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Probezeit: Betrieb und Azubi prüfen sich letztmalig

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Ausbildung Probezeit

Von Günter Stein,

Beide Seiten, Ausbildungsbetrieb und Auszubildender, haben in der Probezeit das Recht, die Ausbildung unkompliziert zu beenden. Nach dem Motto „Prüfe, wer sich lange bindet“ sollten Sie Ihre "Neuen" tatsächlich einer ernsthaften Prüfung "auf Herz und Nieren" unterziehen.

Die Probezeit dient Ihnen dazu festzustellen, ob der eingestellte Azubi tatsächlich zu Ihrem Unternehmen passt und ob er in der Lage sein wird, das Ausbildungsziel zu erreichen. Es ist daher legitim, die Probezeit als letzte Möglichkeit der Selektion zu nutzen. Denn wenn es tatsächlich Probleme gibt, dann tun Sie sich und dem Azubi mit einer Übernahme nach der Probezeit keinen Gefallen. Zudem erschweren Sie sich auch Ihren eigenen Job, wenn Sie Kandidaten übernehmen, die bereits in der Probezeit vermuten lassen, dass sie die erforderliche Leistung und Einstellung nicht erbringen können oder wollen. Und zum Dritten leidet häufig auch die Ausbildung anderer Azubis darunter, wenn Querulanten über die gesamte Ausbildungsdauer hinweg die Abläufe eher stören statt sie zu unterstützen.

Probezeit als letzte Möglichkeit der Selektion

Was für Sie gilt, gilt allerdings auch für den Auszubildenden. Auch er kann prüfen, ob die Ausbildung das Richtige für ihn ist. Und auch er kann seinen Ausbildungsbetrieb unter die Lupe nehmen, in dem er die kommenden Jahre sehr viel Zeit verbringen wird. Entscheidet er sich für Ihr Unternehmen, wird jedoch enttäuscht, dann könnte es ihm gelingen, einen alten Kontakt erfolgreich zu aktivieren und das Vertragsverhältnis mit Ihnen zu kündigen. Und nach § 22 Berufsbildungsgesetz (BBiG) braucht er ja bekanntlich noch nicht einmal eine Kündigungsfrist einhalten.

Daraus lassen sich generell zwei Ziele der Probezeit ableiten: Ziel Nr. 1: Erfolgreich selektieren und unterstützen. Ziel Nr. 2: Verhindern, dass gute Kandidaten selbst die Ausbildung beenden. So erreichen Sie diese beiden Ziele:

1. Entscheiden Sie objektiv – und das nach 4 Monaten.

Auch wenn eine Probezeit nach dem Berufsbildungsgesetz zwischen 1 und 4 Monaten dauert: Wir empfehlen Ihnen, immer die maximale Zeit von 4 Monaten auszuschöpfen. So haben Sie länger Zeit, ein objektives und gründliches Urteil zu fällen. Zudem geben Sie dem Auszubildenden dann mehr Gelegenheit zu zeigen, dass er der Ausbildung in Ihrem Haus gewachsen ist. Während der Probezeit ist es sinnvoll, häufiger Zwischenbewertungen abzugeben. Hier kommt beispielsweise ein 4-Wochen-Intervall in Frage. Zudem sollte mit jeder Beurteilung ein Beurteilungsgespräch einhergehen, in dem Sie gelungene Leistungen würdigen, aber auch Kritik äußern, wo sie berechtigt und hilfreich ist. Von jedem Gespräch sollten zudem Zielvereinbarungen ausgehen, die dann im nächsten Gespräch auf den Erfolg hin analysiert werden. So kommen Sie auf 3 bis 4 Gespräche während der Probezeit und können Entwicklungen feststellen. Sie erkennen, wie ernst der Azubi Ihre Hinweise nimmt und ob er in der Lage ist, diese umzusetzen. Regelmäßige Beurteilungen mit jeweils einem Gespräch, das getroffene Vereinbarungen auswertet und neue Ziele festsetzt, sind eine ideale Basis dafür, dass zum Ende der Probezeit beide wissen: Ist der Azubi den Anforderungen seines Ausbildungsberufs gewachsen und passt er ins Unternehmen?

Stellen Sie diese wichtige Entscheidung auf ein belastbares Fundament. Kommen Sie zu einem objektiven Urteil, indem Sie folgende Punkte beachten:

  1. Informieren Sie die während der Probezeit an der Ausbildung beteiligten Fachausbilder über Ihre Vorgehensweise. Fordern Sie ernsthafte Beurteilungen alle 4 Wochen ein und kündigen Sie auch an, dass Sie mit Fachausbildern persönliche Gespräche führen werden. Das gilt in besonderem Maße, wenn ein Azubi auf der Kippe steht.
  2. Alle beteiligten Fachausbilder sollten wissen, dass es sich um Probezeit-Auszubildende handelt. Damit erreichen Sie zweierlei: Zum einen Verständnis für den Mehraufwand und entsprechende Sorgfalt bei der Beurteilung. Und zum anderen dient diese Information natürlich auch dazu, dass die fachlichen Leistungen der Anfänger richtig eingestuft werden. Denn zu Beginn der Ausbildung werden naturgemäß mehr Fehler gemacht - und das muss der Beurteilende berücksichtigen.
  3. Informieren Sie auch die Auszubildenden, dass Sie etwa alle 4 Wochen das Gespräch suchen werden. Machen Sie deutlich, dass es dabei nicht in erster Linie um negative Kritik geht, sondern zum einen darum zu honorieren, was gut läuft und zum anderen darum zu benennen, was und wie er etwas besser machen kann.
  4. Erstellen Sie den Ausbildungsplan so, dass die Probezeit möglichst in mindestens 2 Unternehmensbereichen, die sich deutlich unterscheiden, durchgeführt wird. Ihr Bild in den Beurteilungen wird so merklich differenzierter. Lässt sich dies nicht organisieren, dann sollte – wenn möglich – zumindest der beurteilende Fachausbilder wechseln. So halten Sie die Wahrscheinlichkeit in Grenzen, dass in die Beurteilung eine mögliche persönliche Antipathie einfließen könnte und das Beurteilungsergebnis verzerrt.
  5. Berücksichtigen Sie auch das Verhalten und die Leistungen in der Berufsschule. Hierbei sollten Sie vor allem zwei Aspekte berücksichtigen: Hat Ihr Auszubildender grundlegende Probleme, die darauf schließen lassen, dass er für den Beruf nicht geeignet ist? Da es während der Probezeit noch kein Zeugnis gibt, ist ein Gespräch mit dem Klassenlehrer darüber – zumindest in Grenzfällen – zu empfehlen. Zum Zweiten sollten Sie prüfen, ob der Auszubildende häufiger zu spät in die Berufsschule kommt oder sogar ganze Tage unentschuldigt versäumt hat. Gibt es hierüber keine eingespielte Kommunikation mit der Berufsschule, sollten Sie selbst den Kontakt suchen.
  6. Urteilen Sie nicht vorzeitig. Machen Sie sich Ihr endgültiges Bild vom Azubi erst zum Ende der Probezeit. Ein Zwischenstand nach 4 oder 8 Wochen ist tatsächlich nur eine Bestandsaufnahme. Gestehen Sie jedem Auszubildenden zu, dass er auch bei gravierenden Mängeln noch die Kurve kriegen kann. Und umgekehrt sollten Sie sich auch nach ersten Anfangserfolgen über einen Auszubildenden nicht gleich allzu sicher sein.

Tipp: Ziehen Sie zu Ihrer Beurteilung nicht nur die gezeigten Leistungen eines Azubis heran. Auch die Aspekte der Lernbereitschaft und des Verhaltens spielen eine wichtige Rolle, um die zukünftige Zusammenarbeit zu beurteilen. Denn gerade in diesen Bereichen können sich grundsätzliche Probleme anbahnen, die unter Umständen die gesamte Ausbildungszeit belasten. Bei allen 3 Beurteilungsaspekten gilt: Achten Sie darauf, ob die Entwicklung während der Probezeit einem positiven oder negativen Trend folgt.

2. Verhindern Sie eine Kündigung seitens guter Auszubildender

Ein Blick in die Berufsbildungsberichte der letzten Jahre bringt es an den Tag: Rund 20 % der Berufsausbildungsverhältnisse werden vorzeitig gelöst. Davon entfällt mehr als ein Viertel auf die Probezeit. Und was häufig unterschätzt wird: Über die Hälfte der aufgelösten Ausbildungsverträge gehen auf die Initiative des Auszubildenden zurück. Das kann daher rühren, dass er sich nicht wohl fühlt oder dass er den täglichen Anforderungen nicht gewachsen ist. In solchen Fällen würden Sie eventuell zum selben Schluss kommen und die Beendigung der Ausbildung befürworten. Dann ist die Kündigung des Azubis für Sie wahrscheinlich in Ordnung.

Anders liegt der Fall, wenn Sie auf den unzufriedenen Auszubildenden gesetzt und bereits größere Pläne mit ihm gemacht haben. Möglicherweise ist er von der Ausbildung enttäuscht und wechselt den Ausbildungsbetrieb. Oder er fühlt sich als Abiturient unterfordert und nimmt ein Studium auf. Seine Probezeit-Kündigung stellt Sie jedenfalls vor das Problem,

  • die geplante Ausbildung nicht mit ihm fortsetzen zu können und auch keinen adäquaten Ersatz zu haben,
  • in einigen Jahren zu Zeiten des Fachkräftemangels noch eine selbst ausgebildete Kraft weniger zu haben,
  • unter Umständen als Ausbildungsbetrieb Ihren guten Ruf zu verlieren, wenn solche „Frust-Kündigungen“ öfter vorkommen.

Während der Probezeit sollten Sie daher Ihre guten und (scheinbar) sicheren Auszubildenden nicht vernachlässigen. Diese sind dann am besten versorgt, wenn

  • sie angemessene und abwechslungsreiche Aufgaben während der Probezeit zu erledigen haben,
  • sie in den Beurteilungsgesprächen Anerkennung erfahren,
  • Sie als Ausbilder in der Lage sind, auf erkennbare Unterforderung adäquat zu reagieren,
  • etwaige Konflikte mit Kollegen rasch gelöst werden, wobei Sie als Ausbildungsverantwortlicher natürlich vor allem die Interessen des Azubis wahrnehmen.

Hinweis: Gerade die Auszubildenden, die die besten Einstellungsvoraussetzungen mitgebracht haben, haben auch die höchsten Ansprüche an die Ausbildung. Sie sollten – gerade in der Probezeit – gezielt gefördert werden, da manche von ihnen durchaus eine andere berufliche Perspektive wahrnehmen könnten.

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