Gratis-Download

Nachdem das Coronavirus immer weiter um sich greift, stellt sich die Frage nach den arbeitsrechtlichen Konsequenzen: Wie sieht es mit der…

Jetzt downloaden

Achtung: Bei Mobbing müssen Sie nicht automatisch Schmerzensgeld zahlen

 
Urheber: helmutvogler | Fotolia

Erstellt:

Wird ein Mitarbeiter derartig gemobbt, dass körperliche oder psychische Schäden entstehen, kann das beschäftigende Unternehmen zur Zahlung von Schmerzensgeld verpflichtet sein. Doch stecken hier die Gerichte inzwischen den Rahmen recht eng und verlangen einen eindeutigen Beweis, dass die Schäden ausschließlich durch Mobbing entstanden sind.

Das musste ein Gepäckabfertiger vom Vorsitzenden Richter des Arbeitsgerichts Frankfurt/Main erfahren. Er war bei einer Spedition beschäftigt und wurde hier laut eigenen Aussagen von seinem Vorgesetzten wiederholt derartig beleidigt und erheblich beschimpft, dass er einen Nervenzusammenbruch erlitt. Seiner Meinung nach hätte der Arbeitgeber gegen seinen Vorgesetzten vorgehen und die Schikanen nachhaltig unterbinden müssen. Da dieser aber nichts unternahm, sei seine Firma ihrer Fürsorgepflicht offensichtlich nicht nachgekommen. Deshalb stünde ihm ein Schmerzensgeld von 2.000 Euro zu.
Wie die Richter hier entschieden und was das Urteil für Sie als Logistikverantwortlichen bedeutet.

Schmerzensgeld: Anspruch besteht nur bei Mobbing als alleiniger Ursache

Dieser Argumentation mochte das Gericht jedoch nicht folgen. Seiner Ansicht nach sei auch nach erheblichen psychischen Beeinträchtigungen am Arbeitsplatz nicht immer grundsätzlich von einem Anspruch auf Schmerzensgeld auszugehen. Dies sei nur der Fall, wenn sich zweifelsfrei beweisen lasse, dass Mobbing die alleinige Ursache für eine solche Erkrankung ist. Da der Kläger jedoch schon vor den Auseinandersetzungen mit seinem Vorgesetzten deutliche Anzeichen einer psychischen Erkrankung gehabt hatte, sei kein direkter Zusammenhang zwischen seinem Nervenzusammenbruch und dem Mobbing seines Vorgesetzten herzustellen, und deshalb stünde ihm kein Schmerzensgeld zu. (ArbG Frankfurt/ Main, 27.5.2008, Az.: 15 Ca 787/08)
Tipp: Wenn Sie es einmal mit einem ähnlichen Fall zu tun bekommen, dann versuchen Sie immer, zu belegen, dass der betreffende Mitarbeiter schon länger psychische Probleme hatte. Das geht am besten, wenn Sie sich gehäuft auftretendes Nachlassen der Arbeitsleistung durch offensichtliche Gemütsschwankungen schriftlich notieren.
Insbesondere wenn ein Mitarbeiter gegenüber Kollegen oder Vorgesetzten öfter ungehalten oder gar aggressiv auftritt, sollten Sie dies schriftlich mit Datum, Uhrzeit und eventuellen Zeugenaussagen festhalten. Gleiches gilt, wenn ein Arbeitnehmer plötzlich ein merkwürdiges Verhalten an den Tag legt. Im Zweifelsfall sollten Sie hier - falls in Ihrem Unternehmen vorhanden - den Betriebsarzt zurate ziehen.

Personal und Arbeitsrecht aktuell

Egal ob es um brandneue Urteile der Arbeitsgerichte geht, die für Sie als Arbeitgeber, als Führungskraft oder als Personalverantwortlicher von Bedeutung sind oder zum rechtssicheren Umgang mit Abmahnungen, Zeugnissen, Kündigungen. Jetzt bekommen Sie die aktuellsten und wichtigsten Tipps frei Haus.

Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
Sie können den kostenlosen E-Mail-Newsletter jederzeit wieder abbestellen.

Datenschutz
Produktempfehlungen

Rechtssicher entscheiden, Mitarbeiter führen, Karriere gestalten

So entschlüsseln Sie was das Arbeitszeugnis wirklich über Ihren Bewerber aussagt!

Schritt für Schritt zur wirksamen Gefährdungsbeurteilung

Wie Sie innere Stärke entwickeln und Veränderungen meistern

Jobs