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Selbstständige: Ist Ihr Steuerbescheid in Ordnung?

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Steuer Steuerbescheid

Von Gerhard Schneider,

Wenn Sie Ihre Steuererklärung 2009 fristgerecht zum 31.5.2010 bei Ihrem Finanzamt eingereicht haben (und keine Fristverlängerung nutzen), können Sie in diesen Wochen damit rechnen, dass der Steuerbescheid bei Ihnen eintrifft!

Und dann heißt es: Schauen Sie genau hin! Der Bund der Steuerzahler weist seit Jahren eindringlich darauf hin, dass nach seinen Schätzungen jeder dritte Steuerbescheid falsch ist – und zwar zu Ungunsten des Steuerzahlers. Prüfen Sie Ihren Bescheid so:

Schritt 1: Ist der Steuerbescheid in allen vorgeschriebenen Punkten vorläufig?

Steuerbescheide können nicht nur dann vorläufig erlassen werden, wenn Regelungen gegen EU-Recht verstoßen oder verfassungsrechtlich bedenklich sind, sondern auch dann, wenn Verfahren zur Klärung des geltenden Rechts beim BFH anhängig sind. Gibt es Abweichungen in den Punkten, in denen der Steuerbescheid gemäß § 165 Abgabenordnung (AO) vorläufig ist, brauchen Sie hier keinen Einspruch einzulegen.

Das prüfen Sie: Unter der Überschrift Festsetzung steht, dass der Steuerbescheid teilweise vorläufig ist. In welchen Punkten, das steht am Ende unter den Erläuterungen. Prüfen Sie, ob die Liste der offenen Punkte vollständig ist. In der Randspalte auf Seite 5 finden Sie die aktuelle Liste. Sind alle Punkt, die für Sie wichtig sein könnten, berücksichtigt?

  • Wenn ja: Dann ist in diesem Punkt alles in Ordnung und Sie können zu Schritt 2.
  • Wenn nein: Legen Sie Einspruch ein, und beantragen Sie, dass das Finanzamt Ihren Einspruch entweder ruhen lässt oder Ihnen einen korrigierten Bescheid mit einem entsprechenden Vorläufigkeitsvermerk schickt.

 

Schritt 2: Stimmen die Zahlen im Steuerbescheid mit den Ihrigen überein?

Sie haben Ihre Steuererklärung wahrscheinlich mithilfe einer Software erstellt. Deshalb können Sie nun auf einen Blick feststellen, ob das Finanzamt abgewichen ist.

Das prüfen Sie: Drucken Sie sich den Muster-Steuerbescheid aus, den Ihre Software automatisch erstellt. Damit können Sie die Angaben einfach vergleichen. Denn der Bescheid ist genau so aufgebaut wie der vom Finanzamt. Gibt es hier Abweichungen zwischen den Zahlen, die Sie bzw. Ihre Software errechnet haben, und dem Bescheid?

  • Wenn ja: Dann ist in diesem Punkt alles in Ordnung und Sie können zu Schritt 3.
  • Wenn nein: Ihr Steuerbescheid ist in Ordnung, Sie können die Prüfung beenden.

Schritt 3: Sind die Abweichungen erläutert?

Weicht der Bescheid von Ihrer Steuererklärung ab, schauen Sie sich zunächst den Erläuterungsteil am Schluss des Bescheids an. Hier sollte stehen, in welchen Punkten das Finanzamt anderer Meinung ist als Sie (nach § 91 AO).

Ist die Abweichung erläutert?

  • Wenn ja: Sie entscheiden, wie Sie reagieren. Weiter zu Schritt 5.
  • Wenn nein: Sie suchen genauer. Weiter zu Schritt 4.

Schritt 4: Wo und wie ist die Abweichung begründet?

In diesem Schritt gehen Sie den Berechnungsteil des Steuerbescheids durch: Sie prüfen also Schritt für Schritt, ob die einzelnen Einkünfte, Ausgaben, Freibeträge etc. mit Ihren Zahlen aus dem Muster-Steuerbescheid Ihres Steuerprogramms übereinstimmen. Finden Sie hier die Abweichung, können 3 Fälle vorliegen:

Fall 1: Abweichung berechtigt, z.?B. weil Sie selbst einen Fehler in Ihren Angaben gemacht haben, der dem Sachbearbeiter aufgefallen ist. Prüfung beendet!

Fall 2: Offensichtlicher Fehler. Beispiel: Der Sachbearbeiter hat versehentlich eine falsche Zahl übernommen oder hat sich schlicht vertippt. Weiter zu Schritt 5.

Fall 3: Das Finanzamt ist anderer Meinung als Sie. In den meisten Fällen gibt es eine Abweichung beim Gesamtbetrag der Einkünfte. Dieser Betrag setzt sich aus den einzelnen Einkunftspositionen zusammen. Vergleichen Sie die Zahlen im Steuerbescheid mit Ihren Eintragungen in den Anlagen zu Ihrer Steuererklärung (Anlage GSE – Einkünfte aus Gewerbebetrieb/selbstständiger Arbeit, Anlage N – Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit, Anlage KAP – Einkünfte aus Kapitalvermögen, Anlage V – Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung), um einzugrenzen, wo die Abweichung liegen könnte. Bei Selbstständigen ist der häufigste Fall, dass Betriebsausgaben nicht anerkannt werden. Weiter zu Schritt 5.

Schritt 5: Entscheiden Sie, wie Sie vorgehen

Nun wissen Sie, in welchen Punkten Ihr Steuerbescheid nicht korrekt ist. Je nachdem, ob es sich um eine Kleinigkeit handelt oder um eine ernstzunehmende Meinungsverschiedenheit, gehen Sie so vor:

Schlichte Änderung: Stoßen Sie in Ihrem Steuerbescheid auf einen offensichtlichen Fehler, können Sie ihn mit einer so genannten schlichten Änderung korrigieren lassen. Das heißt: Sie schreiben einen Brief, in dem Sie auf den Fehler hinweisen und darum bitten, den Bescheid entsprechend in diesem Punkt zu korrigieren. Das ist sogar telefonisch möglich. Vorteil gegenüber einem Einspruch: Der Steuerbescheid wird nur in den Punkten überprüft, für die Sie Ihren Änderungsantrag stellen. Bei einem förmlichen Einspruch kann dagegen noch einmal der gesamte Bescheid unter die Lupe genommen werden.

Einspruch: Wenn eine schlichte Änderung nicht ausreicht und Sie sich dennoch im Recht fühlen, sollten Sie gegen den Steuerbescheid förmlich Einspruch einlegen. Sinnvoll ist das vor allem in folgenden Fällen:

  • Das Finanzamt hat Ihrer Meinung nach zu hohe Nachzahlungen oder zu niedrige Steuererstattungen festgelegt.
  • Sie haben vergessen, Betriebsausgaben oder Freibeträge anzugeben, und wollen das nachholen.

Klage: Haben Sie mit Ihrem Einspruch keinen Erfolg, besprechen Sie mit einem Steuerberater die Erfolgsaussichten einer Klage.

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