Gratis-Download

Wie Sie die 11 häufigsten Irrtümer und Arbeitgeberfallen sicher umgehen. Denn die Fehler liegen im Detail. Und das kann teuer für Ihr Unternehmen...

Jetzt downloaden

5 Erfolgsfaktoren für eine effektive Probezeit

0 Beurteilungen
Urheber: Uli-B | Fotolia

Von Günter Stein,

Eine Ausbildung beginnt grundsätzlich mit der Probezeit. Ausnahmen sind nicht möglich. Diese maximal 4 Monate sollten Sie nutzen, um festzustellen, ob Ihre Auszubildenden tatsächlich für den Beruf und die „Arbeit“ in Ihrem Unternehmen geeignet sind.\n\n\nEine Probezeit ist dann erfolgreich, wenn sie überstanden wird und endgültig in ein Ausbildungsverhältnis mündet. So sieht das der Auszubildende. Ihr Blickwinkel als Ausbilder ist da deutlich differenzierter: Sie haben dann Erfolg, wenn Sie innerhalb von wenigen Monaten herausfinden, ob ein neuer Azubi für den Beruf und die Arbeit in Ihrem Unternehmen tatsächlich geeignet ist. Die folgenden 5 Erfolgsfaktoren sollen Sie bei dieser schwierigen Aufgabe unterstützen.

Erfolgsfaktor 1: Machen Sie sich klar: Die Probezeit ist eine Art letzte Auswahl

Die Probezeit gibt Ihnen die Möglichkeit, Ihre neuen Auszubildenden auf Herz und Nieren zu prüfen. Da Sie die Auszubildenden, die im August und September eines jeden Jahres zu Ihnen kommen, zwangsläufig kaum kennen, hat Ihnen der Gesetzgeber die Möglichkeit eingeräumt, Fehlgriffe zu korrigieren: Innerhalb der Probezeit können Sie nämlich in der Regel recht unkompliziert kündigen.

Mit Ende der Probezeit verlieren Sie diese Möglichkeit. Und nicht nur das: Die Kündigung eines Auszubildenden ist dann sogar noch schwieriger als die Kündigung eines „normalen“ Mitarbeiters. Und das aus gutem Grund. Der Abbruch einer Ausbildung ist schließlich ein besonders schwerwiegendes Negativereignis im Lebenslauf eines jungen Menschen.

Für Sie als Ausbilder bedeutet das:

  • Machen Sie sich in der Probezeit ein umfassendes Bild vom Auszubildenden. Nutzen Sie jede Chance, Informationen zu bekommen.
  • Vereinbaren Sie grundsätzlich eine Probezeit von 4 Monaten. Das ist die maximal erlaubte Dauer.
  • Kommen Sie in dieser Zeit zu einem klaren Ergebnis. Beschäftigen Sie sich mit Grenzfällen besonders ausführlich. Sie werden sehr schnell erkennen, bei wem ein 2. Blick von Nöten ist.

Erfolgsfaktor 2: Verlieren Sie eins nicht aus den Augen: Auch Sie werden auf die Probe gestellt

In den nächsten Jahren werden die besten Schulabgänger den Ausbildungsbetrieb frei wählen können. Fällt deren Wahl auf Ihren Ausbildungsbetrieb, haben Sie ein Zwischenziel erreicht. Bedenken Sie jedoch auch, dass gerade die besten Bewerber noch andere Angebote in der Tasche haben.

Diese Optionen werden spätestens dann wieder interessant, wenn sie mit der Ausbildung in Ihrem Hause nicht zufrieden sind. Das kann durchaus dann passieren, wenn Ihr Fokus zu stark auf den Problemfällen liegt. Denken Sie also daran, gerade auch den „Besten“ während der Probezeit besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

Doch auch hier gilt: Nach der Probezeit können die Azubis ebenfalls nicht einfach so den Ausbildungsplatz wechseln. Zumindest dann nicht, wenn sie die Ausbildung im selben Beruf woanders fortsetzen wollen. Zudem steht ihnen dann eine vierwöchige Kündigungsfrist im Wege (§ 22, Abs. 2, Nr. 2 BBiG).

Anzeige

Gesetzliche Kündigungsfristen, wenn Sie kündigen:

  • Während der Probezeit: Jederzeit ohne Frist und Angabe von Gründen
  • Nach der Probezeit: Nur fristlos aus wichtigem Grund

Gesetzliche Kündigungsfristen, wenn Ihr Azubi kündigt:

  • Während der Probezeit: Jederzeit ohne Frist und Angabe von Gründen
  • Nach der Probezeit: Mit einer Kündigungsfrist von 4 Wochen, wenn der Ausbildungsberuf gewechselt oder die Ausbildung ganz aufgegeben wird.

Erfolgsfaktor 3: Die 1. Ausbildungsstation gezielt aussuchen und gründlich informieren

Welche Ausbildungsabteilungen die Verantwortung übernehmen, die ganz frischen Azubis während der Probezeit zu betreuen – das sollten Sie nicht dem Zufall überlassen. Nicht jede Abteilung, die sich inhaltlich oder fachlich für „Anfänger“ eignen würde, sollte in Frage kommen. Denn neben den Kriterien „leichte Inhalte“ und „Konformität mit dem Ausbildungsrahmenplan“ sind besonders

  • das Klima in der Abteilung,
  • die bisherigen Erfahrungen mit Auszubildenden, die dort tätig waren, und
  • die persönliche Eignung des zuständigen Ausbilders für Neulinge

in die Waagschale zu werfen.

Abteilungen, über die sich Azubis oder andere Mitarbeiter schon des Öfteren beschwert haben, sollten daher nicht zur 1. Wahl gehören. Zu groß ist das Risiko, dass der Praxisschock der ehemaligen Schüler zu heftig ausfällt. Das könnte die Anfangszeit und damit auch die Probezeit negativ beeinflussen.

Sie sollten viel lmehr Abteilungen bevorzugen,

  • die sich bisher ausgesprochen positiv in der Ausbildungsarbeit bewährt haben,
  • die sich der Verantwortung als Ausbilder – gerade in der Probezeit – tatsächlich bewusst sind und
  • die bereit sind, etwas auch zwei- oder dreimal zu erklären oder vorzumachen, bevor ein Lernziel als „erreicht“ abgehakt wird.

Als Gegenleistung informieren Sie als Ausbildungsverantwortlicher Ihre Partner in den Abteilungen so ausführlich wie möglich über den Auszubildenden. Ihrer Verantwortung angemessen vorbereiten kann sich die Ausbildungsabteilung nur dann, wenn das Alter, der Schulabschluss sowie andere Komponenten der Vorbildung des neuen Auszubildenden bekannt sind. Ein 20-jähriger Abiturient hat in der Regel ein völlig anderes Auftreten als der 16-Jährige mit Mittlerer Reife. Und wer beispielsweise bereits eine berufliche Schule besucht hat, der bringt unter Umständen sogar Vorkenntnisse für den angestrebten Beruf mit. Darüber muss ein Fachausbilder im Vorfeld informiert werden.

Erfolgsfaktor 4: Sorgen Sie für Orientierung: Schaffen Sie klare Regeln

In der für den Auszubildenden ganz neuen Welt des betrieblichen Alltags sorgen klare Regeln dafür, dass alle Beteiligten sicher handeln können. Wenn klar ist, was erlaubt und was verboten ist und wer etwas zu sagen hat, dann kann der Azubi sein eigenes Verhalten entsprechend steuern. Gerade während der Probezeit muss für ihn klar sein, welche Spielregeln gelten und wo für ihn die Grenzen liegen.

Beispiel: Es muss für den Auszubildenden klar sein, was er im Freundeskreis oder zu Hause über die Ausbildung erzählen darf und was nicht.

Daher sollte er

  • gleich zu Beginn der Ausbildung über seine Verschwiegenheitspflicht, z. B. bezüglich personenbezogener Daten oder zu Betriebsgeheimnissen aufgeklärt werden.
  • über die Inhalte der Aufklärung ein kurzes Protokoll erhalten,
  • eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben und
  • einen Durchschlag dieser Erklärung zu seiner Orientierung bekommen.

So erhält er von Ihnen die Möglichkeit, sich auf sicherem Terrain zu bewegen und kennt die Regeln, die seine Probezeit bei dieser Thematik unangreifbar werden lassen.

Kurz: Regeln belasten Auszubildende weniger, als dass sie ihnen eine klare Orientierung geben – was dazu führt, dass auch Neulinge selbstbewusst handeln und auftreten können.

Erfolgsfaktor 5: Suchen Sie aktiv das Gespräch: mit allen Beteiligten

Fast alle Auszubildenden, die Ihre Ausbildung gerade erst begonnen haben, sind sich unsicher, wie ihre Leistung eingeschätzt wird. Nur die wenigsten fragen allerdings nach. Es ist daher Ihre Aufgabe, den Auszubildenden selbst aktiv Rückmeldung zu geben.

Bereiten Sie Ihre Auszubildenden von Beginn an darauf vor, dass Sie immer wieder das Gespräch mit ihnen suchen werden. Das sorgt dafür, dass sich niemand Sorgen zu machen braucht, wenn er meint, besonders häufig von seinem Ausbilder angesprochen zu werden.

Erklären Sie daher, dass Sie in den Gesprächen

  • in erster Linie ein Feedback geben,
  • gerne auch Kritik und Veränderungsvorschläge entgegennehmen und
  • selbst erläutern werden, was noch verbessert werden kann.

Handeln Sie vor allem auch danach. Gerade ein regelmäßiges Feedback ist für einen neuen Auszubildenden unverzichtbar. Geben Sie ihm die Sicherheit, dass er auf dem richtigen Weg ist. Damit stärken Sie sein Selbstbewusstsein – er weiß, dass er eine Übernahme nach der Probezeit nicht gefährdet, wenn er so weitermacht.

Umgekehrt braucht das Feedback aber gerade auch der Auszubildende, bei dem eine Übernahme nicht selbstverständlich ist. Weisen Sie ihn darauf hin, was weniger gut läuft (und auch auf die Dinge, die er gut macht) und machen Sie aktiv Verbesserungsvorschläge. Prüfen Sie später, ob sich der Azubi an Ihre Tipps gehalten hat.

Regelmäßige Gespräche müssen Sie als Ausbildungsverantwortlicher aber auch mit den Ausbildern in den Fachabteilungen führen. Lassen Sie sich regelmäßig über den Leistungsstand der Azubis informieren. Bitten Sie vor allem aber auch um frühzeitige Hinweise auf soziale Probleme und atmosphärische Störungen. Denn diese können das gesamte Leistungsvermögen eines Auszubildenden hemmen. Erfahren Sie rechtzeitig davon, dann können Sie durch eine organisatorische Veränderung während der Probezeit (z. B. vorzeitiger Abteilungswechsel) den Azubi noch während der Probezeit in einem anderen Umfeld erleben.

Personal und Arbeitsrecht aktuell

Egal ob es um brandneue Urteile der Arbeitsgerichte geht, die für Sie als Arbeitgeber, als Führungskraft oder als Personalverantwortlicher von Bedeutung sind oder zum rechtssicheren Umgang mit Abmahnungen, Zeugnissen, Kündigungen. Jetzt bekommen Sie die aktuellsten und wichtigsten Tipps frei Haus.

Datenschutz

Anzeige