Gratis-Download

Wie Sie die 11 häufigsten Irrtümer und Arbeitgeberfallen sicher umgehen. Denn die Fehler liegen im Detail. Und das kann teuer für Ihr Unternehmen...

Jetzt downloaden

Neuer Azubi? In welchen Fällen die Probezeit länger als 4 Monate dauern darf

0 Beurteilungen
Probezeit bei Azubis
Urheber: Stockfotos-MG | Fotolia

Von Günter Stein,

8 bis 10 Wochen, danach können Sie sich schon ein gutes Bild von den neuen Azubis machen, die dieses Jahr ihre Ausbildung in Ihrem Betrieb begonnen haben. Leider fällt das Fazit nicht immer positiv aus. Dann heißt es für Sie: Schnell handeln, bevor es zu spät ist. Das wollen die betroffenen Azubis natürlich nicht immer hinnehmen. Aber glücklicherweise stärkt Ihnen das Bundesarbeitsgericht (BAG) in diesem Punkt den Rücken.

Der Fall: Gerade da – und schon wieder weg. 6 Wochen fehlte ein Auszubildender in dem Betrieb, in dem er gerade erst seine Ausbildung begonnen hatte. Der Grund: ein Sportunfall. Zu viel für den Arbeitgeber, der daraufhin eine Probezeitkündigung während der verlängerten Probezeit aussprach. Geht nicht, erwiderte der Azubi – und klagte!

Seine Begründung: Der Vertrag sei intransparent. Die vorgesehene Verlängerung der Probezeit bei langen Fehlzeiten benachteilige ihn unangemessen („Wird die Ausbildung während der Probezeit um mehr als ein 1/3 dieser Zeit unterbrochen, so verlängert sich die Probezeit um den Zeitraum der Unterbrechung“). Weil die Regelung zur Verlängerung der Probezeit rechtsunwirksam sei, sei die Kündigung außerhalb der Probezeit erfolgt und damit unwirksam.

Das Urteil: Geht doch! Der Arbeitgeber hatte nämlich in den Ausbildungsvertrag eine Probezeitvereinbarung aufgenommen. Die war zwar sehr speziell, weil die Klausel vorsah, dass eine Unterbrechung – wie im Fall einer Arbeitsunfähigkeit – zu einer Verlängerung der Probezeit führen sollte. Damit hatten die Richter aber kein Problem. Eine solche Klausel ist nicht intransparent, befand das BAG, und kommt damit für den Auszubildenden auch nicht überraschend (BAG, Urteil vom 9.6.2016, Az. 6 AZR 396/15).

Das heißt für Sie: 4 Monate und keinen Tag länger, so lang ist die Probezeit, die Sie in den Ausbildungsvertrag aufnehmen dürfen. Mehr geht nicht, wenn Sie nicht riskieren wollen, dass eine Probezeitkündigung unwirksam ist. Haben Sie den Ausbildungsvertrag zum 1.10.2016 geschlossen, endet die Probezeit also am 31.1.2017.

Anzeige

 

Das neue BAG-Urteil gibt Ihnen jetzt die Chance, die Probezeit zu verlängern, wenn

  • der Azubi gleich zu Beginn seines Arbeitsverhältnisses länger oder mehrfach krank wird und
  • für diesen Fall vertraglich eine Verlängerung der Probezeit vereinbart worden ist.

Nehmen Sie eine Klausel in den Ausbildungsvertrag auf, dann können Sie Ihre Azubis länger testen!

Personal und Arbeitsrecht aktuell

Egal ob es um brandneue Urteile der Arbeitsgerichte geht, die für Sie als Arbeitgeber, als Führungskraft oder als Personalverantwortlicher von Bedeutung sind oder zum rechtssicheren Umgang mit Abmahnungen, Zeugnissen, Kündigungen. Jetzt bekommen Sie die aktuellsten und wichtigsten Tipps frei Haus.

Datenschutz

Anzeige

Jobs