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Mitarbeiterführung: So können Sie Missmatch verhindern

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Arbeitsrecht Mitarbeiterfuehrung Missmatch

Von Günter Stein,

Ich habe ein neues Wort in meinen Wortschatz aufgenommen und werde es heute verwenden. Es handelt sich dabei um den Ausdruck „Mismatch“, auf den ich in einer überaus interessanten Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) gestoßen bin.

Mit diesem Wort wird zum Ausdruck gebracht, dass etwas nicht passt. Zum Beispiel passen die Voraussetzungen Ihrer Bewerber manchmal nicht zu Ihren Ausbildungsplätzen – eine klassische Mismatch-Konstellation also. In der Untersuchung „Besetzung von Ausbildungsstellen“ untersucht das BIBB vor allem die Frage, warum es bundesweit seit Jahren zum Ende eines Ausbildungsjahres unbesetzte Stellen und unversorgte Bewerber gibt. Oder ökonomisch ausgedrückt: Angebot und Nachfrage gleichen sich nicht aus. Und genau diese Unausgeglichenheit wird als Mismatch bezeichnet. Wir könnten dafür auch den Begriff Passungsproblem wählen.

Vier verschiedene Typen von Missmatch

Die Autorinnen der BIBB-Studie Margit Ebbinghaus und Katarzyna Loter unterscheiden 4 Arten von Mismatches und damit 4 Ursachen, warum Ausbildungsplatzangebot und Bewerber-Profil nicht immer zusammenpassen:

  1. Beim regionalen Mismatch taucht das Ungleichgewicht nur in einer bestimmten Region auf und könnte durch eine höhere Mobilität der Bewerber bekämpft werden.
  2. Wenn schlicht die falschen Berufe als Ausbildungsplätze angeboten werden, spricht man von einem beruflichen Mismatch. So gab es zuletzt (aus Sicht der Bewerber) beispielsweise „zu viele“ Ausbildungsplätze zum Restaurantfachmann und zu wenige zum Bürokaufmann. Natürlich könnten die Betriebe Ihr Angebot anpassen, allerdings besteht dann die Gefahr, dass nach der Ausbildung die Übernahmequote sinkt. Auch Bewerber sind gefordert, ggf. von ihren Wunschberufen Abstand zu nehmen.
  3. Wissen Betriebe zu wenig über ihre potenziellen Bewerber und diese wiederum zu wenig über den Ausbildungsmarkt und die Berufe, liegt ein Informationsmismatch vor. Zur Behebung ist natürlich empfohlen, die Wissenslücken zu schließen – auch mit Hilfe der Berufsberatungen in den Arbeitsagenturen.
  4. Zentraler Aspekt der Untersuchung sind allerdings die Qualifikationen, welche die Bewerber mitbringen und welche die Unternehmen voraussetzen. Dass dies nicht immer zusammenpasst, wissen Sie als Ausbildungsunternehmen. Sie kennen also das Problem des qualifikatorischen Mismatches.

Wie reagieren Unternehmen auf das Missverhältnis?

Interessant ist hier vor allem die Frage, wie Unternehmen auf dieses Missverhältnis zwischen dem, was Azubis aus ihrer Sicht mitbringen müssen, und dem, was sie tatsächlich mitbringen, reagieren. Manche sind durchaus bereit, Kompromisse zu machen und stellen Azubis ein, die sie noch vor wenigen Jahren nicht ausgewählt hätten. So gaben etwa 42% der Betriebe an, dass sie zwar alle Ausbildungsplätze besetzt haben, allerdings gab es eigentlich nicht genug geeignete Bewerber. In etwa genauso viele Ausbildungsbetriebe fanden dagegen, dass es genügend geeignete Bewerber gab und besetzten Ihre Ausbildungsplätze ebenfalls zu 100%. Der Rest der befragten Unternehmen – etwa 15% - sah sich allerdings gezwungen, Abstriche bei der Einstellung zu machen. Sie konnten keineswegs alle Ausbildungsplätze besetzen. Was machen Betriebe anders, die bei der Azubi-Akquise zu 100% erfolgreich sind, als die, die zum Teil leer ausgehen? Ist es nur die Kompromissbereitschaft, heute auch schlechter qualifizierte Bewerber einzustellen? Zumindest 2 weitere Aspekte haben die Autoren der Studie erarbeitet:

  1. Unternehmen, welche die Ausbildung als wichtiges Instrument der Fachkräftesicherung ansehen, haben bessere Chancen, alle Ausbildungsplätze zu besetzen. Der Druck ist dann höher, die Akquisebemühungen sind intensiver und die Kompromissbereitschaft steigt. Ist der Einfluss der Ausbildung auf die Personalpolitik im Unternehmen dagegen gering, wird schon mal eher ein Ausbildungsplatz unbesetzt gelassen.
  2. Erfolgreiche Betriebe legen bei der Auswahl der Azubis mehr Wert auf die soziale Kompetenz, also beispielsweise den persönlichen Eindruck oder das Engagement in Vereinen. Umso so höher der Stellenwert des Leistungsbereichs – ausgedrückt durch Zeugnisse und Testergebnisse – dagegen ist, desto mehr steigt das Risiko, einen Ausbildungsplatz nicht besetzen zu können.

Ich meine: Kompromisse bei der Einstellung von Auszubildenden werden in den nächsten Jahren weiterhin notwendig sein. Schließlich kommen zu den qualifikatorischen Defiziten auch noch die Auswirkungen des Geburtenrückgangs und damit sinkende Schulabgängerzahlen. Es bleibt Ihnen als Ausbildungsbetrieb dann nichts anderes übrig, als vorhandene Defizite während der Ausbildung auszugleichen. Das kostet Zeit und Geld, ist aber letztlich eine Maßnahme, die sich für Ihr Unternehmen wahrscheinlich rechnen wird, da sie so aktiv den Fachkräftemangel bekämpfen. Gleichwohl sollten wir über Kammern und Verbände immer wieder daran erinnern, dass schulische Defizite vom Staat zu beheben sind. Die Länder sind in der Verantwortung, dafür zu sorgen, dass ausbildungsreife Jugendliche die Schulen verlassen. Würden sie dieser Aufgabe nachkommen, bräuchten wir über qualifikatorische Mismatches nicht zu diskutieren. Dahin müssen wir wieder kommen.

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