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Mitarbeiterführung: Welche Aufgaben Sie Ihrem Azubi übertragen dürfen – und welche nicht

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Arbeitsrecht Mitarbeiterfuehrung

Von Günter Stein,

Um nichts wird zwischen Azubi und Ausbilder so häufig gestritten wie um angeblich nicht zulässige Aufgaben. Das hat seinen guten Grund. Denn in der Tat gibt es immer wieder Extremfälle, in den en Auszubildende schlicht ausgebeutet werden.

Und zum anderen kann es in Anbetracht der Vielfältigkeit von Ausbildungsbildungsberufen und Tätigkeiten keine allgemeingültige Regel geben. Es ist stets im Einzelfall zu entscheiden. Und genau das macht die Sache so schwierig. In der Frage der Zulässigkeit von Aufgaben, die Sie einem Azubi erteilen dürfen, macht das Berufsbildungsgesetz (BBiG) folgende Vorgabe: Nach § 14 Abs. 2 (BBiG) dürfen Sie dem Auszubildenden nur Aufgaben übertragen, die dem Ausbildungszweck dienen. Zudem müssen diese Aufgaben angesichts der körperlichen Kräfte von Auszubildenden angemessen sein. Damit stellt sich zunächst die Frage: Was dient dem Ausbildungszweck?

Mitarbeiterführung: Was der Ausbildungszweck ist

Unter Ausbildungszweck versteht man die systematische Vermittlung der beruflichen Fertigkeiten, Fähigkeiten und Kenntnisse. Diese wiederum können zwei Zielen untergeordnet sein:

  1. dem Bestehen der Abschlussprüfung: Alles, was in der Abschlussprüfung abgefragt werden könnte, kann damit Bestandteil einer Aufgabe sein, die Sie dem Azubi rechtmäßig übertragen können.
  2. dem Erwerb von Berufserfahrung im Ausbildungsberuf: Denn nicht nur das Bestehen der Abschlussprüfung gehört zu den Zielen der Berufsausbildung. Auch der Erwerb der erforderlichen Berufserfahrung muss möglich gemacht werden. Das geht aus § 1 Absatz 3 des Berufsbildungsgesetzes hervor.

Konkret bedeutet das: Auch Fertigkeiten und Kenntnisse, die noch nie in der Abschlussprüfung eine Rolle gespielt haben, können dem Ausbildungszweck dienen, wenn sie dazu beitragen, dass Berufserfahrung angeeignet wird.

Mitarbeiterführung : Sortieren von Schriftstücken kein relevanter Stoff

Beispiel: Das Sortieren von Schriftstücken nach Datum oder Alphabet ist kaum prüfungsrelevanter Stoff für z. B. einen Mediengestalter, Fachinformatiker oder einen Heizungsinstallateur. Es ließe sich somit nicht rechtfertigen, den Auszubildenden mit solchen oder ähnlichen Arbeiten zu beschäftigen. Dennoch ist eine systematische Ablage kaufmännischer oder projektbezogener Dokumente ein wesentliches Element der Selbstorganisation. Fehlt dieses Know-how, arbeitet der Mitarbeiter weniger effizient.

Das Übertragen derartiger Aufgaben dient also durchaus dem Zweck der Ausbildung. Allerdings genügt es, dem Auszubildenden zwei- bis dreimal die Gelegenheit zur Übung zu geben.


Vorsicht: Dienen die Aufgaben nicht dem Ausbildungszweck, dann handelt es sich offenbar um ausbildungsfremde Tätigkeiten. Und genau diese können und dürfen Sie von Ihrem Auszubildenden nicht verlangen.


Beispiel: Wird ein Azubi regelmäßig losgeschickt, um für die Abteilung oder einen Bautrupp als „Rangniedrigster“ Frühstück zu holen, dann dient das nicht dem Ausbildungszweck. Bekommen Sie als Ausbildungsverantwortlicher mit, dass solche Gepflogenheiten in einer Ausbildungsbildungsabteilung vorherrschen, sind Sie verpflichtet einzuschreiten.

Mitarbeiterführung: Warum Tätigkeiten nur zeitweise dem Ausbildungszweck dienen

Was dient dem Ausbildungszweck und was nicht? Eine Antwort auf diese Frage kann nicht immer eindeutig gegeben werden. Es kommt immer auch auf den Umfang an, in dem diese Arbeiten dem Auszubildenden abverlangt werden.

Beispiel: Ein Azubi zum Groß- und Außenhandelskaufmann muss sich auch zeitweise um die Sauberkeit im Lager kümmern. Mit dem Besen kehrt er das Lager oder er wischt leere, verstaubte Regale feucht aus, bevor diese wieder befüllt werden. Geht das?

Das Beispiel zeigt, was alles möglich ist. Es ist nämlich durchaus zulässig, einen Auszubildenden mit Reinigungsarbeiten zu beauftragen. Begründung: Sauberkeit und Ordnung dienen der Hygiene und der Unfallvermeidung. Sie sind mehr oder weniger für die Ausübung jedes Berufes notwendig. Zudem erlernt der Azubi dadurch den Umgang mit Betriebsmitteln, die ihm ja nicht selbst gehören.

Mitarbeiterführung: Reinigungsarbeiten nur im angemessenen Umfang

Allerdings ist es hier wichtig, dass der Azubi im angemessenen Umfang mit solchen Arbeiten betraut und nicht unverhältnismäßig viele Putzdienste leistet. Das würde zum Beispiel daran deutlich, dass er für andere Personen oder Gruppen ebenfalls Arbeitsplätze reinigt. Im Extremfall spart sich der Ausbildungsbetrieb eine Reinigungskraft, die er sonst, z. B. auf 400-Euro-Basis, bezahlen müsste. Das wäre absolut inakzeptabel. Aber auch auf den ersten Blick sehr sinnvolle und berufsrelevante Tätigkeiten können unzulässig werden, wenn der Umfang überhand nimmt und andere Lernziele darunter leiden.

Beispiel: Eine angehende Rechtsanwaltsfachangestellte muss in erheblichem Maße Texte erfassen. Die Beherrschung eines Textverarbeitungssystems und die Erstellung unterschriftsreifer Schriftstücke gehört zwar zweifellos zu den grundsätzlichen Aufgaben im Berufsbild. Allerdings dürfen deshalb andere Lernziele nicht vernachlässigt werden. Wenn nämlich beispielsweise Defizite auf den Gebieten „Rechnungswesen (Buchführung)“ und / oder „Zivilprozessrecht (Mahnverfahren)“ entstehen, dann kann zu viel Texterfassung unzulässig werden. Das gilt in besonderem Maße dann, wenn die Arbeit sehr monoton ist und jeweils viele Stunden am Stück zu bewältigen sind.

Mitarbeiterführung: Was in einem Beruf rechtens ist, geht in anderen nicht

Allerdings kommt es nicht nur auf die Häufigkeit an, in der eine Tätigkeit ausgeübt wird. Vor allem auf den Beruf selbst kommt es an. Denn was in einem Beruf zum Alltag gehört, das gilt in einem anderen als berufsfremd – und damit auch als ausbildungsfremd.


Beispiel: Kaufmännische Auszubildende werden häufig auch in der so genannten Poststelle eingesetzt. Dort wird u.a. Post sortiert und natürlich auch verteilt. Diese Verteilung kann auch – je nach Organisation im Betrieb – über Botengänge organisiert sein. Kommt auch hier einmal ein kaufmännischer Auszubildender zum Einsatz, dann ist das völlig in Ordnung. Dennoch gelten Botengänge grundsätzlich als ausbildungsfremde Tätigkeiten. Das ist auch in so weit richtig, wie der Beruf und die Organisationseinheit mit der Verteilung von Post nichts zu tun hat. Denn ein professioneller Bote darf natürlich nicht dadurch ersetzt werden, indem ein Azubi regelmäßig auf Botengänge geschickt wird.

Das Beispiel zeigt auch, dass ein Blick in den Ausbildungsrahmenplan lohnt. Tätigkeiten, die dort keine Rolle spielen, sollten in diesem Ausbildungsberuf auch nicht während der Ausbildung vom Azubi abverlangt werden. Der Ausbildungsrahmenplan ist Ihr Mittel zur Legitimation von Aufträgen, die an den Azubi vergeben werden können. Allerdings gilt natürlich auch hier: Beachten Sie stets einen angemessenen Umfang. Ganz wichtig: Keine körperliche Überforderung! Auszubildende sind aufgrund ihres Alters körperlich nicht so belastbar wie ältere Arbeitnehmer. Diesen Aspekt sollten Sie stets im Blick haben, denn die individuellen körperlichen Voraussetzungen Ihrer Azubis sind höchst unterschiedlich. Da es natürlich schwer ist, die Belastbarkeit zu beurteilen und Ausbildungsverantwortliche in der Regel dafür nicht qualifiziert sind, ist es ratsam professionelle Hilfe zu nutzen. Beispielsweise kann ein Betriebsarzt hinzugezogen werden, um die körperliche Konstitution des Auszubildenden einzuschätzen.

Beispiel: Ein Auszubildender zum Maurer erscheint zwar recht kräftig und ist auch volljährig. Allerdings ist auch mit 18 Jahren die körperliche Entwicklung von jungen Menschen noch nicht abgeschlossen. Es bleiben also Zweifel darüber, wie viel Gewicht er tatsächlich heben kann und darf.

In einem solchem Fall ist es sehr wichtig, einen Expertenrat hinzuzuziehen. Auf keinen Fall sollten Sie sich auf die Einschätzung des Auszubildenden selbst verlassen. Denn abgesehen davon, dass ihm eine zuverlässige Beurteilung kaum möglich ist, müssen Sie auch dem sozialen Druck Beachtung schenken, dem er möglicherweise ausgesetzt ist. Eine eingeschränkte körperliche Belastbarkeit gilt nämlich unter jungen Menschen, die einen Beruf gewählt haben, in dem es anzupacken gilt, möglicherweise als uncool. Im Zweifelsfall wird Ihnen der Auszubildende vielleicht vorenthalten, wie sehr er an die Belastungsgrenze geht, oder dass er körperliche Warnsignale empfängt.

Umgekehrt könnte er aber auch eine Belastungsgrenze vorgaukeln, die es gar nicht gibt. Ist der Auszubildende minderjährig, dann müssen Sie zusätzlich die strengeren Regeln des Jugendarbeitsschutzgesetzes beachten. Das bedeutet unter anderem, dass Sie regelmäßig über Gefahren und Belastungen in Schulungen informieren müssen. Zudem müssen Sie noch mehr darauf achten, dass Sie dem Auszubildenden keine Aufträge geben, die ihn körperlich überlasten könnten.

Ihr Auszubildender darf selbstverständlich Arbeiten verweigern, wenn diese nicht zulässig sind. Natürlich sollten Sie als Ausbildungsverantwortlicher in diesem Fall den direkten Auftraggeber, möglicherweise einen Ausbilder in der Fachabteilung, aufklären und ggf. auch rügen. Immerhin handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit, die nach § 102 BBiG mit einer Geldbuße von bis zu 5.000 € geahndet werden kann.

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