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Urlaub ist bekanntlich die schönste Zeit des Jahres. Allerdings nur für den, der selbst Urlaub hat. Für Sie als Personalverantwortlichen ist Urlaub…

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Urlaubsanspruch: Wie viele Urlaubstage stehen Arbeitnehmern zu?

 
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Von Redaktion Wirtschaftswissen,

Wer arbeiten geht, hat auch Anspruch auf Urlaub beziehungsweise auf eine bestimmte Anzahl an Urlaubstagen pro Kalenderjahr. Wir zeigen Ihnen, wie der Urlaubsanspruch der Arbeitnehmer ausfällt und welche Regelungen es rund um den Erholungsurlaub noch gibt.

Wer hat einen Anspruch auf Urlaub?

Der Gesetzgeber gibt im § 1 des Bundesurlaubsgesetzes (BUrlG) vor, dass jeder Arbeitnehmer in jedem Kalenderjahr einen Anspruch auf Urlaub hat, der gehaltlich abgegolten wird. Zudem ist  in einem eigenen Gesetz geregelt, wer dabei genau Anspruch auf Urlaub hat:

  • Beschäftigte/Angestellte: Wer sozialversicherungspflichtig als Mitarbeiter angestellt ist, hat einen gesetzlichen Anspruch auf Erholungsurlaub. Die Zahl der Urlaubstage im Kalenderjahr hängt vom Umfang der Beschäftigung ab. 
  • Arbeiter: Wer in einer Fabrik arbeitet oder in seiner Beschäftigung körperlicher Arbeit nachgeht, hat ebenfalls einen Urlaubsanspruch pro Jahr.
  • Auszubildende: Während der Ausbildung haben Azubis einen Anspruch auf Urlaub, den ihr Arbeitgeber gewähren muss.
  • Arbeitnehmerähnliche Personen: Zu dieser Personengruppe gehören z.B. Handelsvertreter, die zwar im Auftrag eines Unternehmens arbeiten, aber mehr Freiheiten genießen als Angestellte.

Welches Gesetz regelt den Urlaubsanspruch von Mitarbeitern?

Im Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) wird der gesetzliche Anspruch auf Urlaub festgeschrieben. Der Urlaub soll vor allem der Erholung der Mitarbeiter zwischen den Arbeitsphasen dienen. Deshalb wird er auch „Erholungsurlaub“ genannt und grenzt sich dadurch von anderen Urlaubsformen wie dem Sonderurlaub oder Zwangsurlaub ab. 

Im Bundesurlaubsgesetz werden u.a. Vorgaben zur Länge und zu den Personen gemacht, welchen Arbeitgeber Urlaub gewähren müssen.

Aus dem Urlaubsanspruch lässt sich eine bestimmte Zahl an Urlaubstagen ableiten. § 3 BUrlG legt fest, dass der Jahresurlaub mindestens 24 Werktage umfassen muss, wobei nur als Werktage nur Kalendertage ohne Sonn- oder Feiertage gezählt werden.

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben in der Theorie die freie Wahl, wann sie ihren Urlaub nehmen. Arbeitgeber dürfen ihren Mitarbeitern dabei keine Vorgaben machen. Ausnahmen sind wichtige betriebliche Gründe. Dann ist z.B. auch die Anordnung von Zwangsurlaub möglich, der mit dem gesetzlich vorgeschriebenen Urlaubsanspruch der Mitarbeiter verrechnet wird.

Wie viele Urlaubstage stehen Arbeitnehmern zu?

Grundsätzlich hat jeder Arbeitnehmer einen Mindesturlaub von 24 Urlaubstagen. Jedoch bezieht sich dieser definierte Mindesturlaub des Bundesurlaubsgesetzes auf eine 6-Tage-Woche.  Allerdings arbeiten die meisten Menschen in einer 5-Tage-Woche. Entsprechend muss der tatsächliche Urlaubsanspruch in einem Kalenderjahr mithilfe einer modifizierten Formel berechnet werden.

Die Formel für die Berechnung der Urlaubstage im Kalenderjahr lautet wie folgt:
(vereinbarte Werktage / 6) * Wochenarbeitstage = Urlaubsanspruch (Urlaubstage)

Ein Beispiel zur Berechnung der Urlaubstage pro Jahr

Gewährt ein Arbeitgeber 30 Urlaubstage, ergibt sich bei einer 5-Tage-Arbeitswoche folgender Urlaubsanspruch:

(30/6)*5 = 25 

Arbeitnehmer hätten dann einen Urlaubsanspruch von 25 Tagen pro Kalenderjahr.

Wichtig: Resturlaub kann aufgrund betrieblicher Gründe in das Folgejahr übernommen werden. Jedoch schreibt das Gesetz vor, dass diese Resturlaubstage innerhalb der ersten vier Monate des Folgejahres genommen werden. Das heißt, spätestens bis zum 31. März des Folgejahrs müssen die Urlaubstage vom Arbeitnehmer beansprucht werden. Sollte der Urlaub nicht bis zu diesem Zeitpunkt des Folgejahres genommen werden, verfallen die Urlaubstage.

Ab wann besteht ein voller Anspruch auf den Jahresurlaub?

Ein vollständiger Anspruch auf den bezahlten Jahresurlaub besteht in der Regel erst nach sechs Monaten im Arbeitsverhältnis. Dies ist im § 4 des Bundesurlaubsgesetzes (BUrlG) festgehalten. Trotz dieser Regelung sieht das in der Praxis oft anders aus. Denn viele Arbeitgeber gewähren den neuen Mitarbeitern bereits in den ersten sechs Monaten einen Urlaub. Denn ansonsten könnte der Mitarbeiter nach diesen sechs Monaten gleich seinen ganzen Urlaub nehmen und demnach mehrere Wochen ausfallen. 

Wichtig: Arbeitgeber sind gesetzlich jedoch nicht dazu verpflichtet, einen Jahresurlaub in den ersten sechs Monaten zu erlauben.

Urlaubsanspruch besteht auch in Teilzeit

Auch Teilzeit-Arbeitskräfte haben einen Urlaubsanspruch, der sich nicht vom Anspruch der Vollzeitkräfte unterscheidet. Der Urlaubsanspruch wird anhand der Arbeitstage pro Woche berechnet. Es spielt dabei keine Rolle wie viele Stunden an diesen Tagen jeweils gearbeitet wird.

Als Formel für den jährlichen Urlaubsanspruch bei Teilzeit kann folgende verwendet werden:

(Urlaubstage pro Jahr / Wochenarbeitstage) x tatsächliche Arbeitstage in der Woche = Urlaubsanspruch in Teilzeit

Wann besteht ein Anspruch auf Sonderurlaub?

Der Anspruch auf Sonderurlaub kann unter bestimmten Umständen entstehen. In der Regel haben Mitarbeiter in folgenden Fällen einen Anspruch auf Sonderurlaub, sofern nicht abweichende Regelungen im Arbeitsvertrag oder über eine Betriebsvereinbarung getroffen wurden. Der Sonderurlaub ist in der Regel auf wenige Werktage beschränkt. 

  • Betreuung von Kindern: Können Arbeitgeber z.B. nicht arbeiten gehen, weil sie keine Kinderbetreuung gefunden haben und ihr Kind krank zuhause ist, können sie Sonderurlaub von ihrem Arbeitgeber in Anspruch nehmen. 
  • Arztbesuch oder Operationen: Kann ein Arbeitnehmer einen Arzt nur innerhalb seiner regulären Arbeitszeit aufsuchen, weil dieser Arzt keine anderen Sprechstunden anbietet, kann er die Option des Sonderurlaubs nutzen. Wichtig ist, dass der Artztermin in der Kernarbeitszeit liegt. Geht es um einen OP-Termin, der nur während der Arbeitszeit möglich ist, kann ebenfalls Sonderurlaub gewährt werden.
  • Todesfall und Beisetzung: Stirbt ein Angehöriger oder ein Familienmitglied, können Arbeitnehmer Sonderurlaub beantragen, u.a. für die Beerdigung. Abhängig vom Grad der Verbundenheit mit dem Verstorbenen können Arbeitgeber auch mehrere Tage bezahlten Sonderurlaub gewähren.
  • Bewerbungen: Wurde das aktuelle Arbeitsverhältnis gekündigt und der Arbeitnehmer benötigt einen Arbeitstag, um sich bei einem neuen Arbeitgeber vorzustellen, muss der Noch-Arbeitgeber in der Regel Sonderurlaub gewähren.
  • Ehrenamt: Wer als Beschäftigter bei Organisationen wie dem THW oder der freiwilligen Feuerwehr ehrenamtlich tätig ist, kann bei wichtigen Terminen oder Ereignissen Sonderurlaub erhalten. Der Anspruch auf Sonderurlaub kann je nach Bundesland bis zu 12 Tage betragen.
  • Wichtige Behördengänge: Ist es einem Arbeitnehmer nicht möglich, einen wichtigen Behördentermin außerhalb seiner Arbeitszeiten wahrzunehmen, kann der Mitarbeiter dafür Sonderurlaub beantragen. Das kann z.B. eine Anhörung vor Gericht sein.
  • Geburt eines Kindes: Wird ein Kind geboren, hat der Vater einen Anspruch auf Sonderurlaub, um bei der Geburt seines ehelichen Kindes dabei zu sein.
  • Hochzeit: Um zu heiraten, haben Arbeitnehmer Anspruch auf einen Tag Sonderurlaub.
  • Umzug: Für einen Umzug können Beschäftige einen Tag Sonderurlaub in Anspruch nehmen.

Anspruch auf unbezahlten Sonderurlaub

Benötigen Arbeitnehmer mehrerer Tage Urlaub, der nicht mit regulärem Urlaub abgedeckt werden kann, können sie auch unbezahlten Sonderurlaub nehmen. Das ist z.B. in folgenden Fällen möglich:

  • Länger dauernde Pflege eines Kindes oder eines Angehörigen. Während der unbezahlten Freistellung übernimmt in der Regel die Krankenkasse das Krankengeld.
  • Feierlichkeiten von Kindern: Für Abschlussfeiern oder andere Festivititäten können Arbeitgeber unbezahlten Sonderurlaub genehmigen.

Wichtig: Wird Sonderurlaub gewährt, darf dieser nicht vom regulären Urlaub beziehungsweise die definierten Urlaubstage im Kalenderjahr abgezogen werden. Der Anspruch auf Jahresurlaub bleibt somit vom Anspruch auf Sonderurlaub unberührt. Tritt allerdings ein unvorhergesehenes Ereignis während des Jahresurlaubs ein, darf der Arbeitnehmer sich für dieses Ereignis nicht noch einmal Sonderurlaub nehmen, um seine regulären Urlaubstage zu sparen.

Wie viele Arbeitstage stehen Arbeitnehmern im Sonderurlaub zu?

Gesetzlich gibt es zur Länge des Sonderurlaubs keine Vorgaben. Im BGB gibt es keine entsprechende Regelung. In der Praxis handelt es sich beim Sonderurlaub um einen oder zwei Arbeitstage. Der Anspruch auf Sonderurlaub kann vom Arbeitgeber individuell festgelegt werden. Meist können die Arbeitnehmer mehr Sonderurlaub anfordern, die länger im Unternehmen beschäftigt sind. 

Dürfen Arbeitgeber Sonderurlaub verweigern?

Paragraf 616 des BGB gibt Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern das Recht auf Sonderurlaub, bei welchem sie von der regulären Arbeit freigestellt werden. Allerdings dürfen Arbeitgeber dieses Recht auf bezahlten Sonderurlaub im Rahmen eines Tarifvertrages eingrenzen oder auch ausschließen.

Arbeitgeber dürfen außerdem den Lohn um die Arbeitszeit kürzen, die durch den Sonderurlaub verloren ging. Das bedeutet, dass Arbeitnehmer während es Sonderurlaubs kein Recht auf Lohnfortzahlung haben wie beim regulären Erholungsurlaub. 

Wichtig: Im Arbeitsvertrag können individuelle Klauseln zum Sonderurlaub vereinbart werden. Diese können genau regeln, wie hoch der Anspruch auf Sonderurlaub ist und ob es in dieser Zeit eine Vergütung gibt. Alternativ kann es auch Betriebsvereinbarungen zum Sonderurlaub geben. Existieren keine expliziten Regelungen im Arbeitsvertrag, gilt Paragraf 616 des BGB.


Ist ein Sabbatical auch Sonderurlaub?

Bei einem Sabbatical handelt es sich um einen längeren Sonderurlaub. In der Regel „spart“ der Arbeitnehmer dafür Arbeitszeit an bzw. arbeitet nach seinem Sabbatical mehr, um seine Ausfallzeit im Jahr zu kompensieren. 

Dafür erhält der Arbeitnehmer auch während seines Sabbaticals Lohn. Es gibt aber auch die Möglichkeit, ein unbezahltes Sabbatical zu nehmen. Dafür ist dann aber eine Rückkehr in die alte Stelle garantiert. 

Ist der Urlaubsanspruch gesetzlich geregelt?

Alle Mitarbeiter haben im Rahmen ihres Arbeitsverhältnisses ein Recht auf Urlaub im Kalenderjahr. Diesen Anspruch auf Jahresurlaub müssen Arbeitgeber erfüllen. Die Länge des Jahresurlaubs kann individuell über den gesetzlichen Anspruch hinaus im Rahmen von arbeitsvertraglichen Regelungen, beispielsweise in einem Tarifvertrag, erhöht werden. Bei einer 5-Tage beträgt der Urlaubsanspruch im Jahr 20 Tage, also vier Wochen. Beim Sonderurlaub können noch individuellere Vereinbarungen getroffen werden. Meist handelt es sich dabei sogar um mündliche Absprachen, die Beschäftigte mit ihren Vorgesetzten vereinbaren.

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Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
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