Angebot und Nachfrage wären dann im Gleichgewicht, viel mehr als Polit-Rhetorik dürfte dieser Satz aber nicht sein. Im gleichen Atemzug gab Wang nämlich auch bekannt, dass sein Land bis 2015 den Ausbau seiner Seltenerdindustrie massiv vorantreiben wolle.

Laut Plan werde beispielsweise die Produktionskapazität von Seltenerdprodukten, die für die Herstellung von Dauermagneten unerlässlich sind, um 20.000 Tonnen (t) pro Jahr hochgeschraubt. Diese Zahl ist mit Vorsicht zu genießen, da aus Peking selten verlässliche Daten zu hören sind.

Unterscheidung zwischen leichten und schweren Seltenen Erden

Ernst zu nehmen ist dagegen die Ankündigung, ab dem Jahre 2012 bei den Exportquoten zwischen leichten und schweren Seltenen Erden zu unterscheiden:

  1. Leichte Seltene Erden (u. a. Scandium, Praseodym, Neodym, Samarium, Europium) sind auf der Welt wesentlich häufiger vorhanden und auch viel billiger als die schwere Variante.
  2. Schwere Seltene Erden (u. a. Gadolinium, Dysprosium, Erbium, Thulium, Ytterbium) sind für Hightech-Länder wie Deutschland aber die mit Abstand wichtigeren Sondermetallsorten. Besonders kritisch ist die Versorgungslage bei Terbium (Farbstoff für Leuchtstoffröhren) und Dysprosium (Dauermagneten).

Die chinesische Monopollieferanten haben zwar im Herbst 2011 ihre Preise gesenkt, aber nur weil sie mit diesem Verkaufstrick die reglementierten Exportquoten ausschöpfen wollten.

Politisches Kalkül oder wirtschaftliche Notwendigkeit?

Über die Hintergründe der Trennung in leichte und schwere Seltene Erden wird nun in Expertenkreisen heftig diskutiert. Weitgehend einig ist man sich darüber, dass die Aufteilung weniger wirtschaftlich als politisch begründet ist. Denn selbst in Geologenkreisen ist eine Unterscheidung von leichten und schweren Sondermetallen ungewöhnlich.

Der Wahrheit sehr nahe kommen dürfte die Vermutung, dass Peking eine Kampagne in der Schublade hat, um den Markt auf drastische Preisaufschläge vorzubereiten. Dazu passen Meldungen, dass die Reserven für schwere Seltene Erden, die im Süden Chinas abgebaut werden, nicht nur rapide abnehmen, sondern auch immer größere technische und finanzielle Aufwände erfordern.

Alternativen gibt es nur bei leichten Sondermetallen

Nicht erst seit gestern versuchen die Industrieländer, von der Rohstoffabhängigkeit Chinas wegzukommen. Durchaus mit Erfolg. So hat in diesen Tagen die Lynas Corp. im Mount Weld im Westen Australiens (eine der größten Lagerstätten von Sondermetallen außerhalb Chinas) den Produktionsbetrieb aufgenommen. Im April ist auch Molycorp Inc. in Kalifornien mit modernisierten und neuen Minen an den Start gegangen. Bis Ende des 3. Quartals will das US-Unternehmen seinen Ausstoß auf 19.050 t steigern.

Das sind Fördermengen, die die Preise und die Versorgungslage auf längere Sicht entspannt halten sollten. Aber eben nur für leichte Seltene Erden. Obendrein befürchten Analysten von Technology Metals Research (TMR) in den USA, dass die derzeit 406 Erschließungsprojekte von Seltenen Erden außerhalb Chinas nur zum geringen Teil profitabel arbeiten werden.

Welche Auswege gibt es aus dem Dilemma?

Für die meisten Metalleinkäufer sind nicht so sehr steigende Preise das große Problem, sondern vielmehr extreme Preisschwankungen, da sie verlässliche Kalkulationen nahezu unmöglich machen. Komplett ausgeliefert sind Sie dem prekären Sondermetallmarkt aber auch nicht.

Dazu 5 Strategietipps:

  1. Prüfen Sie, ob Ihre bisherigen Einkaufsmengen auch wirklich nötig sind oder ob es noch Luft gibt.
  2. Prüfen Sie außerdem, ob in Ihrem Betrieb Material recycelt werden kann.
  3. Wenn Alternativen auch rar sind: Finden Sie andere Lieferquellen.
  4. Wenden Sie sich an die Deutsche Rohstoffagentur, um durch Käufergemeinschaften oder Projektbeteiligungen Ihre Marktmacht zu stärken.
  5. Suchen Sie mit Ihren Ingenieuren nach alternativen Materialien. Beachten Sie: Durch Substitution sind 2011 auf dem Weltmarkt 20 % weniger Sondermetalle verbraucht worden.
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